Motor der MT Melsungen: Barbara Braun-Lüdicke wird 60

Mit Fußbänkchen auf Augenhöhe: Barbara Braun-Lüdicke im vergangenen Sommer bei der Verabschiedung von Mikael Appelgren (1,92 m). Foto: Fischer

Kassel. Sie als Mutter der Kompanie zu bezeichnen, wäre zu flapsig. Auch die Begriffe Patronin und Mäzenin treffen es nicht wirklich. Als Chefin aber darf man Barbara Braun-Lüdicke bei der MT Melsungen getrost bezeichnen.

Denn als solche im besten Sinne ist sie anerkannt und bekannt, ja populär. Und nicht nur Insider wissen: Ohne ihre Ideen, ihr Engagement, ihre Beharrlichkeit und die finanzielle Unterstützung gäbe es den Handball-Bundesligisten in der aktuellen Form und Stärke nicht.

Ihren 60. Geburtstag feiert Braun-Lüdicke heute mit der Familie im Tessin. Ehemann Martin Lüdicke, ein Sohn, zwei Töchter und zwei Enkeltöchter sind die Fixpunkte ihres Lebens. Handball spielt erst seit gut 25 Jahren eine wichtige und belebende Rolle. „Wir waren 1989 aus Hannover nach Melsungen zurückgekehrt, als wir immer mal die Dauerkarten der Familie Schnell in der Regionalliga nutzen durften“, berichtet sie. Aber schon in der nächsten Saison erwarb die Familie eigene Tickets. „Wir waren infiziert vom Virus Handball, und der ist unheilbar, den werden wir nie mehr los.“ Das „wahnsinnig schnelle und athletische Spiel“ hatte die zierliche Frau in seinen Bann gezogen. Und Braun-Lüdicke sagt heute mit ihrem sprichwörtlichen Humor: „Ich bewundere jeden, der mit einem Ball umgehen kann. Egal, ob mit Händen oder Füßen. Mir sind diese runden Dinger suspekt.“ Als Schwimmerin war sie einst aktiv, bis ihr  eine Chlorallergie den Spaß nahm.

Rasch mündete Braun-Lüdickes Begeisterung für den Handball auch in Verantwortung. Ihr strukturiertes Denken, ihre guten Kontakte nicht zuletzt im Familienunternehmen Braun, das ihr Vater und ihr Onkel maßgeblich aufgebaut haben, brachte sie ein. Und ihren Ehemann. „Ihn habe ich aufgrund seines juristischen Sachverstands genötigt, als Geschäftsführer tätig zu werden“, sagt sie.

Seither geht es aufwärts mit der MT. Stetig, seriös und immer mit familiärem Flair, was ihr am Herzen liegt. Nordhessische Bodenständigkeit nennt Braun-Lüdicke eine Maxime. Hinzu kommen Kontinuität und Vertrauen in die Fachleute, denen mangels eigenem Fachwissen beispielsweise sportliche Verantwortung übertragen wurde. Und enge persönliche Kontakte. Mit den Ex-Trainern Robert Hedin und Rasti Trtik ist sie heute noch im Gespräch. „Und manchen Spieler hätte ich nie gehen lassen, weil es so prima Typen waren. Da sind viele Freundschaften gewachsen. Aber ich weiß eben auch, dass wir nicht mit 40 Spielern über 30 antreten können. Da ist es gut, wenn andere die Entscheidungen treffen, die nicht so emotional gestrickt sind wie ich“, sagt die Chefin. Noch immer ist sie so aufgeregt bei engen Spielen, dass sie mittendrin schon mal die Halle verlässt – zum Beten und Rauchen.

Besondere Höhepunkte in ihrem Handball-Leben waren der Bundesliga-Aufstieg 2005, „den ich nie vergessen werde“, die Pokalturniere in Hamburg und die Reisen zu den EHF-Pokalspielen. „Das Beste aber“, sagt Barbara Braun-Lüdicke, „das haben wir noch vor uns.“ In der nächsten Saison soll es wieder nach Europa gehen, gegen den Sprung in die Champions League hätte sie nichts einzuwenden. „Und wenn wir mal eine noch bessere Saison spielen als jetzt, dann wollen wir auch mal von der Deutschen Meisterschaft träumen.“

Das sei keineswegs eine Frage der Finanzen allein. „Dieser nächste Schritt in unserer Entwicklung ist gar nicht so groß und auch in Nordhessen machbar, wenn gute Planung, gute Strukturen und eine erfolgreiche Personalpolitik zusammen kommen.“

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