Handball-Bundesligist hadert noch mit Fehlerzahl

Volles Risko und viel Tempo – so siegt die MT Melsungen

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Kaum zu stoppen: Melsungens Roman Sidorowicz (rechts) setzt sich gegen Jerome Müller durch. 

Viel Tempo gepaart mit hohem Risiko - so gewann Handball-Bundesligist MT Melsungen in Ludwigshafen. Dabei gefiel vor allem Dimitri Ignatow. 

Kurz bevor die Melsunger Bundesliga-Handballer am Donnerstag in Richtung Ludwigshafen aufbrachen, gingen MT-Trainer Heiko Grimm und dessen Assistent Arjan Haenen auf Dimitri Ignatow zu. Ihre Forderung an den 20-Jährigen: „Dimitri, heute 60 Minuten Vollgas!“ Der Rechtsaußen antwortete trocken: „Guter Witz.“ Doch es war kein Scherz. Durch den überraschenden kurzfristigen Ausfall von National-Rechtsaußen Tobias Reichmann wegen einer Magen-Darm-Erkrankung lag die volle Verantwortung auf Ignatow. Der Youngster rechtfertigte das Vertrauen aber mit sieben Treffern beim 27:22-Auswärtssieg gegen die Eulen.

Drehte groß auf: Dimitri Ignatow (MT).

Dem Junioren-Nationalspieler war das frühe 2:0 gelungen. Kurz darauf scheiterte er zwar an Schlussmann Matej Asanin, holte aber in der 19. Minute Versäumtes nach. „Nach meinem zweiten Tor war ich mir sicher: Jetzt bin ich gut im Spiel“, erklärte Ignatow am Tag danach. Und wie er im Spiel war: Nach weiten Pässen des starken Torwarts Nebojsa Simic sowie von Philipp Müller schloss er im Stile eines gestandenen Erstliga-Profis ab. „Zwei sehr besondere Tore“, sagte der 20-Jährige selbst.

Die Treffer waren sinnbildlich für die Spielweise der Nordhessen – nach Ballbesitz schalteten sie blitzschnell um. „Wir haben schon viel Zug nach vorn, leider machen wir dabei noch einige Fehler“, resümierte Grimm selbstkritisch.

Schon im MT-Training wird auf viel Tempo Wert gelegt. „Wir gehen bewusst hohes Risiko“, ergänzt der Coach. Er ist davon überzeugt, dass die Fehlerzahl abnehmen wird, wenn der Hochgeschwindigkeitshandball auf Dauer intensiv praktiziert wird.

Schon im Herbst transportierten die Melsunger den Ball bisweilen rasch nach vorn. Mit der wachsenden Anzahl an Ausfällen ging auch eine Verlangsamung des Spiels einher. Nun ist wieder Tempo angesagt – und dies selbst dann, wenn die Kreise des dänischen Regisseurs Lasse Mikkelsen durch eine offensive Deckung des Kontrahenten eingeengt sind. „Wir waren auf auf die 5:1-Abwehr vorbereitet“, erklärt Roman Sidorowicz, „es war klar, dass dadurch die Halben das Spiel an sich reißen müssen.“ Was der dynamische Schweizer auf der linken beziehungsweise Simon Birkefeldt und später Michael Müller auf der rechten Seite mit viel Erfolg taten. Der Däne hatte diesmal den Vorzug erhalten, weil Müller noch die Wunde von der Fuß-OP im April etwas zu schaffen macht.

„Wir haben die Fehler der Ludwigshafener gut ausgenutzt“, bilanzierte Sidorowicz zufrieden. Erneut tat sich Kreisläufer Marino Maric im Angriff hervor und bewies, dass er trotz langer Verletzungspause fast wieder der Alte ist. Auch eine wichtige Erkenntnis mit Blick auf die nächsten Aufgaben, die der MT bevorstehen. Am Sonntag, 12. Mai empfängt die MT zu ungewohnter Zeit ab 12.30 Uhr den Vize-Meister Rhein-Neckar Löwen, nur vier Tage später müssen die Nordhessen zum Tabellenführer SG Flensburg-Handewitt.

Auf Rechtsaußen wird dann bei der MT Melsungen wieder Reichmann erste Wahl sein. Es gibt Grimm aber ein gutes Gefühl, dass Ignatow bei Bedarf zur Stelle ist. „Dimitri hat seine Sache sehr gut gemacht“, lobte der Melsunger Trainer den 20-Jährigen noch am Abend in der Kabine. Auch das war kein Scherz.

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