Handball-Bundesligist weiter auf dem Vormarsch

Von Glücksbringern und Glückskindern - die neue Demut der MT Melsungen

Zwei MT-Helden des Abends: Nebojsa Simic (links) und Lasse Mikkelsen. 
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Zwei MT-Helden des Abends: Nebojsa Simic (links) und Lasse Mikkelsen. 

Viel Jubel, aber auch eine große Portion Demut – Handball-Bundesligist MT Melsungen ist nach dem 31:26-Erfolg gegen die Rhein-Neckar Löwen weiter auf dem Vormarsch.

An besonderen Abenden darf es auch schon einmal eine Umarmung mehr sein. Barbara Braun-Lüdicke, die Aufsichtratsvorsitzende des Handball-Bundesligisten MT Melsungen, fiel Trainer Heiko Grimm fast direkt mit der Schlusssirene um den Hals. Und weil die Mannschaft Minuten später immer noch die verdienten Ovationen der 4300 begeisterten Zuschauer genoss, drückte die Mäzenin den Coach einfach noch einmal an sich. 

„So hatte ich mir das von Saisonbeginn an vorgestellt“, sagte Braun-Lüdicke nach dem überzeugenden 31:26-Erfolg des MT-Teams gegen die Rhein-Neckar Löwen und verließ mit einem zufriedenen Lächeln das Feld.

Vor gar nicht langer Zeit sahen sich Grimm und sein Team nach dem 23:36-Debakel von Balingen harscher Kritik ausgesetzt. Zweieinhalb Wochen und drei Siege später übertönt der Jubel vorerst die kritischen Stimmen. Dabei fällt eines auf: die neue Melsunger Demut.

"Auf dem Boden bleiben"

„Nach dem Sieg gegen Magdeburg haben wir uns gesagt: Wir müssen jetzt auf dem Boden bleiben“, erklärte der starke MT-Torwart Nebojsa Simic, „bislang gelingt uns das richtig gut.“ Um es zu verdeutlichen: Die Mannschaft schafft es, den Fokus zu behalten. Trotz einer Schwächephase im ersten Abschnitt nahm das Team rechtzeitig wieder den Faden auf. „Das war eine überragende Leistung in der Abwehr. Es wird nicht viele Teams geben, die gegen die Löwen so verteidigen“, lobte Grimm seine Defensivabteilung. 

Vor allen Finn Lemke, Marino Maric und Felix Danner verurteilten die Achse Andy Schmid/Jannik Kohlbacher nahezu zur Wirkungslosigkeit. Und dahinter drehte Simic mal wieder richtig auf – 21 Paraden. „Simo hat heute den Unterschied gemacht“, befand Rechtsaußen Tobias Reichmann. Bitter nur: Bei einer spektakulären Parade gegen den Isländer Alexander Petersson knallte Simic mit der rechten Hand gegen einen Pfosten. Danach schmerzte der Zeigefinger – das Autogrammeschreiben musste ausfallen. Es gab nur Selfies.

Gefeiert: Michael Allendorf, Tobias Reichmann, Marino Maric, Domagoj Pavlovic, Stefan Salger, Yves Kunkel, Roman Sidorowicz und Neboijsa Simic (von links).

Der Trainer sprach auch seiner Offensive ein dickes Kompliment aus: „Wir waren sehr flexibel und haben immer wieder Lösungen gefunden.“ Was vor allem mit Lasse Mikkelsen zu tun hatte, der nach der Pause den Kontrahenten regelmäßig entwischte. „Ich musste erst in Spiel reinfinden. Im ersten Abschnitt hatte ich mir noch zu viele Gedanken gemacht“, räumte Mikkelsen ein. Wegen Knieproblemen war er zuletzt in Nordhorn weitgehend geschont worden. Grimm überraschte die Leistungsexplosion des Hünen nicht: „Genau so hat sich Lasse schon am Mittwoch im Abschlusstraining präsentiert.“

„Alles über 30 ist gut“

Wenn Mikkelsen mal nicht zum Zuge kam, sprang der Halbrechte Kai Häfner ein. Der Neuzugang aus Hannover kam auf acht Tore – damit hatte er nur eines weniger als der Regisseur auf dem Konto. „Ich bin happy, gegen die Löwen gewinnt man auch nicht alle Tage“, sagte Häfner.

Es war das dritte Mal in Folge, dass die Melsunger genau 31 Treffer warfen. „Alles über 30 ist gut“, bemerkte Mikkelsen glücklich. Ob am Dienstag ab 19 Uhr im Pokal-Achtelfinale beim Liga-Konkurrenten SC DHfK Leipzig schon 31 Tore zu einem Erfolg reichen, bleibt abzuwarten. „Wir nehmen viel Selbstvertrauen mit“, sagte Stefan Salger. Der Ex-Ludwigshafenner wird wohl nicht umhin kommen, vor der Abreise in seinem Lieblingslokal in Kassel wieder Curry mit Hühnchen zu bestellen. Damit begann er vor dem Spiel gegen Magdeburg. „Jetzt ist es zum Glücksbringer geworden.“

Darauf allein werden sich die Melsunger allerdings nicht verlassen. Grimm stellte klar: „Jetzt müssen wir die heutige Leistung in Leipzig bestätigen.“ Das passt zur neuen Melsunger Demut.

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