Handball-Bundesligist läuft erst nach der Halbzeit heiß

MT startet mit 35:28 in Essen aus der Pause

Mit voller Wucht: Der Melsunger Domagoj Pavlovic (Mitte) kommt in dieser Szene gegen den Essener Eloy Morante zum Wurf. Rechts beobachtet dessen Teamkollege Tim Zechel die Szene.
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Mit voller Wucht: Der Melsunger Domagoj Pavlovic (Mitte) kommt in dieser Szene gegen den Essener Eloy Morante zum Wurf. Rechts beobachtet dessen Teamkollege Tim Zechel die Szene.

Erstens: Die Melsunger Bundesliga-Handballer haben mal wieder gespielt. Was bei den quarantänegebeutelten MT-Profis ja in dieser Saison keine Selbstverständlichkeit ist. Zweitens: Sie haben nach der WM-bedingten Pause einen Sieg gefeiert.

Die Melsunger setzten sich 35:28 (16:16) beim Aufsteiger Tusem Essen durch. Allerdings brauchte es eine Halbzeit, bis die ambitionierten Gäste den Tabellenvorletzten im Griff hatten.

Gudmundur Gudmundsson hatte bis auf den verletzten Tobias Reichmann alle Mann dabei. Also auch Domagoj Pavlovic, der wegen eines Bänderanrisses wochenlang ausgefallen war. Der kroatische Mittelmann blieb aber erst mal auf der Bank – der Däne Lasse Mikkelsen war dafür erste Wahl. Ansonsten gab es keine großen Überraschungen in der Startbesetzung: Julius Kühn und Kai Häfner auf den Halbpositionen, Yves Kunkel und Timo Kastening auf den Außen sowie Arnar Freyr Arnarsson am Kreis. Zwischen den Pfosten begann Silvio Heinevetter. Zudem rückte Kapitän Finn Lemke für Mikkelsen ins Zentrum der sehr offensiv ausgerichteten 6:0-Deckung.

Beim Gastgeber standen der Ex-Melsunger Dimitri Ignatow und der aus dem südniedersächsischen Rhumetal stammende Torwart Lukas Diedrich in der Anfangssieben. Warum das wichtig ist? Weil der Schlussmann eine entscheidende Figur in den ersten Minuten war – durch einige Paraden und einen Wurf ins leere MT-Tor zum 4:2. Und Ignatow erzielte das 8:4 (12.). Große Klasse bewies beim Tusem im rechten Rückraum zudem Lucas Firnhaber, der Bruder des Erlanger WM-Teilnehmers Sebastian.

Den Einstieg in die Begegnung hatte sich Melsungen anders vorgestellt. In der Abwehr bekamen die Nordhessen gegen die ein hohes Tempo gehenden Essener kaum Zugriff – und in der Offensive stimmte die Körpersprache nicht. Von der Energie, die die MT vor Weihnachten beim 30:23-Erfolg in Göppingen aufgebracht hatte, war wenig zu sehen. Es erinnerte eher an das Debakel in eigener Halle gegen Coburg. Gudmundsson reagierte. Brachte Nebojsa Simic für Heinevetter und Pavlovic für Mikkelsen.

Es ging nur über den Kampf. Ein paar gute Aktionen von Häfner, Kastening und dem eingewechselten Marino Maric, einige starke Reflexe von Simic, etwas mehr Aggressivität in der Abwehr – und plötzlich war der Favorit im Spiel. Die Melsunger gingen sogar mit 14:13 in Führung (25.). Der 16:16-Pausenstand schmeichelte den Gästen trotz der Leistungssteigerung en bisschen.

Der zweite Durchgang begann so wie der erste: mit einem Tor von Kühn. Diesmals legte der Gast durch einen verwerteten Abpraller von Arnarsson zum 18:16 nach. Zwar war die Fehlerzahl im Angriff insgesamt immer noch hoch, die Melsunger bekamen die Ruhrpöttler nun zusehends besser in den Griff: Kastening und Häfner sorgten für eine 24:20-Führung.

Dieser Vorsprung führte dazu, dass die MT nun deutlich besonnener agierte. Wiederholt fanden die Gäste Mittel, um die Verteidigung des Tusem zu überwinden. Nahezu von allen Positionen ging Gefahr aus. Es passte ins Bild, dass Linksaußen Yves Kunkel einen Tempogegenstoß zum 26:21 nutzte (45.). Bis auf 29:22 zog der Gast davon. Die Melsunger schafften es, dem Kontrahenten den Spaß am Spiel zu nehmen. Das Stimmungsvollste war aus Essener Sicht zweitweise die am diesmal ruhigen Weiberfastnachts-Donnerstag eingespielte Karnevalsmusik. In der Schlussphase durften bei der MT noch Stefan Salger, Ole Pregler und Debütant Julian Fuchs ran. Der Spieler aus der zweiten Mannschaft durfte sich gleich über sein erstes Bundesliga-Tor freuen.

Trotz des letztlich klaren Erfolgs bleibt auch festzuhalten: Gegen Stuttgart am Sonntag ab 16 Uhr in Kassel dürfen die Melsunger nicht so verhalten anfangen.

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