Analyse zur Situation des Bundesligisten

Melsunger Handballer in dieser Saison gegen Top-Teams sieglos

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Glücklich sieht anders aus: Die Melsunger Handballer nach der Niederlage bei der SG Flensburg-Handewitt. 

Handball-Bundesligist MT Melsungen holte in dieser Saison gegen die vier Top-Klubs keinen einzigen Punkt. Eine Analyse zur Situation beim Handball-Bundesligisten.

Im Verlauf der Liveübertragung am Donnerstagabend beim Bezahlsender Sky sagte Handball-Experte Stefan Kretzschmar etwas Bemerkenswertes: „Der Weg der MT Melsungen zu einer Spitzenmannschaft ist noch weit.“ Der Ex-Profi stand dabei unter dem Eindruck einer schwachen Melsunger Leistung im Auswärtsspiel bei der SG Flensburg-Handewitt. Wenn die Nordlichter nicht gegen Ende noch etwas die Zügel schleifen gelassen hätten, wäre die 24:30-Niederlage der Gäste noch deutlicher ausgefallen.

Die Erkenntnis Kretzschmars lässt sich durchaus mit Zahlen belegen. In dieser Saison gelang der MT kein einziger Sieg gegen eines der vier Topklubs Flensburg, Kiel, Rhein-Neckar Löwen und Magdeburg. Nimmt man das Pokalaus in Kiel dazu, kassierten die Nordhessen neun verdiente Niederlagen.

„Das hat bei uns etwas mit fehlender Mentalität zu tun“, analysiert Trainer Heiko Grimm. „Um zum absoluten Top-Niveau zu gehören, musst du immer hundertprozentig bei der Sache sein. Es reicht nicht, in einer Saison 26 Spiele gewinnen zu wollen, sondern 34.“ Auch Manager Axel Geerken zeigte sich wenig amüsiert vom Auftritt der Mannschaft: „Die Flensburger waren präsenter. Da macht man sich schon Gedanken.“ Tatsächlich war von 60 Minuten Vollgas, dem Credo der MT, wenig zu sehen. Grimm fügt vielsagend hinzu: „Wir tun uns überhaupt nicht weh.“ Erst in der Schlussphase agierten die Gäste um Torwart Nebojsa Simic schwungvoller und betrieben Ergebniskosmetik.

Steigerung für Saisonziel nötig

Enttäuscht: Torwart Nebojsa Simic.

Mit Blick auf die letzten drei Saisonspiele und den Kampf um den fünften Rang, der einen Startplatz im Europacup garantiert, muss sich das MT-Team erheblich steigern. In Flensburg fehlte es über weite Strecken an Körperlichkeit und Emotionalität. „Wir haben den Beginn komplett verschlafen und waren viel zu verkrampft“, befand Rechtsaußen Tobias Reichmann. Dabei scheiterten die Melsunger erneut an der gegnerischen Hintermannschaft. „Wir tun uns gegen 5:1-Abwehrreihen extrem schwer und sind teilweise zu leicht auszurechnen“, bedauert Timm Schneider. Der 30-Jährige sorgte nach seiner Hereinnahme für Belebung im Angriff. Seine Aktionen hatten – wie man im Handball so gern sagt – die nötige Tiefe.

Auch Finn Lemke, diesmal verstärkt in der Offensive aufgeboten, übte viel Druck aus dem Rückraum aus, ehe er wegen einer Steißbeinverletzung vom Feld musste. Da zudem Roman Sidorowicz unglücklich umgeknickt war, fielen zwei Halblinke im zweiten Durchgang aus. Es steht noch nicht fest, ob die beiden Rechtshänder ein paar Tage pausieren werden.

Viele Verletzte während der Saison

Mit Ausfällen machte die MT Melsungen in dieser Serie schon so ihre Erfahrungen. Mittlerweile entspannte sich die Lage – nur noch Julius Kühn fehlt. „Wir haben mehr Personal, eigentlich müssten wir jetzt stärker sein“, findet Grimm. Doch der Umstand, dass nun Spieler wie Domagoj Pavlovic und Marino Maric zurückgekehrt sind und das Aufgebot größer geworden ist, sorgte für keine spürbare Verbesserung. Es hat den Anschein, als würden einige Dauerbrenner nach Rückkehr der Verletzten nun weniger Verantwortung übernehmen.

Weswegen Melsungens Trainer Grimm die Einschätzung Kretzschmars durchaus nachvollziehen kann: „Wenn Kretzsche diese Saison meint, dann hat er Recht.“

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