Handball-Bundesligist verliert 22:28 bei den Füchsen

Kollektives Versagen der MT Melsungen in Berlin:  Nur noch zum Wegschauen

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MT-Profi Timm Schneider nach der Pleite in Berlin. 

"Wir müssen die Mannschaft jetzt schnell wieder aufbauen", sagt Heiko Grimm. Der Trainer des Handball-Bundesligisten muss nur fünf Tage nach der 22:28-Niederlage in Berlin erneut gegen die Füchse antreten - im Pokal-Viertelfinale. 

Langsam bekommen sie Übung darin, etwas später von einem Auswärtsspiel zurückzukehren. Nachdem die Handballer der MT Melsungen nach dem Auftritt in Piräus erst in den frühen Morgenstunden des Montags wieder in Nordhessen gelandet waren, verlief auch die Heimreise vom Bundesliga-Punktspiel bei den Füchsen Berlin alles andere als planmäßig. Wegen eines mitternächtlichen Verkehrschaos’ in der Hauptstadt erreichte die Mannschaft von MT-Trainer Heiko Grimm erst um 5 Uhr wieder Kassel. Zuvor war die Partie infolge des Todes eines Berliner Zuschauers erst mit 35-minütiger Verspätung angepfiffen worden.

Nur: Im Gegensatz zum Griechenland-Trip war die Stimmung bei den Melsungern nach der 22:28-Niederlage gegen die Füchse mehr als gedämpft. „Wir müssen die Mannschaft jetzt schnell wieder aufbauen“, sagte Grimm. Klar: Bereits am Dienstag ab 19 Uhr haben die Nordhessen die Berliner zum Pokal-Viertelfinale in der Kasseler Rothenbach-Halle zu Gast. Eine neuerliche Niederlage gegen die Füchse wäre nicht mehr so leicht wegzustecken wie die Auswärtspleite in der Liga. Schließlich ist das Final Four ein großes Ziel der MT in dieser Saison.

MT-Manager Axel Geerken findet nach der Niederlage klare Worte

Melsungens Manager Axel Geerken war wegen der Auslosung der EHF-Cup-Gruppenphase in Wien selbst nicht in Berlin dabei, verfolgte aber den Auftritt seiner Mannschaft am Bildschirm. Zur Leistung in der zweiten Halbzeit fielen selbst dem sonst eher unaufgeregten Geerken nur solche Begriffe wie „ratlos“ und „beschämend“ an. Den Manager beschäftigt vor allem eine Frage: „Warum hat die Mannschaft trotz des vorhandenen spielerischen Potenzials keine Konstanz in ihren Leistungen?“

Tatsächlich gab es bei der MT schon mehrere Vorstellungen dieser Art in dieser Spielzeit. Trainer Grimm und seine Mannschaft stehen trotz diverser Erfolge seit Wochen arg in der Kritik. Dass sich das Team in Berlin gefühlt zwischen der 25. und 50. Minute eine Auszeit nahm, wird die Kritiker in ihrer Einschätzung bestärken.

Grimm versuchte in der Max-Schmeling-Halle mit mehreren Umstellungen den Negativtrend nach der Pause zu stoppen. Doch: Die 6:0-Deckungsformation fand nicht zur Kompaktheit. Und in der Offensive fehlten die Optionen, da der kroatische Spielmacher Domagoj Pavlovic wegen einer Magen- und Darm-Erkrankung nicht einsatzbereit war. Einzig Kreisläufer Timm Schneider hätte Lasse Mikkelsen etwas entlasten können.

Wirklich besser wurde nichts. Es war teilweise nur noch zum Wegschauen. „Wir haben die Zweikämpfe nicht angenommen und sind auch nicht dahin gegangen, wo es wehtut“, bedauerte Schneider. Kollektives Versagen. Das Team verfiel wieder in Hektik. „Wir brauchen in kritischen Phasen mehr Disziplin“, sagt Grimm. Seit dem Debakel von Balingen im September wurde gezielt an diesem Problem gearbeitet. Nur: Die abgesprochenen Signale von der Bank bleiben offenbar ungehört.

Sportlicher Leiter könnte könnte für bestimmte Impulse sorgen 

Axel Geerken, Melsungens Manager

Geerken saß vor zweieinhalb Jahren schon mal zur Unterstützung des damaligen Trainers Michael Roth mit auf der Bank. Aktuell kann sich der Manager nicht vorstellen, dort Platz zu nehmen: „Damals habe ich lediglich organisatorisch unterstützt. Denn alle sportlichen Entscheidungen während eines Spiels hat stets der Trainer zu verantworten.“

Zumindest theoretisch denkbar wäre auch, einen Sportlichen Leiter zu installieren. Geerken stellt klar: „Ein Sportlicher Leiter kann sicherlich für bestimmte Impulse sorgen, aber auch er ist primär nicht für die Leistung der Mannschaft auf dem Spielfeld zuständig. In unserer Situation sind wir alle gefordert, Trainer, Mannschaft und Verantwortliche.“

Heute hat das Team frei. Morgen stehen zwei Übungseinheiten auf dem Programm. Grimm fordert: „Wir müssen es am Dienstag taktisch viel besser machen.“ 

Im EHF-Cup steht die MT Melsungen in der Gruppenphase. Jetzt steht fest, auf wen die Melsunger Handballer dort treffen.

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