Handball-Bundesligist überzeugt durch großen Willen in Wetzlar

Die MT Melsungen und der nächste Schritt zum Topteam

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Rot-Weiße-Party in Wetzlar: Die Melsunger Mannschaft feiert in der Rittal-Arena ausgelassen mit ihren mitgereisten Anhängern. 

Mit großem Willen drehte die MT Melsungen das schwere Auswärtsspiel der Handball-Bundesliga bei der HSG Wetzlar. Es war der nächste Schritt auf dem Weg zu einer Spitzenmannschaft. 

Was während der Pause in der Melsunger Kabine passierte, kann Timm Schneider nicht sagen. Als seine MT-Kollegen die enttäuschende Leistung der ersten Hälfte verarbeiteten, wärmte sich der bullige Angreifer des nordhessischen Handball-Bundesligisten schon für seinen nächsten Einsatz auf dem Spielfeld auf.

„Ich habe mir nur gedacht: Realistisch ist jetzt allenfalls noch ein Unentschieden“, gab Schneider zu. Doch er und seine Mitstreiter drehten das Spiel und gewannen bei der HSG Wetzlar nach 11:18-Rückstand noch 31:26 – damit war die MT zurück auf dem vierten Tabellenplatz.

Dabei darf sich Schneider durchaus zu den Derbyhelden zählen. Denn an diesem Nachmittag in der Wetzlarer Rittal-Arena taten sich Spieler hervor, die sonst nicht erste Wahl sind. „Du wirfst neue Spieler rein, und alle bringen ihre Leistung – das macht großen Spaß“, stellte Co-Trainer Arjan Haenen erfreut fest. 

MT Melsungen: "Brutal, wie wir zurückgekommen sind"

So wie Johan Sjöstrand im Tor überzeugte, setzten Schneider, Domagoj Pavlovic und Dimitri Ignatow im Angriff wichtige Akzente. „Alle haben uns sehr geholfen“, lobte Coach Heiko Grimm. Dass Nebojsa Simic, Marino Maric, Lasse Mikkelsen und Tobias Reichmann diesmal keinen guten Tag erwischten – kein Problem.

„Es war schon brutal, wie wir noch zurückgekommen sind“, befand Torjäger Kai Häfner. Schneider pflichtete ihm bei: „Der Wille unserer Mannschaft war extrem. Das hat etwas mit den Köpfen der Wetzlarer gemacht.“ Trotz der aktuellen Siegesserie haftete dem MT-Team der Makel an, sich zu schnell in sein Schicksal zu ergeben. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass die Mannschaft aus dem Debakel von Balingen die nötigen Lehren gezogen hat, dann erbrachten ihn die Melsunger am Sonntag. Es war der nächste Schritt auf dem Weg zu einer Spitzenmannschaft.

MT Melsungen ist stolz auf Auftritt in der zweiten Halbzeit

„Wir haben den Bock umgestoßen“, sagte Grimm. Ein bisschen lauter musste es dafür dennoch erst in der MT-Kabine werden. Die Unzufriedenheit über die eigene schwache Vorstellung hatte den Spielern schon auf die Stimmung geschlagen. „Ich habe zur Mannschaft gesagt: Wenn wir so weitermachen, dann wird das heute nichts“, berichtete Michael Allendorf. 

Und weiter: „Jungs, in solch einem Spiel zeigt sich der wahre Charakter einer Mannschaft.“ Nach Ablauf der 60 Minuten fiel das Fazit des Linksaußen eindeutig aus: „Ich bin extrem stolz auf unseren Auftritt in der zweiten Halbzeit.“ Allendorf selbst drehte nach seiner Einwechslung für Yves Kunkel mächtig auf und wurde mit neun Treffern bester MT-Werfer.

Klarer Plan von Kapitän Finn Lemke

„Wir wollten nach der Pause unbedingt ein anderes Gesicht zeigen“, betonte Finn Lemke. Dazu verfolgten der Kapitän und seine Kollegen einen klaren Plan. Bis zur 40. Minute sollte der Rückstand auf drei Tore geschrumpft sein. Zehn Minuten vor Ende wollte der Gast dann bis auf einen Treffer an den Mittelhessen dran sein. Es ging aber dann noch schneller – Ignatow markierte in der 46. Minute bereits den 21:21-Ausgleich. „Es ist nicht entscheidend, wer anfängt“, erklärte Manager Axel Geerken mit Blick auf die erfolgreichen personellen Wechsel: „Man hat gesehen, dass da ein echtes Team auf dem Feld steht.“

Da die direkten Kontrahenten Magdeburg und Flensburg zuvor in Wetzlar Punkte liegen gelassen hatten, bezeichnet Geerken den 31:26-Sieg als Bonus. Vor der Länderspielpause bestreitet die MT am Donnerstag ab 19 Uhr noch ein schweres Punktspiel gegen den HC Erlangen. Dafür gibt es noch ausreichend Karten. Torwart Sjöstrand hofft auf viele Zuschauer und kann ein gutes Argument für einen Besuch in der Rothenbach-Halle liefern: „Wir haben einen kleinen Lauf.“ Das Comeback in Wetzlar war dafür ein eindeutiger Beleg.

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