Handball-Bundesliga: MT gibt im Hessenderby 26:23-Vorsprung noch aus der Hand

Melsungen kalt erwischt

Erschöpft und enttäuscht: Melsungens bester Torschütze Savas Karipidis. Foto: Hahn

Wetzlar. Der siebte Derbysieg war greifbar nahe, ja schon fast in trockenen Tüchern. In der 48. Minute nämlich, als Daniel Tellander einen Tempogegenstoß zum 26:23 für die MT Melsungen verwandelte. Im Handball beileibe keine Erfolgsgarantie, aber eine gute Basis, um am Ende die Nase vorn zu haben. Zumal der heimische Bundesligist gerade die Wetzlarer Aufholjagd zum 19:19 (40.) kühl und souverän gekontert hatte.

Der hessische Rivale also vor heimischem Publikum endgültig abgeblitzt? Mitnichten. Denn nach der scheinbaren Vorentscheidung passierte plötzlich das, was MT-Kreisläufer Felix Danner nach dem Spiel als „Einbruch“ bezeichnete. Mannschaftskollege Mario Kelentric sprach gar von einem „schwarzen Loch“, in das seine Angreifer in der Schlussphase gefallen waren. Ihre unvorbereiteten und überhasteten Abschlüsse aktivierten die lang im Zaum gehaltenen erste und zweite Welle des Gegners, der sich mit seinen schnellen Leuten nicht lumpen ließ und die Partie zum 32:30 (14:16) noch umbog.

Ausgerechnet Allendorf

Ausgerechnet Michael Allendorf sorgte mit seinem Treffer zum 27:26 (53.) für die erste HSG-Führung und konnte diese bei einem weiteren Tempogegenstoß zum 29:27 (54.) ausbauen. Ausgerechnet der Mann, der in der nächsten Saison das MT-Trikot tragen wird und deshalb natürlich unter besonderer Beobachtung der 3633 Zuschauer in der Rittal Arena stand. „Ich war schon nervös und habe mich entsprechend schwergetan, ins Spiel zu finden“, gestand der Linksaußen. Sichtlich froh darüber, „dass es am Ende so gelaufen ist“.

Dass nämlich seine Mannschaft noch auf die Siegerstraße einbog, während der lange Zeit dominierende Gast im Dannerschen Sinne „einbrach“. Dessen letzte Chance, nochmal heranzukommen, vergab Alexandros Vasilakis knapp drei Minuten vor Schluss, als er einen Siebenmeter an den Pfosten setzte. Und Sven-Sören Christophersen im Gegenzug mit dem 32:29 alles klarmachte.

„Diese Niederlage war absolut unnötig“, klagte Rechtsaußen Savas Karipidis, „denn wir hatten es selbst in der Hand, hier alles zu unseren Gunsten klarzumachen.“ Ein Nachbarduell der verpassten Gelegenheiten schon in der ersten Hälfte, als allein Torwart Nikolei Weber seine mit der offensiven Melsunger Deckung heillos überforderten Mannschaft im Spiel hielt. Insbesondere in Unterzahl, als es die Zinglersen-Schützlinge verpassten, ihren 11:7-Vorsprung (21.) auszubauen.

Unverhoffte Wende

Danach glichen sich die Kräfteverhältnisse an, ohne dass die Nordhessen den Taktstock aus der Hand gaben. Auch wenn mittlerweile die eigenen Tore mehr erarbeitet denn erspielt wurden, reichten die individuellen Akzente von Karipidis, Vasilakis und Sanikis aus, Wetzlar auf Distanz zu halten. Bis zur Wende. Bis die Melsunger überrannt wurden, die sich offensichtlich zu sorglos in ihrer vermeintlichen Überlegenheit eingerichtet hatten. Und entsprechend kalt erwischt wurden, als diese im Sekundentakt verpuffte.

Von Ralf Ohm

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.