Handballer verlieren 25:26

MT Melsungen belohnt sich gegen die Rhein-Neckar Löwen nicht

Die Melsunger Handballer Kai Häfner (links) und Felix Danner stemmen sich dem Wurf von Lukas Nilsson entgegen.
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Voller Einsatz: Die Melsunger Kai Häfner (links) und Felix Danner stemmen sich dem Wurf von Lukas Nilsson entgegen.

Handball-Bundesligist MT Melsungen verlor in eigener Halle knapp gegen die Rhein-Neckar Löwen 25:26. Dabei legte das Gastgeber-Team wieder einen Fehlstart in die zweite Hälfte hin.

Kassel – Die letzte Spielminute war sinnbildlich für den kompletten Melsunger Bundesliga-Auftritt. Denn da gelingt es den MT-Handballern nicht, so viel Druck auf die Abwehr der Rhein-Neckar Löwen aufzubauen, dass sich eine gute Chance ergibt. Kai Häfner ist wegen des drohenden Zeitspiels letztlich gezwungen, sich eine Halbchance zu nehmen. Mit der Konsequenz, dass der starke Gäste-Torwart Andreas Palicka den Wurf fängt – FÄNGT!

Wiedersehen in Kassel: Timo Kastening (links, MT) und Mait Patrail (Löwen).

Andererseits schaffen es die Nordhessen aber danach auch in der eigenen Deckung, gut zu verschieben – einen technischen Fehler von RNL-Linksaußen Jerry Tollbring zu provozieren. Der daraus resultierende Ballbesitz zehn Sekunden vor Schluss bringt aber keinen Erfolg, weil dem ansonsten gut aufgelegten Timo Kastening ein Abspielfehler unterläuft. Danach ist Schluss. 25:26 (14:15) geht die Partie gegen die Mannheimer verloren. Es ist die zweite Heimniederlage der MT in Folge.

Wenn die Fans zuletzt noch die leise Hoffnung hatten, ihre Mannschaft könnte sich im Verfolgerfeld der Spitzenteams eine gute Position erarbeiten, dann müssen sie jetzt erkennen, dass die Entwicklung des Teams Zeit benötigt – viel Zeit. Manager Axel Geerken fordert Geduld: „Wir durchlaufen einen Prozess. Das mag einigen nicht schnell genug gehen, wir gehen diesen Weg aber weiter.“ Gleichwohl sieht er auch, dass es in einigen Bereichen hapert: „Wir haben mit der Chancenverwertung und den technischen Fehlern zu kämpfen.“

Was insbesondere zu Beginn des zweiten Abschnitts deutlich wurde – da legte das Team einen ähnlichen Fehlstart hin wie eine Woche zuvor beim 24:25 gegen Balingen-Weilstetten. Für MT-Trainer Gudmundur Gudmundsson schwer zu erklären: „Es ist normalerweise das Einfachste, mit Volldampf die zweite Halbzeit anzufangen. Das müssen wir in den Griff bekommen, denn wir haben das jetzt mehrmals erlebt. Wir schmeißen da das Spiel weg.“

Was war passiert? Nach dem Wiederbeginn schlossen die Gastgeber viermal unkonzentriert ab – dreimal parierte Palicka, einmal warf Domagoj Pavlovic am Tor vorbei. Es folgte ein Fehlpass der Melsunger – die MT war völlig von der Rolle. Das nutzten die Löwen, zogen vom 15:14-Pausenstand auf 18:14 davon. Erst nachdem Gudmundsson eine Auszeit nahm, fing sich sein Team wieder. „Es liegt nicht an fünf, zehn Minuten. Jede Mannschaft hat mal schwächere Phasen“, betonte Kastening, „es ist aber schon extrem auffällig, wie wir in eine zweite Halbzeit starten. Da müssen wir lernen, hellwach zu sein.“

Generell ging vom Rückraum zu wenig Gefahr aus. Das galt vor allem für den besten Torjäger der Bundesliga – Julius Kühn. Ausgerechnet an seinem 28. Geburtstag blieb er in der ersten Hälfte ohne Tor. Nach der Pause steigerte er sich. Am Ende kam er wie Häfner bei seinem Comeback und Pavlovic auf drei Tore. „Wenn wir gewinnen wollen, brauchen wir eine bessere Quote aus dem Rückraum“, sagte Gudmundsson. Immerhin: Durch Häfners Anspiele war Rechtsaußen Kastening wieder besser ins Spiel eingebunden.

Deutlich stärker war die Leistung in der Defensive. Damit war nicht nur Gudmundsson zufrieden. „Wir haben eine gute Abwehr gespielt“, lobte Pavlovic. „Wir haben gut gekämpft“, sagte Kreisläufer Marino Maric. Mit der 5:1-Deckung und einem starken Felix Danner kompensierte die MT das erneute verletzungsbedingte Fehlen von Finn Lemke. Gestützt auf die Abwehrleistung kämpfte sich die MT zurück ins Spiel, hätte beim 24:24 (56.) sogar in Führung gehen können, aber ein Fehlpass von Kühn warf sie wieder zurück. Die Melsunger belohnten sich nicht für ihren Kampf.

Denn auch die Gäste investierten viel in ihre Defensivleistung. Die Löwen kämpften verbissen um jeden Zentimeter – allen voran Mait Patrail, früher Teamkamerad von Kastening in Hannover. „Mait und ich waren in Hannover immer die Letzten in der Kabine“, sagte der MT-Außen. Am Donnerstagabend musste Patrail den alten Kollegen etwas aufmuntern.

Rund um das Spiel

Eine Spielabsage, ein Jubiläum und ein besonderer Gast – wir haben die Geschichten rund um das Bundesliga-Spiel der MT Melsungen gegen die Rhein-Neckar Löwen zusammengetragen.

Die nächste Pause: Wie bereits befürchtet hat die MT am morgigen Ostersonntag keinen Einsatz. Wegen der Coronafälle beim Bergischen HC wurde die Partie verschoben. „Wir hatten sogar noch versucht, einen Alternativgegner zu finden“, erklärte Manager Axel Geerken. Doch die Suche der Nordhessen blieb erfolglos. Jetzt geht es für die MT erst am kommenden Donnerstag ab 19 Uhr in der Kasseler Rothenbach-Halle gegen den Tusem Essen weiter.

Das Jubiläumstor: Nach Julius Kühn, der Anfang März seinen 1000. Treffer in der Bundesliga bejubeln durfte, hatte nun auch Marino Maric Grund zur Freude. Das 21:23 gegen die Löwen war sein 500. Liga-Tor. Der Kroate sagte: „Ich zähle nicht mit. Darauf bin ich allerdings schon stolz. Es war auch immer mein Traum, in Deutschland zu spielen.“ Doch mit Blick auf den Spielverlauf bemerkte er selbstkritisch: „Es hätte das 503. sein müssen.“

Da ist es soweit: Marino Maric erzielt seinen 500. Bundesliga-Treffer.

Der 30-Jährige trägt seit dem Sommer 2014 das Trikot der Nordhessen. Das Tor, das ihm am meisten in Erinnerung geblieben ist, gelang ihm bereits im Dezember 2016. Damals traf er in der Schlusssekunde per schnell ausgeführtem Freiwurf zum 31:30-Sieg in Hannover. „Ich mag es aber auch, wenn ich meine Mitspieler anspielen kann“, betont Maric. Gern rufen ihn die Kollegen deshalb „Ivano“ – in Anspielung an Kroatiens Handball-Legende Ivano Balic. Der aktuelle Vertrag des Kreisläufers läuft bis zum 30. Juni 2022.

Der besondere Gast: Zwar ist Löwen-Torwart Mikael Appelgren (schwere Schulterverletzung) noch nicht wieder einsatzbereit, die Reise nach Kassel machte der Schwede aber dennoch mit. Kein Wunder, denn seine Bundesliga-Karriere begann bei der MT. Die ehemaligen Melsunger Kollegen Maric, Michael Allendorf und Felix Danner freuten sich über den besonderen Gast. (Manuel Kopp und Björn Mahr)

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