MT-Keeper Sjöstrand wirft sogar ein Tor

Alles im Blick: Melsungens Torwart Johan Sjöstrand fixiert Ball und Gegner. Foto:  Fischer

Kassel. Es war die Geschichte des Abends: Torwart Johan Sjöstrand feierte einen famosen Einstand bei Handball-Bundesligist MT Melsungen. Der Schwede warf beim 23:20 gegen Berlin sogar ein Tor.

In der 59. Minute gab es kein Halten mehr. Der Lärmpegel stieg in gefährliche Bereiche. „Johan! Johan!“, hallte es durch die Kasseler Rothenbach-Halle - wie so oft in der zweiten Halbzeit der Partie zwischen der MT Melsungen und den Füchsen Berlin. Nur dieses Mal noch etwas enthusiastischer. Denn dieser Johan Sjöstrand im Tor des heimischen Handball-Bundesligisten hatte gedankenschnell reagiert und mit einem Wurf über das gesamte Spielfeld das 23:18 für die MT erzielt. Da bebte die Halle.

Nicht nur wegen dieses besonderen Treffers feierte der Neuzugang aus Kiel einen famosen Einstand im Melsunger Trikot. Gerade in den zweiten 30 Minuten platzte bei dem Schweden der Knoten, und er vernagelte phasenweise das Melsunger Tor. Dabei wirkte der 28-Jährige so, als ginge ihn das alles gar nichts an. Während sein Berliner Gegenüber Silvio Heinevetter nach gelungenen Aktionen regelrechte Veitstänze vollführte, blieb Sjöstrand nach seinen Glanztaten cool wie ein - ja: Skandinavier eben.

Damit hat der Schwede die Herzen der MT-Fans gleich bei der Heimpremiere erobert. Er sei nervös gewesen, verriet der Torwart. Als er von den Rängen seinen Namen hörte, habe er sogar ein bisschen Gänsehaut bekommen. „Ich bin seit mehr als acht Jahren Profi. Doch solche Momente sind immer etwas Tolles. Ein besonderes Gefühl“, sagte Sjöstrand, der in Melsungen kein leichtes Erbe angetreten hatte. Michael Roths Kommentar nach dem 23:20-Sieg klang etwa so: „Wir haben Mikael Appelgren geliebt. Und nun lieben wir auch Johan Sjöstrand“, sagte der MT-Trainer.

Lob gab’s für den Nachfolger von Publikumsliebling Appelgren von allen Seiten. Kein Wunder, wenn ein Torwart starke Paraden zeigt und sogar ein Tor wirft. Sjöstrand selbst machte kein großes Fass auf: „In der ersten Halbzeit war ich nicht gut. Dass ich danach der Mannschaft helfen konnte, freut mich natürlich“, sagte er bescheiden. Einen Tipp erhielt er in der Pause vom Trainer. Roth sagte zu ihm: „Halt den ersten Ball. Dann bist du im Spiel.“ Nach 25 Sekunden parierte der Schwede einen Wurf von Fabian Wiede - der Rest waren Johan-Johan-Rufe.

Dabei war es lange Zeit fraglich, ob Sjöstrand überhaupt wieder auf die Beine kommen würde. Bei der WM in Katar Anfang des Jahres infizierte er sich mit Bakterien, die das seltene Maltafieber auslösten. 40 Grad Fieber. Durchfall. Muskelschwund. Sjöstrand verlor zehn Kilogramm. Ab März bestritt er kein Spiel mehr. „Das war eine harte Zeit. Ich habe lange nicht an Handball gedacht. Ich hatte andere Sorgen“, sagt der Torwart.

Doch er erholte sich. Die Kilos und Muckis kamen schneller zurück als gedacht. „Trotzdem war ich ein bisschen überrascht, dass es gegen Berlin gleich so gut klappt“, gestand Sjöstrand. Eine wunderbare Geschichte zum Auftakt.

MT besiegt Füchse Berlin zum Saisonauftakt

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.