„Mehr als das Halbfinale wäre eine Überraschung“

WM-Experte: Melsunger Ex-Trainer Michael Roth blickt auf das Turnier in Ägypten

Trainer der deutschen Handball-Nationalmannschaft ist Alfred Gislason.
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Trainer der deutschen Nationalmannschaft: Alfred Gislason.

Morgen beginnt die Handball-Weltmeisterschaft. Für diese Zeitung wird der ehemalige Melsunger Bundesliga-Trainer Michael Roth das Geschehen bei dem Turnier begleiten.

Kassel – Morgen geht es los. Mit dem Spiel des Gastgebers Ägypten gegen Chile (18 Uhr) beginnt die Handball-Weltmeisterschaft. Für diese Zeitung wird der ehemalige Melsunger Bundesliga-Trainer Michael Roth das Geschehen bei dem Turnier mit erstmals 32 Mannschaften begleiten. Wenn er nicht sein Amt als Nationalcoach Bahrains niedergelegt hätte, wäre er sogar selbst bei der WM im Einsatz gewesen.

Michael Roth über ...

... eine XXL-WM inmitten einer Pandemie: „Es wird immer viel über die Belastung gesprochen. Und dann wird eine Weltmeisterschaft so aufgeblasen. Das widerspricht dem, was viele eigentlich wollen. Ich weiß auch, dass es sympathisch ist, wenn sich Teams qualifizieren, die normalerweise keine Chance hätten an einem solchen Turnier teilzunehmen. Aber für unseren Sport ist das nicht der richtige Weg.“

... den sportlichen Wert: „Dass mehrere Topspieler verzichtet haben beziehungsweise absagen mussten, ist nur der Pandemie geschuldet. Hinzu kommt auch der Punkt Olympische Spiele im Sommer in Tokio: Es sind legitime Gedankengänge, wenn sich potenzielle Olympia-Teilnehmer jetzt schon damit beschäftigen, wie sie ihren Körper am besten in Schuss halten können. Deswegen war es für mich auch keine Überraschung, dass Spieler über eine Absage nachdenken. Da nun einige Handball-Stars fehlen, wird die Attraktivität der WM sinken und das Turnier an Qualität etwas leiden. Das einzig Gute: Einige jüngere Spieler können sich in Position bringen.“

Zuletzt Trainer in Bahrain: Michael Roth. 

... die deutschen Aussichten: „Auch wenn die Österreicher keine Top-Nation im Handball sind, so waren die Siege doch ein gutes Zeichen dafür, dass die Vorbereitung erfreulich verlaufen ist. Bei der WM bekommt es die Mannschaft von Alfred Gislason allerdings mit Gegnern von ganz anderem Kaliber zu tun. Es wäre schön, wenn sich das Team im Verlauf des Turniers mal wieder so steigert wie bei der EM 2016. Mehr als das Halbfinale wäre aber eine dicke Überraschung.“

... die WM-Favoriten: „Die größten Chancen räume ich den Dänen, Franzosen und Norwegern ein, weil sie auch noch eine sehr gute zweite Reihe haben. Zudem haben diese Teams Spieler im Aufgebot, die immer auch mal den Unterschied in einem engen Spiel machen können. Ich denke da vor allem an den Norweger Sander Sagosen. Titelverteidiger Dänemark hat von der enttäuschenden EM im Vorjahr noch etwas gutzumachen. Hinter diesem Trio erwarte ich Spanier und Kroaten.“

... mögliche Überraschungen: „Ich halte nichts davon, im Vorfeld eines Turniers über mögliche Stars zu spekulieren. Ich lasse mich gern überraschen. Sehr viel traue ich aber den Ägyptern bei ihrer Heim-WM zu. Die haben sich extrem gut vorbereitet, können körperlich mit jedem Gegner mithalten und über sich hinauswachsen – auch ohne Zuschauer.“ (Björn Mahr)

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