Wer bei MT-Niederlage gegen Flensburg in den Fokus rückt

Von Danner bis Golla: Gesichter und Geschichten eines Handball-Abends

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Früher Kollegen, jetzt Gegner: Johannes Golla (vorn) und Felix Danner (hinten, MT). 

Kassel. Bei der 18:24-Heimniederlage der MT Melsungen in der Handball-Bundesliga gegen die SG Flensburg-Handewitt gab es so einige interessante Geschichten. 

Den gemütlichen Teil des Abends konnte Melsungens Neuerwerbung Roman Sidorowicz gar nicht genießen. Während seine MT-Kollegen nach der 18:24-Niederlage in der Handball-Bundesliga gegen Meister SG Flensburg-Handewitt noch auf dem Feld für die vielen Fans Autogramme schrieben, hockte der Schweizer bereits in der Kabine – allerdings ungewollt. Weil er zur Doping-Kontrolle musste, wurde er nach einem kurzen TV-Interview direkt in die heiligen Räume der Kasseler Rothenbach-Halle eskortiert. Und dort musste er solange bleiben, bis er mit dem Wasserlassen erfolgreich war.

Gern hätten ihm die Zuschauer zu seinem gelungenen Einstand gratuliert. Mit vier Treffern stellte der 27-Jährige seine Qualitäten eindrucksvoll unter Beweis. Sein erstes Tor resultierte aus einem Gewaltwurf aus der Hüfte – das trauen sich andere Profis sonst nur im Training. „Ich habe schon mit der Nationalmannschaft in vollen Hallen gespielt, aber hier in Kassel – das war echt beeindruckend, mit wie viel Herzblut die Fans dabei sind“, erklärte Sidorowicz. Seine eigene Leistung mochte er nicht überbewerten: „Ich versuche, mich stetig zu verbessern.“

Roman Sidorowicz

Zwar wirkt er bei 1,87 m Körpergröße im Kreise seiner Kollegen eher zierlich, das hält ihn aber nicht davon ab, in jede noch so kleine Lücke zu stoßen. „Er hat einen guten Wurf und schnelle Beine“, lobt Kreisläufer Felix Danner den neuen Mitspieler, der erst am Montag aus Winterthur nach Melsungen gekommen war. Aber Sidorowicz war nur ein Gesicht dieses Abends – weitere Geschichten:

Danners Durchhaltevermögen: Eigentlich, so Melsungens Trainer Heiko Grimm nach der Partie, „hätte ich Felix heute keine Sekunde spielen lassen.“ Da aber die Nordhessen so viele Ausfälle haben und unter anderen Kreisspieler Marino Maric fehlt, musste der dienstälteste MT-Profi trotz Bänderdehnung ran. Und Danner biss 60 Minuten auf die Zähne – ein echtes Vorbild an Leistungsbereitschaft. „Wir haben heute sehr gut gekämpft“, bilanzierte der 33-Jährige, „es hat aber einfach unheimlich viel Kraft gekostet, dass wir ständig in diese 1:1-Situationen mussten.“ Damit meinte er die permanenten Vorstöße der beiden SG-Angreifer Jim Gottfridsson und Rasmus Lauge. Der Schwede und der Däne gingen immer wieder konsequent in die Nahtstellen der Melsunger Deckung.

„Am Ende gingen uns etwas die Körner aus“, befand Kapitän Finn Lemke – sichtlich gezeichnet von einem intensiven Duell. Obwohl es nicht zu einem Punktgewinn reichte, war Grimm mit der Vorstellung des Teams absolut einverstanden: „Das war eine grandiose kämpferische Leistung.“

Reichmanns Rippe:Zwischenzeitlich wurden die Sorgenfalten auf der Stirn von Heiko Grimm größer. Rechtsaußen Tobias Reichmann war mit dem groß gewachsenen SG-Abwehrchef Tobias Karlsson zusammengeknallt – und verlor das ungleiche Aufeinandertreffen. „Ich habe einen Schlag auf die Rippen bekommen, mir blieb erst mal kurz die Luft weg“, sagte Reichmann später. Nach längerer Behandlungspause auf der Ersatzbank kehrte er zurück auf das Feld. Sein Einsatz wurde nicht mit einem Melsunger Erfolg belohnt. „Wir haben zu viele Chancen vergeben“, stellte der Nationalspieler fest.

Glücklicher Golla: Zumindest ein Ex-Melsunger gehörte zu den Siegern. Johannes Golla trug vier Tore zum Erfolg der Gäste bei. „Es war schon sehr aufregend, gegen Spieler zu spielen, die man gut kennt“, erklärte der 21-Jährige, dem eine gewisse Anspannung auf dem Feld aber nicht anzumerken war: „Wir haben uns nichts geschenkt. Das gehört dazu.“

SG-Coach Maik Machulla wollte Golla eigentlich in die Startformation stecken, war sich aber nicht sicher, ob sein Schützling mental diese Rückkehr gut hinbekommt – so ließ er diesen erst einmal draußen. Als Golla dann kam, bewies er sein großes Talent – und heimste ein dickes Lob vom Trainer ein: „Er war sofort da. Er macht den Eindruck, als wäre er schon lange bei uns.“ 

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