Die Torhüter im Blick: Sjöstrand gegen Appelgren

+
Johan Sjöstrand

Melsungen/Mannheim. Mehr Spitzenspiel geht nicht, keine Frage. Wenn etwa der Tabellendritte der Handball-Bundesliga, die MT Melsungen, den Spitzenreiter Rhein-Neckar Löwen zu Gast hat (Sa. 19 Uhr).

Trotzdem gibt‘s auch abseits diese tabellarischen Superlativs Facetten, die das Spitzenspiel besonders reizvoll machen. Etwa das Torwartduell: Johan Sjöstrand (MT) gegen Mikael Appelgren (RNL), der Neu-Melsunger gegen den Ex-Melsunger, der explosive „Riese“ gegen den nervenstarken Stoiker. Zwei unterschiedliche Typen, die einiges gemeinsam haben. Denn beide sind Nationalspieler und „Kinder“ der schwedischen Torwartschule, beide haben großen Respekt voreinander, beide zählen mittlerweile zu den besten Torhütern der stärksten Liga der Welt. Und dürften daher beim Schlager in der Rothenbach-Halle eine Schlüsselrolle spielen.

In Form gegessen 

Erleichtert war er schon, auch wenn sich Johan Sjöstrand seine Zweifel nicht anmerken ließ. Ausgelöst durch eine unfreiwillige Abmagerungskur aufgrund einer seltenen Virus-Erkrankung, die dem 28-jährigen vor seinem Wechsel vom THW Kiel zur MT Melsungen Form und Gewicht gekostet hatte. Doch der Schwede trainierte, kämpfte und aß sich wieder heran. Und kann so vor dem Topspiel gegen den Spitzenreiter Rhein-Neckar Löwen freudig verkünden: „Es läuft besser als gedacht.“

Für seinen Trainer fast schon untertrieben, der seinen Neuzugang im Paket mit dem zweiten Torwart René Villadsen „mitverantwortlich“ für den Siegeszug seiner Mannschaft macht. „Johan spielt äußerst intelligent mit und strahlt eine unheimliche Sicherheit aus, die sich auf seine Vorderleute überträgt“, sagt Michael Roth. Auch glücklich darüber, dass der schwedische Nationalspieler damit seinen beliebten Vorgänger Mikael Appelgren, den die Melsunger schweren Herzens zu den Rhein-Neckar Löwen ziehen lassen mussten, „mehr als ersetzt hat“.

Denn der 1,95m-Mann passt optimal zum vorgebenen Abwehrsystem, d.h. er wehrt die Bälle ab, die der Gegner in Bedrängnis noch aufs Tor bringt oder die der mächtige Mittelblock Müller/Danner (absichtlich) vorbei lässt. Sjöstrands Quote aus dem Rückraum liegt dabei über 50 Prozent - die derzeit höchste der Bundesliga. Auch von außen (38 Prozent) haben es die Gegner verdammt schwer einzulochen. Denn: „Er bleibt lange stehen, weil er sich auf seine guten Reaktionen verlassen kann“ (Roth).

So hat er das nach eigener Aussage in Schweden (in Skövde) gelernt, will aber noch weiter an sich arbeiten. Etwa am Abwehren von Siebenmetern, treffenderweise eine der Spezialitäten seines Nationalmannschaftskollegen Appelgren. Der hat mit Uwe Gensheimer den Strafwurfexperten per se im Team. Eine Herausforderung, die durchaus zu Sjöstrands aktueller Form passt.

Zirkusreife Paraden 

Seine Paraden waren bisweilen zirkusreif. Etwas wenn sich Mikael Appelgren mit seinem mächtigen Oberkörper und tellergroßen Händen den freien Würfen des Gegners explosiv entgegenstreckte. Da stöhnte der Gegner ob der vertanen Chance auf, da hatte sich der Schwede ganz schnell in die Herzen der Fans der MT Melsungen gespielt, bei der er 2012 als unbekanntes Talent anheuerte. „Eine Superzeit“, blickt der 26-Jährige immer noch etwas wehmütig auf seinen Durchbruch in der Handball-Bundesliga zurück.

Wo mittlerweile Vize-Meister Rhein-Neckar Löwen auf den Blondschopf aufmerksam geworden war und ihn zum Landin-Nachfolger erkor. Zu große Fußstapfen für den 26-Jährigen? Mitnichten. Zusammen mit Darko Stanic war er maßgeblich am Siegeszug seiner neuen Mannschaft beteiligt.

Eine ganz besondere Kooperation: Der serbische Nationaltorwart bei einer 3:3-Deckung zuständig für Würfe aus der Nahwurfzone, der schwedische bei einer 6:0-Variante für solche aus dem Rückraum, die er wie gehabt excellent zu entschärfen wusste. Plus, wie gehabt, mancher freier Bälle.

Mittlerweile zog es Stanic in den Katar - und Mikael Appelgren hat endgültig die volle Verantwortung seines prominenten Vorgängers - heute die Nummer eins in Kiel - übernommen. „Natürlich spüre ich mehr Druck, doch für mich ist das auch eine gute Herausforderung“, erklärt der zur alleinigen Nummer eins Aufgestiegene. Auch um sich so individuell weiter zu entwickeln: „Manchmal reagiere ich zu schnell und muss einfach noch abgeklärter werden.“

In den letzten drei Spielen wurde der Ex-Melsunger wegen einer Oberschenkelzerrung vom nachverpflichteten Richard Stochl vertreten, „Geschont“, wie sein Mentor Michael Roth vermutet, um im Gipfeltreffen auf jeden Fall dabei zu sein. Denn: Mikael Appelgren kennt die gegnerischen Angreifer wie kein anderer. Die ihn aber auch. Und dürften daher nicht ganz so leicht zu beeindrucken sein.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.