Analyse: MT zeigt bei Derbyniederlage in Wetzlar Schwächen in der Hintermannschaft – Mittwoch ist Pokal

Melsungern fehlt die Frische

Ernüchtert: MT-Torwart Johan Sjöstrand war diesmal nicht der erhoffte Rückhalt für sein Team. Foto:  Hübner

Wetzlar. Sieben Minuten und 40 Sekunden vor Spielende war die Handball-Welt für die MT Melsungen in Ordnung. Das Team lag im Bundesliga-Hessenderby bei der HSG Wetzlar mit zwei Treffern in Führung. Noch dazu hatte Patrik Fahlgren erstmals nach achtmonatiger Verletzungspause das Parkett betreten und den Ball so elegant am Abwehrblock der Gastgeber vorbei ins Tor gewuchtet, wie es eben nur der schwedische Mittelmann kann. Es stand 25:23.

„Ich hatte da gehofft, dass wir den Deckel draufmachen“, sagte MT-Trainer Michael Roth später. Es blieb vor 4421 Zuschauern in der Wetzlarer Rittal Arena der letzte Treffer an diesem Abend für die Nordhessen. Dagegen traf die HSG noch sechsmal zum verdienten 29:25 (14:13)-Sieg. Wie sagt man so schön: Die Schlussphase gehörte dem Gegner.

Die MT verlor damit das dritte Spiel in Folge und wartet nunmehr seit dem 25:23-Coup gegen Spitzenreiter Rhein-Neckar Löwen auf einen zählbaren Erfolg. Zwar schloss das Team die Hinserie auf dem vierten Tabellenplatz ab, zum Jubeln war aber keinem Melsunger zumute, als er in Wetzlar zurück in den Mannschaftsbus stieg. Das blieb von diesem Abend in Erinnerung:

AbwehrMÄNGEL

29 Gegentreffer vom Erzrivalen – für ein Team, das vor allem von seiner Deckung lebt, muss der Verlauf des Derbys in etwa so schmerzhaft gewesen sein, wie es ein Kopftreffer für einen Torwart ist. Roth versuchte es erst mit der 5:1-, dann mit der 6:0-Abwehr – beides ohne echten Effekt. „Es machen sich Verschleißerscheinungen bemerkbar, einige haben bei uns schon schwere Beine“, bedauerte der Coach. Im Deckungszentrum gingen zu viele Zweikämpfe verloren.

TORWARTSORGEN

In vielen Partien dieser Hinrunde war Johan Sjöstrand ein Sieggarant. Nun gelang es weder ihm noch Ersatzmann René Villadsen, der Partie entscheidend den Stempel aufzudrücken. „Unsere Torhüterleistung war nicht wie gewohnt“, befand Michael Roth.

FEHLENDE CLEVERNESS

Da hatten die Gäste, nachdem sie die meiste Zeit einem Rückstand hinterhergelaufen waren, dank des treffsicheren Rechtsaußen Johannes Sellin aus einem 18:21 ein 24:22 gemacht – und ließen kurz darauf doch die nötige Abgezocktheit vermissen. „Wir waren in unseren Aktionen eher unglücklich und haben in der entscheidenden Phase die falschen Entscheidungen getroffen“, bilanzierte Rückkehrer Fahlgren. Er war natürlich froh, wieder mitzumischen: „Es hat sich ganz gut angefühlt, aber ein bisschen was fehlt mir auch noch.“

STARKE HEIMMANNSCHAFT

Kai Wandschneider, der Coach der Hausherren, brachte es auf den Punkt: „Bei uns war auf jede Position Verlass.“ Mal setzten sich Rückraumspieler wie Joao Ferraz oder Steffen Fäth in Szene, mal war Sebastian Weber am Kreis nicht zu halten, und mal warf Außen Maximilian Holst den Turbo an. Zudem tat sich der eingewechselte Schlussmann Nikolai Weber hervor, als er für Nationaltorwart Andreas Wolff zwischen die Pfosten rückte. Er war in der Schlussphase nicht zu überwinden und trug dazu bei, dass seine Mannschaft Sechste nach der Hinserie ist – so gut waren die Mittelhessen noch nie.

MELSUNGER FRUST

Auch der vierte Platz der MT nach 17 Partien stellt eine Bestmarke dar. Aufsichtsratsvorsitzende Barbara Braun-Lüdicke bewertete das Abschneiden mit dem Satz, wie er nach jedem Geschäftsjahr bei MT-Hauptsponsor B.Braun auch fällt: „Die Leistung ist zufriedenstellend.“ Sonst, ergänzte die Mäzenin, „gäbe es keinen Raum mehr, um sich zu steigern. Wir müssen weiter an der Stabilität arbeiten.“ Und schon am Mittwoch steht ab 20.15 Uhr (live im TV bei Sport 1) in Ludwigshafen das Pokal-Viertelfinale bei den Rhein-Neckar Löwen an. Der Sieger ist beim Final Four in Hamburg dabei. Bei einem neuerlichen Coup wäre die MT-Welt definitiv in Ordnung.

Von Björn Mahr

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