Zwei Rechtsaußen, zwei Comebacks

MT gegen Erlangen: 2016-Europameister Sellin und Reichmann im Fokus

Nach Verletzungspause wieder fit: MT-Profi Tobias Reichmann.
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Nach Verletzungspause wieder fit: MT-Profi Tobias Reichmann.

Wenn die MT Melsungen morgen ab 19 Uhr den HC Erlangen in der Kasseler Rothenbach-Halle empfängt, stehen zwei Rechtsaußen im Fokus, die sich bestens kennen.

Kassel – Im Januar 2016 bildeten Johannes Sellin und Tobias Reichmann bei der Handball-Europameisterschaft in Polen das deutsche Duo auf Rechtsaußen. Beide hatten damals maßgeblichen Anteil am Titelgewinn der DHB-Auswahl. Im Sommer 2017 trennte sich dann die MT Melsungen von Sellin – und ersetzte ihn durch Reichmann.

Wenn die MT morgen ab 19 Uhr (Sky) den HC Erlangen in der Kasseler Rothenbach-Halle empfängt, dann werden die beiden Helden des Wintermärchens im Fokus stehen. Sellin, weil er nach langer Verletzungspause gerade zu alter Form zurückfindet. Und Reichmann, weil er nach dem schmerzhaften Aus bei der WM in Ägypten nun fit ist und erstmals Timo Kastening entlasten kann.

Johannes Sellin

Nach einem Fingerbruch in der Saison-Vorbereitung kam Sellin unters Messer. Nicht nur den 31:21-Sieg seines Teams im Oktober in eigener Halle gegen Melsungen erlebte der Ehemann und Vater eines Kindes deshalb lediglich als Zuschauer. Als er im Spätherbst wieder einstieg, ging er es zu forsch an und verletzte sich erneut – die nächste Zwangspause.

Nach einer Reha im Januar in Donaustauf steht Johannes Sellin seit einigen Tagen seinem Trainer Michael Haaß wieder zur Verfügung. „Ich habe jetzt zwei Spiele durchgespielt und bin wieder bei hundert Prozent“, sagt der 30-Jährige. Beim 35:29-Heimerfolg gegen Nordhorn-Lingen am Sonntag glänzte er mit acht Treffern. Die Erlanger haben damit ein Luxusproblem auf Rechtsaußen.

Einst in Melsungen, jetzt wichtige Stütze in Erlangen: Johannes Sellin.

Denn neben Sellin gehören auch noch Florian von Gruchalla und der erst im September verpflichtete Hampus Olsson aus Schweden zum Kader. „Hampus hat vor allem gegen die MT ein super Spiel gemacht“, erinnert sich der frühere Melsunger Publikumsliebling. „Zu dritt können wir die Belastung gut verteilen.“

Dass er sich auf die Rückkehr an die alte Wirkungsstätte freut – keine Frage. „Nach zwei Niederlagen in Folge wird die MT eine Reaktion zeigen wollen. Wir sind trotz des Hinspielsieges der Außenseiter“, betont Sellin. Die Auftritte seines Teams nach der WM-bedingten Pause waren wechselhaft. Nach einem 30:27 gegen Berlin gab es eine überraschende 26:27-Schlappe im Frankenderby bei Neuling Coburg. Und vor dem Sieg über Nordhorn reichte es trotz einer Sieben-Tore-Führung nur zu einem 28:28 in Wetzlar.

Tobias Reichmann

Fast genau 50 Tage ist es her, dass sich Reichmann bei der Weltmeisterschaft in Ägypten einen Außenmeniskusriss zuzog. Kurzum: Bevor es richtig losging, war das Turnier für den 32-Jährigen auch schon wieder vorbei.

So schnell hatte er nicht damit gerechnet, seine Familie wieder zu sehen. Er freute sich darüber, ein bisschen Zeit mit seiner Frau und den Kindern verbringen zu können. „Auf dem Boden herumkrabbeln und Fußballspielen war aber nicht möglich“, berichtet Reichmann rückblickend schmunzelnd. Seine Tochter und sein Sohn wollten immer wieder wissen, wann er die Krücken wieder weglegen darf.

Nun ist er wieder einsatzbereit. Gestern Abend stand das erste Mannschaftstraining auf dem Programm. „Es sieht gut aus für Donnerstag“, sagt Reichmann. Ob er auch wirklich Einsatzzeit bekommt, wird der Spielverlauf zeigen. Wenn Timo Kastening sein hohes Niveau konserviert, gibt es für Trainer Gudmundur Gudmundsson keinen Grund, etwas zu ändern. „Timo spielt zurzeit einen geilen Handball“, lobt Reichmann den Kollegen auf seiner Position.

Ansonsten sieht er die aktuelle Situation kritisch. „Uns fehlt die Stabilität, wir leisten uns zu viele technische Fehler. Es wirkt alles verkrampft“, bedauert der dreimalige Champions-League-Gewinner. Sein Vorschlag: „Wir müssen es hinbekommen, dass mal wieder Spielspaß reinkommt.“

Von Björn Mahr

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