Vor Ort: Zwölf Stunden Fahrt in die Ost-Slowakei

Im Bus der Melsunger Fans: „Ballermann ohne Alkohol“

Beste Laune bei MT-Fans und Verantwortlichen in der Tatran-Arena: Christian Eiler (von links), Rastislav Trtik, Dr. Bernd Sostmann, Markus Martin, Manuel Dietrich und Lars Bethke. Foto: Mahr

Presov. In diesem Augenblick hat er endgültig alle Strapazen der vergangenen 48 Stunden vergessen. Als sämtliche Spieler der MT Melsungen in der Tatran-Arena zu ihren 20 mitgereisten Fans eilen, um sich per Handschlag für die lautstarke Unterstützung zu bedanken und mit ihnen das Weiterkommen im Europapokal gegen Gastgeber Presov zu feiern, strahlt Markus Martin wie ein Honigkuchenpferd.

Die wichtigsten Stationen einer durch und durch unvergesslichen Auswärtsfahrt für Markus Martin – aber auch für seine Kameraden im Fanclub „MT-Trommler“.

VOR DEM START – FREITAG, 20 UHR

Das ist so eigentlich nicht korrekt, weil die Geschichte des 38 Jahre alten Bergshäusers nicht am Tag vor dem Spiel beginnt, sondern noch um einiges früher. Am Donnerstag war Markus Martin bei plus 30 Grad noch dienstlich in Sao Paolo in Brasilien unterwegs. Erst am Freitagmittag hatte er bei Temperaturen um 5 Grad wieder in Frankfurt deutschen Boden unter den Füßen. Rein in den Zug, zu Hause kurz Koffer aus- und Tasche gepackt – schon ging es wieder los. Zum Treffpunkt in Melsungen, von wo sich der Tross mit zwei Kleinbussen auf den Weg Richtung Ost-Slowakei macht. Und da will Martin unbedingt dabei sein, nachdem schon der mehrtägige Trip zum Zweitrunden-Duell in Toulouse großen Anklang gefunden hatte: „Das ist eine tolle Truppe. Keine Nörgler, keiner fällt aus der Reihe.“

UNTERWEGS NACH OSTEN – FREITAG, 23.15 UHR

Irgendwie macht es Sinn, dass Markus Martin fürs erste hinterm Steuer sitzt: Stichwort Jetlag. An Schlafen ist da eh nicht zu denken. Obwohl es die Lautstärke in dem Bus zweifelsfrei zugelassen hätte. Anders wäre es in dem zweiten Fahrzeug gewesen. Atemlos geht’s da durch die Nacht. „Das ist Ballermann, nur ohne Alkohol“, sagt Nadine, die auf der ersten Bank hinter dem Fuldabrücker geräuscharm eine Folge der Serie „Hart of dixie“ auf dem Tablet schaut. Auf dem Gerät ihrer Sitznachbarin Antje läuft die Bill-Cosby-Show. Wenn im Wagen vor ihnen der Ballermann ist, was ist dann ihr Bus? Das mallorquinische Hinterland?

ABGEFAHREN – SAMSTAG, 4.45 UHR

Wenn Markus Martin oder Jürgen Ferschke, mit dem er sich abwechselt, den Rat des Navigationsgeräts befolgt hätten, hätten sie vor, auf Höhe von oder hinter Dresden (und das Gleiche noch mal bei Kattowitz in Polen) die Autobahn Richtung Süden verlassen müssen. Im Wissen, dass es hinter Krakau aber noch einen günstigeren Zeitpunkt geben wird, bleiben sie auf der Fernstraße. Und erleben nach der Abfahrt so manche Überraschung. Eine Strecke, die zunächst geprägt ist von Kurven, Bodenwellen und Schlaglöchern. Die dann ins Gebirge führt, wo es schon einige Tage kräftig geschneit hat. Antje stellt begeistert fest: „Da kann man schon einen Schneemann bauen.“

Als es zurück ins Tal geht, wird es skurril. „Das Beste“, scherzt Martin, „ist der Grenzübergang zur Slowakei.“ In Leluchow lädt ein offenes Tor zum Verweilen ein. Was dahinter zu sehen ist, erinnert stark an eine Geisterstadt aus einem amerikanischen Western.

DAS KNÖLLCHEN - SAMSTAG, 8.30 UHR

Verzweifelt sind Markus Martin und Manuel Dietrich, so etwas wie der Kopf der Mannschaft, auf der Suche nach einer Tankstelle, wo es die Vignette, für die Straßenbenutzung in der Slowakei erforderlich, gibt. In Polen gab es sie nicht, diesseits der Grenze sieht es nicht besser aus. Und dann zückt der Polizist auf dem Weg nach Presov die Kelle. Dass der Bus keine Vignette hat, fällt ihm nicht auf – dass Martin 13 km/h zu viel auf dem Tacho hat, schon. Da sind 20 Euro Verwarnungsgeld fällig. Eine Strafe, die der 38-Jährige schnell vergessen hat.

Als er nach zwölf Stunden Fahrt gemeinsam mit seiner kleinen Reisegruppe in der Tatran-Arena in Presov den ehemaligen Melsunger Coach Rastislav Trtik trifft. Spätestens aber, als die MT gemeinsam mit ihren Anhängern den Einzug in die Gruppenphase feiert.

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