Nordhessischer Handball-Bundesligist gewinnt 28:23 gegen Lemgo

Vor Ort beim ersten Test der MT Melsungen: Ein Genuss ohne Bratwurst

Voller Einsatz: Die MT-Profis Domagoj Pavlovic (mit Ball) und Marino Maric bekommen es im  Handball-Testspiel mit vier Lemgoern zu tun: Bjarki Mar Elisson (von links), Andrej Kogut, Jonathan Carlsbogard und Marcel Timm.
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Voller Einsatz: Die MT-Profis Domagoj Pavlovic (mit Ball) und Marino Maric bekommen es mit vier Lemgoern zu tun: Bjarki Mar Elisson (von links), Andrej Kogut, Jonathan Carlsbogard und Marcel Timm.

Das erste Testspiel nach langer Pause entschied Handball-Bundesligist MT Melsungen vor leeren Rängen in Kassel klar für sich. Eine Vor-Ort-Reportage.

Kassel – Es war eine Premiere der besonderen Art: Erstmals bestritten die Bundesliga-Handballer der MT Melsungen ein Spiel in der leeren Kasseler Rothenbach-Halle. Corona macht’s möglich. Oder besser: nötig! Das Testspiel gegen Lemgo war das erste Spiel seit dem Abbruch der Vorsaison. Die MT gewann 28:23 (11:8). Wir waren vor Ort.

Ankunft: Es gibt keine Bratwurst. Die MT spielt, doch es gibt keine Bratwurst. Diese Sache mit dem Pawlowschen Hund in dir funktioniert ja so: Du schlenderst vom Parkplatz über den Hallen-Vorplatz Richtung Halle – doch dann meldet sich eine innere Stimme und zwingt dich zum Richtungswechsel. Sie sagt: Hallo, lecker, also denk doch bitte an die Bratwurst vorm Handball.

Das Erstaunliche: Die Sache mit dem plötzlichen kleinen Hunger funktioniert auch an diesem Tag. An dem wenig ist wie früher, aber eines eben doch: Bundesligist MT Melsungen spielt endlich wieder Handball. Es ist nur ein Test. Er findet ohne Zuschauer statt. Also auch ohne Bratwurst.

Mit MT-Maske: Aufsichtsratsvorsitzende Barbara Braun-Lüdicke.

Publikum: Die Chefin ist natürlich da. Barbara Braun-Lüdicke und ihr Mann Martin Lüdicke haben sich das nicht entgehen lassen. „Einfach mal genießen“, sagt die Aufsichtsratsvorsitzende der MT, als sie sich ihren Platz sucht – die Auswahl ist groß. Martin Lüdicke, neben Axel Geerken einer von zwei MT-Vorständen, schiebt schmunzelnd nach: „Wir sind froh, dass wir so privilegiert sind, hier dabei zu sein.“

Drei junge Männer im Melsunger T-Shirt sind auch da. Nanu, hat sich da ein Fan-Trio in die Halle geschmuggelt? Nicht ganz. Dylan Lange (15), Jost Liebergesell (15) und Carl Beck (16) spielen in Melsungens B-Jugend und sind in offizieller Mission hier. Lange und Liebergesell sind im Einsatz als Wischer. „Jeder von uns muss das mal übernehmen bei einer höheren Mannschaft“, erklärt Jost.

Als Wischer dabei: Jost Liebergesell (links) und Dylan Lange von den MT-Talenten.

Dass diese Mannschaft nun die Erste ist, macht es natürlich spannend. Dylan sagt: „Das ist schon cool, so dicht an so vielen Nationalspielern zu sein.“ Carl hat eine andere Aufgabe. Er muss auf der Tribüne die Kamera führen, damit Trainer Gudmundur Gudmundsson sich Bilder dieses Tests ansehen kann. Erfahrung als Kameramann? „Nicht so richtig“; sagt Carl, „aber das wird schon klappen. Ich hoffe, die Bilder werden nicht so schlecht sein.“

Atmosphäre: Ja. Geisterspiel halt. Die Zwischenrufe von MT-Trainer Gudmundur Gudmundsson und seinem Lemgoer Gegenüber Florian Kehrmann sind selbst auf der gegenüberliegenden Haupttribüne klar zu verstehen.

Spiel: Komplett sind sie nicht, die Melsunger. Der verletzte Michael Allendorf nimmt ebenso in Reihe zwei Platz wie Kai Häfner. „Ein Spiel kommt für mich zwei Tage zu früh“, sagt der Nationalspieler. Im Training war Häfner mit einem Kollegen zusammengestoßen – nun hat er Rückenprobleme. „Aber nicht so schlimm“, sagt er beruhigend. Tobias Reichmann fehlt aus privaten Gründen.

Dafür, dass beide Mannschaften so lange nicht mehr ein Spiel bestritten haben, kann sich das Niveau sehen lassen. Das Angriffsspiel steht ganz im Zeichen des Buchstabens K. K wie Kühn, Kastening und Kunkel. Die Gewaltwürfe von Julius Kühn, das Rückhandspiel von Neuzugang Timo Kastening vor dem Kontertor von Yves Kunkel – begeisternd. Von seinem Platz steht hier aber heute deswegen keiner auf.

Stimmen: „Mir hat’s Spaß gemacht“, bilanziert Kühn – der Mann der vielen gelungenen Abschlüsse. Für das Team hat er ebenfalls ein Lob: „Es hat nach der langen Wettkampfpause bei allen ganz gut funktioniert.“ Lediglich acht Gegentreffer in Halbzeit eins sind ein deutliches Indiz.

Gudmundsson bemerkt dazu zufrieden: „Unsere Abwehr war überragend.“ Ein wenig Kritik äußert der Isländer am Gegenstoßspiel: „Da hatten wir zu viele Risikopässe.“ Aber es war ja auch kein normales Spiel – es war eine Premiere vor leeren Rängen. (Frank Ziemke und Björn Mahr)

Die Torschützen der MT gegen Lemgo

MT Melsungen: Heinevetter (1. Halbzeit), Simic 1 (2. Halbzeit) – Maric 1, Kühn 8, Lemke 1, Kunkel 5, Mikkelsen, Danner 1, Arnarsson, Pregler 1, Salger 3, Kastening 6/1, Pavlovic 1, Backs, Kuntscher.

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