Karl-Friedrich Appel untersucht Profis einmal im Jahr

So werden die Herzen der MT-Handballer gecheckt - auch das ZDF war dabei

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Auf dem Ergometer: Melsungens Julius Kühn (vorn). Verkabelt wird er von Herzzentrum-Mitarbeiterin Kathrin Linke.

Kassel. Einmal im Jahr müssen die Bundesliga-Handballer der MT Melsungen zum Herzcheck. Diesmal war auch das ZDF dabei - aufmerksam geworden war das TV-Team durch einen Artikel in der HNA.

Es erinnert fast ein bisschen an eine Teamsitzung – ist es aber nicht, auch wenn die MT-Profis Marino Maric, Johan Sjöstrand und Domagoj Pavlovic im Wartebereich sitzen. Am Empfang steht ihr Melsunger Mannschaftskollege Tobias Reichmann. Und Julius Kühn verschwindet für weitere Untersuchungen mit einigen Mitarbeitern in einem Behandlungszimmer.

Einmal im Jahr huschen ganz besondere Patienten von Dr. Karl-Friedrich Appel durch die verschiedenen Räume im Ambulanten Herzzentrum. Denn die Spieler des Handball-Bundesligisten MT Melsungen müssen vom Kasseler Kardiologen im wahrsten Sinne des Wortes auf Herz und Nieren geprüft werden. Mit diesem medizinischen Check erfüllt der Erstligist eine wichtige Voraussetzung für das Lizenzverfahren des Verbandes HBL.

Etwas ist allerdings an diesem Morgen anders. Im Flur verteilt stehen Fernsehkameras – ein TV-Team aus Mainz dreht im Auftrag des ZDF. Allerdings interessiert sich der Journalist Claus Höfling von der Produktionsfirma medi cine nicht dafür, wie hart Kühn wirft und Reichmann beim Siebenmeter die Nerven behält. Sein Thema ist viel ernster: plötzlicher Herztod.

„Ich bin durch einen Artikel in der HNA auf die Arbeit Appels aufmerksam geworden“, erklärt Höfling. Im April gab der Kardiologe dieser Zeitung ein Interview, kurz nachdem der belgische Radprofi Michael Goolaerts im Alter von 23 Jahren während eines Rennens starb – wegen eines plötzlichen Herztods. „Und für meinen Bericht“, fügt Höfling hinzu, „habe ich noch solch einen Check gebraucht.“

Kamera läuft: MT-Profi Tobias Reichmann wird von Kardiologe Dr. Karl-Friedrich Appel untersucht. Mit dabei: Melsungens Mannschaftsarzt Dr. Gerd Rauch. Im Vordergrund: Kameramann Andreas Böhm und der für den Ton zuständige Moritz Emrich.

Zuvor besuchte der Journalist andere Sportler. Die international erfolgreiche Stabhochspringerin Katharina Bauer, die schon als Siebenjährige einen Defibrillator eingepflanzt bekommen hat. Und den ehemaligen Bochumer Fußball-Profi Daniel Engelbrecht, der nach einem Herzstillstand reaniminiert werden und trotz implantierten Defibrillators seine Karriere vorzeitig beenden musste. Appel und die MT decken jetzt den Bereich Prävention ab.

Die Spieler steigen nacheinander auf das Fahrradergometer, und Appel und sein Team schauen sich an, wie gut das Herz der Handballer schlägt. Dazu gibt es einen Lungenfunktionstest, und auch das Echokardiographie-Gerät, das für eine Ultraschalluntersuchung des Herzens gebraucht wird, kommt zum Einsatz.

Die MT-Profis wissen diese Untersuchungen zu schätzen. „Ein Körper verändert sich, sei es durch die Natur, sei es durch Verletzungen. Deshalb ist es wichtig, dass unser Herz-Kreislaufsystem regelmäßig überprüft wird“, erklärt Tobias Reichmann. Als er noch beim polnischen Spitzenklub Kielce unter Vertrag stand, waren diese Medizinchecks auch Pflicht. Mit der kompletten Mannschaft war er dafür extra in die Hauptstadt Warschau gereist.

Eines aber bleibt den Spielern nicht erspart. Wie jeder andere Patient müssen auch sie zwischendurch Wartezeiten in Kauf nehmen. Was an diesem Tag besonders schwer ist, denn die Bundesliga-Auftaktniederlage gegen den SC Magdeburg ist noch nicht richtig verdaut. Für den ZDF-Beitrag müssen sie trotzdem ganz professionell auftreten.

Wann der Bericht in der Sportreportage ausgestrahlt wird, steht noch nicht fest. Der Sendetermin wird voraussichtlich im Herbst sein.

Hintergrund

Um die Profis der MT Melsungen kümmert sich neben den Mannschaftsärzten Dr. Bernd Sostmann und Dr. Gerd Rauch auch Physiotherapeutin Jenny Bajerke. „Wir achten sehr genau darauf, dass kein Handballer mit einem Infekt im Körper spielt“, so Rauch. Doch einmal im Jahr werden die Spieler noch zu weiteren Medizinern geschickt. Damit wird eine Vorgabe der Handball-Bundesliga (HBL) im Rahmen des Lizenzierungsverfahren erfüllt. So untersuchten nun Kardiologe Dr. Karl-Friedrich Appel, Zahnärztin Dr. Petra Rauch und Augenarzt Dr. Radek Kokesz die Spieler.

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