Exportschlager vom Inselstaat

Vor MT-Spiel gegen Bergischen HC: Wie Isländer die Handball-Bundesliga bereichern

Langjähriger isländischer Nationalspieler: Arnor Thor Gunnarsson (vorn, im Hintergrund mit verschränkten Armen Auswahltrainer Gudmundur Gudmundsson von der MT Melsungen).
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Langjähriger isländischer Nationalspieler: Arnor Thor Gunnarsson (vorn, im Hintergrund mit verschränkten Armen Auswahltrainer Gudmundur Gudmundsson von der MT Melsungen).

Nach neun Spieltagen in der Handball-Bundesliga fällt beim Blick auf die Torschützenliste vor allem eines auf: Die Spielklasse lebt auch von den isländischen Profis. Wir blicken vor dem Spiel der MT Melsungen gegen den Bergischen HC auf die isländischen Handballer.

Kassel – Nach neun Spieltagen in der Handball-Bundesliga fällt beim Blick auf die Torschützenliste vor allem eines auf: Die Spielklasse lebt auch von den isländischen Profis. Die aktuelle Nummer eins heißt Viggo Kristjansson und kommt vom TVB Stuttgart. Auf Rang drei liegt Bjarki Mar Elisson vom TBV Lemgo.

Torjäger: Viggo Kristjansson (Stuttgart).

„Dafür, dass wir ein kleines Land sind, sind die Zahlen schon echt beeindruckend“, sagt Arnar Freyr Arnarsson, isländischer Neuzugang der MT Melsungen. Unter den ersten 40 im Klassement sind noch drei weitere Landsleute von ihm: Oddur Gretarsson aus Balingen, Omar Ingi Magnussen aus Magdeburg und Arnar Thor Gunnarsson vom Bergischen HC.

MT-Profi: Arnar Freyr Arnarsson.

Mit Rechtsaußen Gunnarsson wird es Kreisläufer Arnarsson am Sonntag ab 18.30 Uhr zu tun bekommen, wenn die MT die Bergischen Löwen in der Kasseler Rothenbach-Halle empfängt. Für ein bisschen isländisches Flair auf dem Messegelände sorgen zudem BHC-Akteur Ragnar Johannsson und Melsungens Coach Gudmundur Gudmundsson, der zugleich auch der Nationaltrainer der Inseleuropäer ist.

„Gudmi analysiert jeden Spieler. Er weiß genau, was er möchte, und ist ein sehr fokussierter Trainer“, lobt Gunnarsson den erfahrenen Handball-Lehrer. Seit 2018 ist Gudmundsson sein Chef im isländischen Team.

Über die Auswahl-Lehrgänge lernte der 33-Jährige auch Arnarsson kennen. „Wir haben immer viel Spaß zusammen, wenn wir uns treffen“, erklärt Gunnarsson. Das kann der MT-Spieler nur bestätigen: „Arnor ist ein großartiger Typ und toller Spieler. Wir müssen ihn am Sonntag immer im Blick haben.“ Gunnarsson läuft für den Klub aus Wuppertal und Solingen nicht nur die Tempogegenstöße, sondern ist auch der Strafwurfspezialist. „Arnor ist der bessere Siebenmeterschütze von uns“, räumt der ebenfalls für seine Trickwürfe bekannte Teamkollege Jeffrey Boomhouwer ein.

Der Niederländer zählt Gunnarsson zu seinen guten Freunden. Beide leben in der Kleinstadt Haan im Bergischen Land. Als die Saison im Frühling abgebrochen wurde, trainierten sie oft zusammen. „Und Arnor hat uns auch mal zum Grillen eingeladen“, berichtet der frühe Melsunger Linksaußen Boomhouwer. Der Holländer hat mit seiner Frau Sharelle zwei Töchter, der Isländer und seine Frau erwarten demnächst ihr zweites Kind.

Seit 2010 verdient Gunnarsson sein Geld in der Bundesliga. Zunächst war er beim TV Bittenfeld, dann wechselte er 2012 zum BHC. Damit war er dann genau dort gelandet, wo auch sein Idol aus Jugendtagen schon gespielt hatte: Valdimar Grimsson war Ende der 90er-Jahre Rechtsaußen beim damaligen Erstligisten Wuppertal.

„Schon als Kind war die Handball-Bundesliga mein Ziel“, sagt Arnor Gunnarsson. Dabei war lange nicht klar, ob er nun Fußballer oder Handballer werden möchte. Bis zum 16. Lebensjahr war er auch Fußballer. Genauso wie sein Bruder Aron, der mittlerweile für Al-Arabi in Katar spielt, aber immer noch der Kapitän der isländischen Fußball-Nationalelf ist.

Dass Isländer mehrere Sportarten betreiben, kommt nicht selten vor. MT-Trainer Gudmundsson absolvierte als Fußballer mit 18, 19 Jahren zwei Erstliga-Spiele für die Fußballer von Vikingur Reykjavik, ehe er nur noch im Handball-Bereich tätig war. „Wir sind ein kleines Land, aber eine große Handball-Nation“, betont Gudmundsson.

Island hat etwa 360 000 Einwohner. Davon spielen aktuell zwölf in der 1. Bundesliga – längst ein Exportschlager. Vor einem Jahrzehnt waren es sogar noch ein paar mehr – damals begeisterten insbesondere Spieler wie Olafur Stefansson, Gudjon Valur Sigurdsson und Aron Palmarsson. Die Isländer sind passend zum rauen Klima in ihrer Heimat robust.

„Wir haben sehr gute Trainer, die haben uns in unserer Entwicklung geholfen“, lobt Gunnarsson. Abzulesen auch an der Torschützenliste. (Björn Mahr)

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