Besonderes Spiel für Kastening

Jetzt gilt es, MT Melsungen: Handball-Bundesligist beim Final Four in Hamburg

Die Torjäger der MT Melsungen sind Timo Kastening (links) und Julius Kühn.
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Die Torjäger der MT Melsungen: Timo Kastening (links) und Julius Kühn.

Handball-Deutschland blickt heute und morgen nach Hamburg. Dort steigt das Final Four im DHB-Pokal – und die MT Melsungen ist dabei. 

Hamburg - Jetzt sind es nur noch ein paar Stunden – dann gilt es für die Bundesliga-Handballer der MT Melsungen beim Final Four des DHB-Pokal. Ab 19.30 Uhr (live bei Sky Sport News und Sky Sport 1) trifft das Team von Trainer Gudmundur Gudmundsson im Halbfinale in der Hamburger Barclaycard-Arena auf die TSV Hannover-Burgdorf. Die Partie wird von den Berliner Unparteiischen Nils Blümel und Jörg Loppaschewski geleitet.

Den ersten Endspielteilnehmer ermitteln bereits ab 17 Uhr (live bei zdfsport.tv und Sky Sport 1 sowie im ZDF, ab zweite Hälfte) der TBV Lemgo Lippe und der Titelverteidiger THW Kiel. Als Schiedsrichter dabei im Einsatz: Colin Hartmann und Stefan Schneider (Magdeburg/Irxleben). Das Finale beginnt am Freitag um 17.30 Uhr (live in der ARD und bei Sky Sport). Geleitet wird die Begegnung von den WM-erfahrenen Robert Schulze und Tobias Tönnies (Magdeburg).

Wir blicken auf die Melsunger Mannschaft und den Ablauf des Finalturniers.

Gestern Mittag machten sich die Melsunger Handballer nach einem Abschlusstraining in der Kasseler Rothenbach-Halle auf den Weg Richtung Hamburg. Am Abend erreichte die Mannschaft dann ihr Domizil für die nächsten Tage: das Hotel am Tierpark Hagenbeck. „Die Vorfreude ist groß“, sagt MT-Trainer Gudmundur Gudmundsson, „aber wir wissen auch, dass wir weiter sehr fokussiert sein müssen.“

Heute wird das Team noch zu einem Spaziergang aufbrechen und sich in einer Mannschaftssitzung auf die Aufgabe ab 19.30 Uhr gegen den Bundesliga-Rivalen TSV Hannover-Burgdorf einstimmen.

Wer bei den Melsungern besonders im Blickpunkt steht, worauf es ankommen wird und was das Team erwartet:

Die Rolle Kastenings: Obwohl er erst vor dieser Saison zur MT kam, entwickelte sich Timo Kastening zu einem absoluten Leistungsträger. Der Rechtsaußen gehört zu den besten Torjägern im Team. Aktuell steht er als Bundesliga-Neunter bei 171 Treffern – knapp hinter Teamkollege Julius Kühn (182).

Dass Kastening im Halbfinale gegen Hannover-Burgdorf besonders im Blickpunkt steht, hängt damit zusammen, dass er sich 2019 mit dem jetzigen Gegner für das Final Four qualifiziert hatte. „Die Konstellation ist schon sehr besonders. Eigentlich würde ich ja gegen die MT spielen, jetzt trete ich für sie an“, erklärt Kastening. Ein schlechtes Gewissen hat der Handballer des Jahres 2019 deshalb nicht: „Ich habe mich qualifiziert – und Melsungen auch. In den 60 Minuten wird die Freundschaft ruhen.“ Kastening pflegt immer noch gute Beziehungen zu seinem früheren Verein.

Die Taktik: Viel verraten will Gudmundsson nicht. „Wir haben in den letzten Wochen einiges gut gemacht. Jetzt geht es um ein paar Kleinigkeiten“, erklärt der Isländer. Auch die 23:31-Pleite im Februar in Hannover spielt in seiner Vorbereitung eine wichtige Rolle. Damals mangelte es der Melsunger Abwehr an der nötigen Kompaktheit. Und im Angriff leistete sich das Team zu viele technische Fehler. Kurzum: Die Schwächen sollen sich heute nicht wiederholen. „Die Taktik ist das eine, die Einstellung das andere“, betont Gudmundsson. „Meine Spieler sollen befreit auftreten und den Auftritt auf dieser Bühne auch ein Stückweit genießen.“

Die Reisegruppe: Mit insgesamt 17 Spielern ging es am Mittwoch los. Neben Ole Pregler, der nach Verletzung wieder einsatzbereit ist, gehört auch Paul Kompenhans erneut zum Aufgebot. Das strenge Hygienekonzept für das Final Four erlaubt es allen vier Teilnehmern, mit einer 30-köpfigen Gruppe am Spiel teilzunehmen. Dazu zählen neben den Spielern und den Trainern Gudmundsson, Arjan Haenen und Florian Sölter auch Manager Axel Geerken, die Physiotherapeuten und Mannschaftsärzte sowie die Vereinsoffiziellen und die Pressemitarbeiter.

Die Fans: Unter den 2000 zugelassenen Zuschauern in der Barclaycard-Arena werden auch 140 Anhänger der MT sein. Die Fanclubs Supporters Kassel, Bartenwetzer und MT-Trommler sowie Mitglieder des Alheimer Stammtischs werden das Team in der Halle am Volksparkstadion anfeuern. Alle Besucher müssen sich vor dem Einlass an der Arena einem Coronatest unterziehen. In der Halle gibt es für die Gäste einige Einschränkungen: Zwar werden voraussichtlich nicht-alkoholische Getränke zum Kauf angeboten, sonstige Stärkungen mussten aber in Form eines Lunchpakets vorab dazu gebucht werden.

Das Lob: Vor dem Final Four zollte Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL), den teilnehmenden Klubs Respekt, wie sie mit der schweren Situation mit vielen Spielen in kurzer Zeit umgehen. Ein Sonderlob bekam die quarantänegeplagte MT: „Vor dem Hintergrund, dass die Melsunger am meisten gelitten haben, muss man die Leistungen unter einem anderen Licht bewerten. Man muss froh sein, dass die Mannschaft so durchgekommen ist.“ Positiv fällt sein vorzeitiges Fazit zur Spielzeit aus. „Ich hätte vor der Saison keine Wette darauf abgegeben, dass wir die Saison so zu Ende bekommen. Wenn das jetzt so klappt, sind wir sehr zufrieden.“

Die Aussichten: Klar, für den Finalsieger gibt es einen Pokal. Dieser ist 3,5 Kilogramm schwer, 49 Zentimeter hoch und hat einen Materialwert von 20 000 Euro. Zudem darf der Sieger in der European League starten. Aber schon der Finaleinzug könnte sich für Melsungen auszahlen. Dafür muss der THW Kiel das andere Halbfinale gewinnen. Da die Norddeutschen aller Voraussicht nach in der nächsten Saison in der Champions League spielen, würde der Vizepokalsieger dann in der European League starten. Und falls die Kieler Deutscher Meister und Pokalsieger werden, deutet vieles daraufhin, dass der Finalgegner im Supercup gegen Kiel spielt. Das muss das HBL-Präsidium aber noch beschließen. (Björn Mahr und Manuel Kopp)

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