Die Lage beim Handball-Bundesligisten Melsungen

MT-Manager Axel Geerken im Interview: Über die WM sprechen wir noch

Die deutsche Nationalmannschaft mit (im Bild von links) Tobias Reichmann, Patrick Wiencek, Finn Lemke, Silvio Heinevetter, Johannes Bitter und Uwe Gensheimer vor dem Spiel gegen Bosnien-Herzegowina.
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Das war Anfang November in Düsseldorf: Die deutsche Nationalmannschaft mit (im Bild von links) Tobias Reichmann, Patrick Wiencek, Finn Lemke, Silvio Heinevetter, Johannes Bitter und Uwe Gensheimer vor dem Spiel gegen Bosnien-Herzegowina.

Die Profis in Quarantäne, die Spiele verlegt – Handball-Bundesligist MT Melsungen trifft es wegen der Coronaprobleme zurzeit besonders schwer. Wir haben mit MT-Manager Axel Geerken gesprochen.

Kassel – Die Profis in Quarantäne, die Spiele verlegt – Handball-Bundesligist MT Melsungen trifft es wegen der Coronaprobleme zurzeit besonders schwer. Wann das Team wieder trainieren und spielen kann, steht noch nicht fest. Wir haben mit MT-Manager Axel Geerken über die Situation gesprochen.

Herr Geerken, haben Sie sich am Samstag das Spiel des Spitzenreiters Rhein-Neckar Löwen im Fernsehen angeschaut?

Zumindest punktuell habe ich mal reingeschaltet. Aber ich habe das Spiel nicht in voller Länge gesehen.

Und mit welchen Gefühlen?

Mit gemischten. Ich habe die Partie trotz des Durcheinanders in der Woche relativ neutral verfolgt. Allerdings hatte ich ja auch ein paar Tage Zeit, mich ein bisschen darauf einzustellen, dass wir mit der MT nicht in der ARD zu sehen sein werden.

Der November hielt ursprünglich mehrere Sport-Höhepunkte für die MT bereit. Wie stecken Sie die ständigen Hiobsbotschaften weg?

Die ersten gab es schon früher. Unser Hygienekonzept hat zwar so gut funktioniert, dass wir noch gegen Lemgo vor 1500 Zuschauer spielen durften. Dann durften wir aber schon in den weiteren Spielen keine Fans mehr in die Halle lassen. Nun stellt sich die Lage wieder so ein bisschen dar wie im März: Wir müssen wieder zusehen, dass sich unsere Spieler zu Hause einigermaßen fit halten. Und die Situation zehrt bei allen, Spielern, Trainern und auch dem Management. Die Situation ist angespannt. Dennoch müssen wir damit umgehen, flexible Lösungen finden und uns dabei immer an die Regeln halten.

Inwieweit haben Sie mit den Melsunger Nationalspielern schon über eine mögliche WM-Teilnahme gesprochen?

Erst einmal stehen andere Dinge im Vordergrund. Wir müssen das Training jedes Einzelnen organisieren. Zwar sind es bis zur Weltmeisterschaft nur noch zwei Monate, in diesen Zeiten ist das aber noch relativ weit weg. Über das Thema WM werden wir auf jeden Fall noch mal mit unseren Spielern sprechen – und das nicht nur mit den deutschen, sondern auch mit den betroffenen Handballern anderer Nationen.

Manager der MT Melsungen: Axel Geerken.

Es gibt schon Verantwortliche anderer Klubs, die ihre Spieler nicht an der Weltmeisterschaft teilnehmen lassen wollen. Wie denken Sie darüber?

Das ist jetzt zu früh. Ich sehe es allerdings sehr kritisch und sage auch: Wenn ich nun eine Entscheidung fällen müsste, würde ich keinem eine Teilnahme empfehlen. Bei den zurzeit steigenden Fallzahlen ist es keinem Menschen zu raten, überhaupt irgendwo hinzureisen.

Als die Coronakrise losging, war sehr viel Solidarität innerhalb der Handball-Bundesliga zu spüren. Es entsteht zurzeit der Eindruck, dass sich daran in den vergangenen Tagen etwas geändert hat?

Im März wusste niemand, wie es weitergehen wird. Da war es normal, dass alle noch enger zusammenrücken. Jetzt, nach mehr als einem halben Jahr Pandemie, haben alle Verantwortlichen mehr Erfahrungen gesammelt, und jeder muss letztlich sehen, wie er mit der Situation am besten klar kommt. Da ist der Grad der Angespanntheit schon mal etwas höher. Ich kann aber nicht feststellen, dass die Solidarität innerhalb der Liga nachgelassen hat. Wir arbeiten alle daran, die Saison am Laufen zu halten. Wichtig ist es, dass wir im Dialog bleiben.

Sie hatten sich gewünscht, dass der Spieltag am vergangenen Wochenende komplett abgesagt wird. Der Wunsch wurde nicht erhört.

Grundsätzlich gilt: Wenn man die Chance hat, dann soll man auch weiterspielen. Im Sinne der Einheitlichkeit und mit Blick auf die Inkubationszeit bei den Nationalspielern hätte ich es aber richtig gefunden, zumindest diesen Spieltag am Wochenende zu verlegen.

Wie realistisch ist es aus Ihrer Sicht, dass diese Saison regulär zu Ende geführt werden kann?

Das lässt sich momentan nicht so leicht sagen. Es fällt mir aber auch schwer zu sagen, dass wir das locker hinbekommen werden. Es gibt viele Fragen: Was ist mit den Europapokal-Wettbewerben? Was wird aus den weiteren EM-Qualifikationsspielen? Da wir nicht mehr im Europacup dabei sind, wäre es durchaus machbar, vier Spiele nachzuholen. Aber was ist beispielsweise mit den Klubs, die in der Champions League unterwegs sind? Klar ist: Es darf nicht mehr viel passieren. (Björn Mahr)

Zur Person: Axel Geerken

Axel Geerken (48) ist seit 2012 Manager des Handball-Bundesligisten MT Melsungen. Zuvor war er Geschäftsführer in Gummersbach und in Wetzlar. Als Profi stand der gebürtige Oldenburger bei Wetzlar, Kiel und Großwallstadt im Tor. Geerken ist verheiratet und Vater einer Tochter und eines Sohnes.

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