Interview vor Melsunger Spiel in Minden

MT-Melsungen-Manager Geerken: Der Ton ist aggressiver als früher

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Der MT-Manager und sein Trainer: Axel Geerken (links) klatscht Heiko Grimm ab.

Zwei wichtige Spiele und zwischendurch noch der 46. Geburtstag - wir haben mit Axel Geerken, dem Manager des Handball-Bundesligisten MT Melsungen, über die aktuelle Situation und seine Wünsche zum Jubeltag gesprochen.

Rein punktemäßig gibt es bei den Handballern der MT Melsungen nicht viel zu meckern. Allerdings haben einige Auftritte Sorgen bereitet. Beim heimischen Bundesligisten läuft es nicht rund. Vor dem Auswärtsspiel in Minden am Sonntag (16 Uhr/Sky) und dem Pokalkracher in Wetzlar am Dienstag zieht MT-Manager Axel Geerken eine Zwischenbilanz und äußert sich zu seiner neuen Funktion als Torwarttrainer.

Herr Geerken, ist Ihr Tagesablauf nun etwas stressiger?

Axel Geerken: Ich habe jetzt halt zwei, drei Programmpunkte mehr. Ich muss mich ja auch vorbereiten auf die Trainingseinheiten. Das geschieht alles in Absprache mit Trainer Heiko Grimm. Grundsätzlich bin ich in der glücklichen Lage, meine Termine selbst planen zu können.

Haben Sie Geschmack am Trainerjob gefunden?

Geerken: Tatsächlich habe ich mir schon früher mal Gedanken gemacht, warum der Trainerjob nie ein Thema für mich war. Und ich bin auch heute weit davon entfernt, die Tätigkeit längerfristig auszuüben. Außerdem bin ich ehemaliger Torhüter, und denen wird ja nachgesagt, sie hätten keine Ahnung vom Handball (lacht).

Spaß beiseite. Knapp ein Viertel der Saison ist absolviert. Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus?

Geerken: Wenn ich mir die Punkte anschaue, sind wir nicht unglaublich weit von dem entfernt, was möglich gewesen wäre. Allerdings gab es diese Ausreißer. Vor allem das Kiel-Spiel. Da möchte ich ungern von einer Leistung der Mannschaft sprechen. So ein Erlebnis kann ein Team während einer Saison komplett durcheinanderwirbeln.

Haben Sie inzwischen eine Erklärung dafür gefunden?

Geerken: Es gab zurecht viel Kritik. Aber es ist schwierig, den einen Grund zu finden. Wir haben viele Gespräche geführt. Umso wichtiger, dass wir uns gegen Göppingen als Einheit präsentiert haben.

Dennoch sind viele Fans unzufrieden. Wundert Sie das?

Geerken: Jeder hat das Recht, Kritik zu äußern. Aber ich habe den Eindruck, dass die Grundstimmung etwas gekippt ist. Der Ton ist aggressiver als früher. Sicherlich sind die Erwartungen höher. Aber hier und da fehlt mir die Verhältnismäßigkeit. Einiges wird zu negativ gesehen.

Sie sprechen von höheren Erwartungen. Spüren die Spieler dadurch mehr Druck?

Geerken: Wir haben nie gesagt, dass wir Deutscher Meister werden wollen. Wir wollen uns entwickeln und unter die Top fünf kommen. Das ist schwierig genug und das scheinen viele zu vergessen.

Auch von Experten beim TV-Sender Sky wird die MT schärfer beäugt. Was halten Sie den Kritikern entgegen?

Geerken: Heiko Grimm wird unglaublich kritisch gesehen. Ich kann nur sagen: Er arbeitet hervorragend und sehr akribisch. Nach fast acht Jahren unter Trainer Roth ändern sich mit Grimm nun ein paar Dinge. Der Trainerstab, die Art und Weise, wie trainiert wird. Vor allem aber lassen sich notwendig gewordene Veränderungen nicht von heute auf morgen herbeiführen. Das ist ein Prozess – und in dem befinden wir uns gerade.

Aber warum will der Knoten nicht platzen?

Geerken: Ich sehe das nicht total negativ. Gegen Göppingen zum Beispiel hat mich die Abwehr schon überzeugt. Im Angriff haben wir sicherlich die meiste Luft nach oben. Jedenfalls ist die Mannschaft intakt. Ich sehe, wie die Jungs trainieren und miteinander umgehen. Da mache ich mir keine Sorgen.

Bereiten Ihnen die Zuschauerzahlen Sorgen? Die Halle war noch nicht ausverkauft.

Geerken: Ich gerate nicht in Panik, und von einem Negativtrend möchte ich nicht sprechen. Die Preiserhöhung sehe ich nicht als Grund, warum die Zahlen schlechter sind als in der Vorsaison. Damals haben die Neuzugängen Kühn, Lemke und Reichmann für zusätzliches Interesse gesorgt. Außerdem hatten wir fast alle Top-Teams zuerst zu Hause. In dieser Saison liegen die Zuschauerzahlen übrigens bei vielen Klubs derzeit noch unter den Erwartungen. Aber klar ist: Spielt die Mannschaft sehr gut, sind alle happy und kommen in die Halle.

Nun geht es aber erst mal nach Minden, dann nach Wetzlar, und danach ist das Überraschungsteam der Bergischen HC zu Gast – hat die MT so etwas wie eine Schicksalswoche vor der Brust?

Geerken: Ich bin kein Freund davon, so weit vorauszublicken. Es ist eine Phrase, aber wir gucken erst mal aufs nächste Spiel. Alles andere ist hypothetisch. Ziel ist es natürlich schon, in Minden zu gewinnen und natürlich auch im Pokal weiterzukommen.

Da passt es ja gut, dass Sie am Montag Ihren 46. Geburtstag feiern. Da kann Ihnen die Mannschaft gleich ein Geschenk machen, oder?

Geerken: Vor allem wünsche ich mir, dass die Kritiker ihre Haltung überdenken und der Mannschaft die Chance geben, sich zu entwickeln.

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