Fünf Auffälligkeiten

MT Melsungen erlebt bei Niederlage gegen Berlin einen Abend der großen Emotionen

Mit Zug zum Tor: Melsungens Julius Kühn (links) versucht, an den Berlinern Jakov Gojun (Mitte) und Mijajlo Marsenic vorbeizuziehen.
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Mit Zug zum Tor: Melsungens Julius Kühn (links) versucht, an den Berlinern Jakov Gojun (Mitte) und Mijajlo Marsenic vorbeizuziehen.

Beim letzten Heimspiel der MT Melsungen in dieser Saison war noch einmal einiges los. Mit 32:35 unterlag der Handball-Bundesligist den Füchsen Berlin an einem Abend der großen Emotionen.

Auf dem Feld kochten diese zwischenzeitlich hoch, nach dem Spiel gab es zwei Abschiede, und endlich waren die Fans zurück in der Rothenbach-Halle. Wir stellen fünf Auffälligkeiten vor.

1. Die deutschen Nationalspieler

Nach der scharfen Kritik von Bob Hanning an der MT und ihren Auswahlspielern standen diese gegen die Füchse im Fokus. Gerade auch, weil Hanning nicht nur DHB-Vizepräsident, sondern auch Geschäftsführer der Berliner ist. „Ich muss unseren Nationalspielern ein Kompliment machen. Die Aussagen von Bob waren ein Schock, aber sie haben es gut gemacht und Mentalität gezeigt“, sagte Co-Trainer Arjan Haenen, der erneut Coach Gudmundur Gudmundsson an der Seitenlinie vertrat.

Auf jeden Fall wirkten Tobias Reichmann, Julius Kühn, Kai Häfner, Finn Lemke und Silvio Heinevetter besonders motiviert. Und legten vor den Augen von Bundestrainer Alfred Gislason, der am Montag den Kader für die Sommerspiele in Tokio benennen wird, furiose erste 20 Minuten und eine 11:8-Führung hin. Von den Olympia-Kandidaten der MT konnte sich nur Timo Kastening nicht präsentieren, der ohne Einsatz blieb. Das lag aber an der starken Leistung von Reichmann, der mit sieben Toren bester MT-Werfer war. Und wie hatten die Nationalspieler die Kritik von Hanning aufgenommen? Häfner sagte nach der Partie: „Die Art und Weise ist fragwürdig.“ Und meinte damit vor allem den Weg, die Kritik über die Öffentlichkeit anstatt im persönlichen Gespräch zu äußern. Laut MT-Manager Axel Geerken hat sich der DHB beim Verein entschuldigt.

2. Die verabschiedeten Spieler

Ihr letztes Heimspiel hätte nicht unterschiedlicher laufen können: Felix Danner hatte mit zwei Toren in der Offensive und in der Abwehr im Innenblock stark begonnen. Lasse Mikkelsen saß zunächst auf der Bank. Nach einem unglücklichen Foul von Danner an dem mit tiefem Kopf verteidigenden Jacob Holm sah er in der 29. Minute die dritte Zwei-Minuten-Strafe – und die Rote Karte. Er wurde aber mit Standing Ovations von den Fans verabschiedet. Mikkelsen drehte in der zweiten Halbzeit auf. Er glänzte mit fünf Toren, tollen Anspielen und ansatzlosen Würfen – ganz so wie in seinen besten Zeiten.

3. Der Innenblock

Kurz bevor Danner die Rote Karte sah, hatte Lemke schon das Feld verlassen – humpelnd. Bei einem Angriff der Gäste hatte er das Knie eines Berliners in die Hüfte bekommen. Eine genaue Diagnose kannte Haenen gestern Nachmittag noch nicht, aber ein Einsatz des Kapitäns in Stuttgart sei äußerst fraglich. Da der etatmäßige Innenblock weggebrochen war, übernahmen in der zweiten Halbzeit Arnar Freyr Arnarsson und Marino Maric diese Aufgabe. „Sie haben das sehr gut gemacht“, sagte Haenen. Allerdings setzte ihnen der treffsichere Rückraum der Gäste zunehmend zu. Vor allem Holm, bester Schütze mit neun Toren, war mit seinen schnellen Bewegungen nicht in den Griff zu bekommen.

4 .Die Zuschauer und die Emotionen

1000 Zuschauer durften in der Rothenbach-Halle dabei sein. Und die sorgten für eine tolle Stimmung. Auf dem Feld ging es gerade in der ersten Halbzeit hitzig zu. Viele Zeitstrafen – zweimal kam es sogar zu Rudelbildungen.

5. Der Dank

Aufgrund der Verabschiedung von Mikkelsen und Danner fand diesmal keine Pressekonferenz statt, die beiden Trainer gaben direkt in der Halle vor den Fans ihr Fazit zum Spiel ab. Und da überraschte Berlins Jaron Siewert. Er wollte gar nichts zum Spiel sagen, sondern wendete sich direkt an die Zuschauer: „Es war durch das, was im Vorfeld war, ein sehr emotionales Spiel“, damit ging er auf Hannings Aussagen ein und fügte hinzu: „Das hat man besonders in den ersten 20 Minuten gemerkt, die sehr hart geführt wurden. Aber wir sind zu jeder Zeit sehr fair behandelt worden von den Melsunger Fans. Und dafür möchte ich mich bedanken.“ Und ein bisschen wirkte das auch so wie eine Entschuldigung.

Am Sonntag nach Stuttgart

Noch eine Partie hat die MT Melsungen in dieser Saison vor sich. Am letzten Spieltag reisen die Nordhessen am Sonntag (15.30 Uhr/Sky) zum TVB Stuttgart. Die Schwaben stehen auf dem 14. Platz, haben den Klassenerhalt schon sicher. Die Gastgeber gelten als heimstark, schlugen zuletzt in der Porsche-Arena die Rhein-Neckar Löwen und verloren gegen Flensburg nur knapp. „Wir wollen alles reinhauen und mit einem guten Gefühl in die Sommerpause gehen“, sagt Melsungens Co-Trainer Arjan Haenen.  (Manuel Kopp)

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