Handball-Bundesliga: MT-Trainer Roth freut sich über Punkt in Minden, weiß aber um Steigerungsbedarf

Moral intakt – Angriff schwächelt

Melsunger Spielertraube: Malte Schröder (Mitte) wird von seinen Mannschaftskameraden nach seinem Ausgleichstreffer fast erdrückt. Foto:  Christian Meier

Minden. Was ein Remis für beide Mannschaften wert ist, lässt sich am besten an den Reaktionen der Protagonisten unmittelbar im Anschluss an die umkämpfte Partie feststellen. Nach dem 28:28 (15:15) der MT Melsungen bei GWD Minden bildeten die freudetrunkenen Handballer des heimischen Bundesligisten eine tanzende Spielertraube, während die Gastgeber jeder für sich wie begossene Pudel in ihrer Hälfte verharrten.

Besonders gefeiert: MT-Rückraumspieler Malte Schröder. Der setzte punktgenau um, was sein Trainer seiner Mannschaft in einer Auszeit neun Sekunden vor Schluss verordnet hatte. Die Spieler am Kreis sollten die gegnerischen Abwehrecken in Schach halten und so ihrem Linkshänder nach einer Kreuzung den kraftvollen Abschluss ermöglichen. Der 27-Jährige ließ sich nicht lumpen, denn der Ball zappelte nach Bande mit Latte und gegnerischem Torwart im Netz - der Ausgleich zwei Sekunden vor Schluss.

„Ich habe nur gesehen, dass der Mindener Block nicht richtig stand und dann statt an den Kreis zu passen einfach abgezogen“, beschrieb der Schütze sein Husarenstück. Womit zumindest die kämpferisch starken, aber immer noch leicht abstiegsbedrohten Ostwestfalen nach einem Vier-Tore-Vorsprung zehn Minuten vor Schluss nie und nimmer gerechnet hatten. Klar, die MT, die sich zuvor am starken Torwart Vortmann die Zähne ausgebissen hatte, lag am Boden. Berappelte sich aber noch mal. „Denn“, so Linksaußen Allendorf, „ein Spiel dauert 60 Minuten, und in denen geben wir alles.“

Die Melsunger Moral war allen spielerischen Unebenheiten nach vielversprechendem Start (7:3) in der Tat intakt und selbst der Pokalfrust wirkte nicht mehr nach. Dazu entpuppte sich die Einwechslung von Patrik Fahlgren als Volltreffer. Als nichts mehr ging in der MT-Offensive, zog der Schwede das Tempo an und traf selbst viermal. Wobei der Regisseur, der 45 Minuten auf der Bank schmoren musste, sich insbesondere auf Rückhalt Appelgren verlassen konnte.

Der junge Schwede, der zunächst überhaupt nicht ins Spiel fand und zwischenzeitlich von Per Sandström ersetzt wurde, machte in der Schlussphase doch noch seine beinahe schon obligatorischen 17 Paraden - der beste Torhüterschnitt der Bundesliga - voll.

Sehr zur Freude seines Trainers, der das Remis trefflich einzuordnen wusste: „Für die Psyche war‘s ein Gewinn. Es hat aber auch unsere aktuellen Schwächen offenbart.“ Die Angriffsflaute nach dem 20:18 etwa oder auch Michael Müllers Formtief, auch wenn der von Malte Schröder hervorragend vertreten wurde.

Roths Kollege Goran Perkovac beließ es bei einem Zwischenfazit. „Im Moment fühlt sich das wie eine Niederlage an, doch wenn Melsungen das nächste Spiel gegen Balingen gewinnt, kann dieser Punkt für uns noch Gold wert sein“, erklärte der GWD-Coach. Ein durchaus mögliches Szenario, schließlich will die MT „mit aller Macht“ (Roth) ihren sechsten Platz verteidigen. Wozu ein Sieg im nächsten Heimspiel Pflicht ist.

Von Ralf Ohm

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