Abwehrhüne nutzt Spiel-Pause

MT Melsungen: Sohn Lasse macht Philipp Müller gelassen

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Versonnener Blick: Philipp Müller spielt mit seinem Sohn Lasse.

Kassel. Philipp Müller von Handball-Bundesligist MT Melsungen ist auf dem Spielfeld eher der harte Typ. Bei Sohnemann Lasse wird der Verteidiger ganz sanft.

Wer Philipp Müller beim Handball erlebt, weiß, dass der Mann zupackt. Der Abwehrhüne der MT Melsungen ist kein Kind von Traurigkeit - solange er auf der Platte steht. Fernab des Spielfeldes kann der 31-Jährige ganz anders, vor allem im Umgang mit seinem Sohn Lasse: Da wird aus dem rigorosen Verteidiger ein sanftmütiger Papa. „Eine Geburt rückt alles ins rechte Licht“, sagt Müller. Lob gibt’s von der Mutter: „Er ist ein sehr liebevoller Vater“, sagt Müllers Lebensgefährtin Katja Langkeit.

Und so ist in der Wohnung Müller/Langkeit an der Kölnischen Straße in Kassel alles auf Baby eingestellt. Stubenwagen, Laufstall, Decken, Kuscheltiere, Spielzeug - allein mit den Utensilien, die das Wohnzimmer ausfüllen, könnte Müller auf jedem Babybasar einen ordentlichen Reibach machen. Seit Anfang November gehört Lasse zur Familie, und Müller gesteht, dass er ein wenig Panik hatte. Klitzekleine Panik. „Lasse kam zu früh. Es war noch nicht alles fertig. Ich war beim Training, als Katja anrief“, erinnert er sich an den Tag, „den ich niemals vergessen werde“.

Der stolze Papa: Philipp Müllers Profilbild bei WhatsApp.

Natürlich war der Handballer anfangs nervös. „Da ist so ein kleines Würmchen. Da fragst du dich schon, obman alles richtig macht.“ Die Unsicherheit verflog aber rasch, und nun macht es Müller einfach Spaß, Vater zu sein und zu sehen, was der Sohnemann täglich Neues kann. Weil Lasse gestillt wird, bleiben dem Papa Nachtschichten weitestgehend erspart. Müller sagt: „Mit mir kann man nachts sowieso nichts anfangen.“ Nach einem kurzen Nickerchen ist Lasse aufgewacht. Katja Langkeit, die früher selbst in der Handball-Bundesliga aktiv war, bringt den Kleinen dem stolzen Vater. Behutsam platziert er Lasse auf seinen Knien, knutscht und kuschelt ihn. So versonnen kann nur ein zufriedener Papa dreinblicken. Der Job als Profi-Handballer kommt Müller insgesamt sehr gelegen. „Ich kann viel Zeit mit Lasse verbringen“, sagt er.

Von daher sieht er die aktuelle Pause aus zwei Blickwinkeln. Aus Vatersicht seien vier Wochen spielfrei optimal, aber aus Spielersicht extrem grenzwertig. „Gerade herrschte ein toller Boom. Nun kommen wir aus dem Rhythmus und müssen wieder eine Art Vorbereitung betreiben“, schimpft Müller. Umso mehr freue er sich auf den Neustart gegen Balingen vor eigenem Publikum.

Allerdings merkt er seit der Geburt seines Sohnes, dass es Wichtigeres gibt als Handball. Natürlich sei er weiterhin top motiviert, sagt Müller, „aber ich bin gelassener und versuche, nicht mehr so verbissen zu sein“. Diese Verbissenheit hat ihm nicht immer Freunde eingebracht. Gerade in fremden Hallen gibt’s oft vom Anwurf weg Pfiffe gegen ihn. Da eile ein Ruf voraus, mutmaßt der Verteidiger, „der eine oder andere sieht in mir wohl ein Feindbild“. Was schon verrückt ist, denn ansonsten zählt Müller zu einem der witzigsten Zeitgenossen des MT-Teams. Er sagt: „Leute, die mich kennen, wissen, was sie an mir haben.“ Söhnchen Lasse weiß das bestimmt auch schon.

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