Trainer Gudmundsson wird heute 60

MT-Handballer nach dem Corona-Schock: Es zieht dir brutal den Boden weg

Viel Frust beim MT-Torwart: Silvio Heinevetter ist an Corona erkrankt.
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Viel Frust beim MT-Torwart: Silvio Heinevetter ist an Corona erkrankt.

Nach dem Corona-Schock: So stellt sich die Situation für den Handball-Bundesligisten MT Melsungen aktuell dar.

Kassel – Heute hat Gudmundur Gudmundsson Geburtstag. Der isländische Trainer des Handball-Bundesligisten MT Melsungen wird 60 Jahre alt. Zwar ist seine Frau bei ihm in Kassel, ein einigermaßen unbeschwerter Tag kann es aber nicht werden. Die Nachricht vom Montagabend, dass mit Silvio Heinevetter, Timo Kastening und Yves Kunkel drei Spieler positiv auf das Coronavirus getestet wurden, setzt ihm genauso wie dem Rest der Mannschaft mächtig zu.

Melsungens Handball-Trainer Gudmundur Gudmundsson wird heute 60 Jahre alt.

Gudmundsson fühlt mit den betroffenen Akteuren, ist aber auch aus sportlichen Gründen „riesig enttäuscht“. Er hatte sich nach dem starken Auftritt beim 30:23 in Göppingen sehr auf das für Dienstagabend geplante Heimspiel gegen den TVB Stuttgart gefreut – dann kam die Spielabsage. Der erfahrene Handball-Lehrer bedauert: „Wir hatten in die letzte Woche so viel investiert, und dann wirst du wieder so zurückgeworfen.“ Ob die Begegnung am kommenden Samstag bei den Eulen Ludwigshafen ausgetragen werden kann – höchst fraglich.

Es wäre Spielausfall Nummer sechs. Bislang mussten die Partien in Flensburg, in Kiel, in Hannover, gegen Magdeburg und gegen Stuttgart abgesagt werden. Im November wurde das gesamte Team für 14 Tage in Quarantäne geschickt, weil Finn Lemke nach dem Lehrgang der deutschen Nationalmannschaft positiv auf Covid-19 getestet worden war. Lemke und Heinevetter mussten sich aber auch schon Ende August vor dem Europacupspiel in Silkeborg in häusliche Isolation begeben, weil sie seinerzeit mit einem infizierten Melsunger Betreuer Kontakt hatten.

Es versteht sich von selbst, dass die Stimmung im MT-Lager nun einen neuen Tiefpunkt erreicht hat. „Wir sind nach der Quarantäne im November nur schwer in Tritt gekommen, jetzt schaffst du es, zurück in die Spur zu kommen – und dann zieht es dir so brutal den Boden weg“, verdeutlicht Torwart Heinevetter die Lage bei der MT. Es sei „ein absoluter Schock“ gewesen, als er von seinem positiven Testergebnis erfuhr. Ihm gehe es aber körperlich soweit gut. Der Ex-Berliner ist nun schon zum vierten Mal in Quarantäne: „Jetzt ist aber alles noch viel schlimmer.“ Heiligabend muss er nun allein in seiner Wohnung in Kassel verbringen. Zumindest ist sein Kühlschrank gut gefüllt.

Damit er und auch die anderen infizierten Spieler in den nächsten Tagen in den eigenen vier Wänden regelmäßig trainieren können, will der Bundesligist umgehend den Betroffenen Spinningräder und Langhanteln vor die Tür liefern. Ein entsprechendes Übungsprogramm geben Gudmundsson, sein Co-Trainer Arjan Haenen und auch Athletikcoach Florian Sölter vor.

„Ich hatte meinen Geburtstag anders geplant. Das ist nicht schön“, erklärt Gudmundsson mit Blick auf seinen heutigen Jubeltag. Durch die schwierige Situation bei der MT macht er sich jetzt auch noch mehr Gedanken über seine Aufgaben als Nationaltrainer Islands im Januar. Innerhalb von neun Tagen, genauer gesagt zwischen dem 6. und 14. Januar, soll er mit seinem Auswahlteam dreimal gegen Portugal spielen – und das in drei verschiedenen Ländern: erst in Portugal, dann in Island, dann bei der Weltmeisterschaft in Ägypten.

„Ich verstehe nicht, wie man diese Quali-Spiele und die WM jetzt austragen kann“, sagt Gudmundsson. Zumal er mit seiner Mannschaft auf dem Weg nach Portugal einen Zwischenstopp in London machen müsste – was nach der jüngsten Corona-Entwicklung in England zurzeit gar nicht mehr möglich wäre. (Björn Mahr)

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