Interview zur Arbeit in Corona-Zeiten

MT-Athletiktrainer Florian Sölter: Die Jungs vertrauen mir

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Trainingsergebnisse ausgewertet: Melsungens Athletiktrainer Florian Sölter beim Homeoffice auf dem heimischen Balkon. 

Trainingssteuerung aus der Ferne? Beim Handball-Bundesligisten MT Melsungen muss Athletikcoach Florian Sölter während der Corona-Pandemie ganz anders mit den Profis arbeiten , als er es gewohnt ist. Im Interview mit dieser Zeitung gibt er einen Einblick in seine derzeitigen Abläufe.

Herr Sölter, haben Sie eine Lieblingszahl?

Die 7. Aber warum fragen Sie?

Inwieweit spielt die 7 eine Rolle bei dem Trainingsprogramm, das Sie für die MT-Profis ausarbeiten?

Wenn ich so überlege – gar keine. Die Laufpläne werden individuell erstellt – ausgehend von der maximalen Herzfrequenz. Ein Kreisläufer muss andere Übungen absolvieren als ein Rückraumspieler.

Welche Zahl taucht öfter auf?

Aktuell ist es die 4. Bei einer Übung müssen unsere Spieler viermal vier Minuten mit hohem Tempo laufen. Dann gibt es auch noch Intervallläufe. Streckenlänge: 400 Meter.

Spielmacher Lasse Mikkelsen sagt, die Mannschaft sei bei Ihnen zurzeit in besten Händen.

Es ist egal, wer etwas sagt. Jedes Teammitglied ist mir gleich wichtig. Es freut mich natürlich, wenn ein erfahrener Spieler wie Lasse diese Rückmeldung gibt. Die derzeitige Situation ist für uns alle ungewohnt. Es zeigt sich, dass die Mannschaft und ich ein gutes Verhältnis entwickelt haben. Wir kennen uns gut, und die Jungs vertrauen mir.

Wie hat sich Ihre Arbeit im Zuge der Corona-Pandemie verändert?

Ich muss deutlich mehr telefonieren und Whatsapp-Nachrichten verschicken. Mein Leben ist gerade deutlich digitaler geworden. Es ist nicht so leicht, Trainingspläne aus der Ferne zu entwickeln. Wir haben uns dazu entschieden, das Programm immer nur für zwei Wochen festzulegen – das heißt: einmal sechs, einmal fünf Einheiten. Dabei stimme ich mich immer mit Chefcoach Gudmundur Gudmundsson und Co-Trainer Arjan Haenen ab.

Wie kontrollieren Sie die MT-Profis bei Ihrer Arbeit?

Ich würde nicht von Kontrolle sprechen. Die Spieler sind mit Pulsuhr oder -gurt ausgerüstet. Über eine App bekomme ich nach ihren Einheiten die Daten übermittelt. Daran kann ich sofort erkennen, ob der betreffende Spieler im intensiven Bereich unterwegs war und wie schnell er gelaufen ist. Dabei wissen die Jungs nicht, was ein Anderer geleistet hat. Ab und zu gebe ich allerdings ein paar Ergebnisse in unserer Whatsapp-Gruppe bekannt – als kleiner Ansporn. Bislang bin ich mit den Leistungen des Teams sehr zufrieden.

Wie ist der Leistungsstand mit Blick auf eine mögliche Fortsetzung der Saison zu bewerten?

Momentan ist es so wie zu Beginn einer Vorbereitungsphase. Was fehlt, ist die wettkampfspezifische Ausdauer. Das heißt: Wenn die Spieler jetzt von heute auf morgen wieder anfangen müssten, hätten sie heftige Muskelkater. An die neue Belastung würden sie sich allerdings rasch gewöhnen.

Und wie sieht es handballspezifisch aus?

Kein Spieler hat Lust, geharzte Bälle in der eigenen Wohnung zu nutzen. Ich habe den Jungs deshalb ein paar alternative Übungen an die Hand gegeben. Damit die Schulter nicht einrostet, kann man beispielsweise für kleine Wurfübungen eine nur zur Hälfte gefüllte Wasserflasche verwenden.

Zur Person

Dr. Florian Sölter (34) ist seit 2018 Athletikcoach beim Handball-Bundesligisten MT Melsungen. Zuvor kümmerte sich der promovierte Sportwissenschaftler bereits um den Nachwuchs der MT. Der gebürtige Landolfshäuser, der mittlerweile in fuldsabrück-Dörnhagen lebt, ist in festen Händen.

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