Nach MT-Sieg am Sonntag

Melsungens Reichmann überragt gegen Leipzig und gibt das Lob weiter

Spielte seine ganze Erfahrung aus: Rechtsaußen Tobias Reichmann (vorn). Im Hintergrund: Aivis Jurdzs.

Kassel. Nach dem wichtigen 35:27-Sieg gegen Leipzig stand bei Handball-Bundesligist MT Melsungen unter anderen Tobias Reichmann im Blickpunkt. Der Rechtsaußen erzielte elf Treffer.

 „Ich bin ganz schön erledigt.“ Dass Tobias Reichmann nach Spielende immer mal wieder den Körper nach vorn beugte und seine Arme auf den Oberschenkeln ablegte, war keine Überraschung. Die ganze Woche über hatte der Rechtsaußen des Handball-Bundesligisten MT Melsungen wegen eines fiebrigen Infektes pausieren müssen. Auch am Spieltag war er nicht bei hundert Prozent. Dennoch schwang er sich beim wichtigen 35:27-Erfolg gegen den SC DHfK Leipzig zu einer Top-Leistung auf.

Die erste Hälfte hatte Reichmann weitgehend auf der Ersatzbank verbracht – nur für die Siebenmeter kam er aufs Feld. „In der Pause habe ich viel mit ihm geredet. Ich habe ihm klargemacht, dass wir ihn heute hoch konzentriert brauchen“, erklärte Trainer Heiko Grimm. Tatsächlich spielte der Linkshänder seine Erfahrung aus drei gewonnenen Champions-League-Finals aus und verwandelte jeden Wurf mit traumwandlerischer Sicherheit. „Ich bin froh, dass es so gut gelaufen ist. Allerdings verdient die ganze Mannschaft ein dickes Kompliment“, sagte Reichmann. Zumal auch Michael Allendorf auf linksaußen viele Akzente setzte.

Beispielsweise forderte er in der 23. Minute beim Konter den Ball von Lasse Mikkelsen, und der Däne setzte den Kollegen mit einem Diagonalball in Szene – 10:11. „Es war heute ein Arbeitssieg von uns“, befand Kreisläufer Marino Maric, der als Spitze der 5:1-Deckung ganze Arbeit leistete.

Wann genau der Wendepunkt im Spiel war, konnte nach der Begegnung niemand so genau sagen. In einem Punkt waren sich aber alle Beteiligten einig. „Wir haben uns nach dem Wechsel so präsentiert wie wir uns das vorgenommen hatten“, stellte Reichmann stellvertretend für das gesamte Team fest. „Wir sind alle sehr erleichtert heute“, fügte Kapitän Finn Lemke hinzu. Nach der schwachen Vorstellung vom Mittwoch bei den Rhein-Neckar Löwen hatten die Fans auf eine Reaktion der Mannschaft gehofft. Lemke sagt: „So wie wir uns in der zweiten Hälfte in Mannheim präsentiert hatten, konnte es danach nicht ohne deutliche Worte weitergehen.“

Als es dann einmal bei den Nordhessen lief, klappte auch das, was sonst nur im Training gelingen will. Maric, manschaftsintern gern mit dem Namen von Kroatiens Handball-Legende Ivano Balic angesprochen, bediente Reichmann am Kreis, obwohl er ganz woanders hingeschaut hatte. Im Basketball spricht man in diesem Fall von einem No-look-Pass. Reichmann machte das, was er bis dahin schon neunmal an diesem Nachmittag getan hatte: Er schloss eiskalt zum 30:24 ab – und trug damit dazu bei, dass die Hausherren einem sicheren Sieg entgegensteuerten.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Sport Schwalm-Eder-KreisSport Kassel
Kommentare zu diesem Artikel