In der Handball-Bundesliga wartet Ludwigshafen

MT Melsungen im DHB-Pokal: Ein Hochgelobter und ein Traumtor

Jubelnde Melsunger Profis: Timm Schneider, Stefan Salger (leicht verdeckt) und Felix Danner.
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Jubelnde Melsunger Profis: Timm Schneider, Stefan Salger (leicht verdeckt) und Felix Danner. 

Es war ein großartiger Handball-Abend: Die MT Melsungen zog durch ein 33:30 gegen die Füchse Berlin ins Final Four ein. Wir blicken noch einmal zurück.  

Eigentlich wäre es der passende Abend gewesen, um mit einem Alster anzustoßen – mit einem Bier mit Limo. Die Qualifikation der Melsunger Bundesliga-Handballer für das Final Four am 4. und 5. April in Hamburg zählt zu den herausragenden Erfolgen in der MT-Geschichte. Doch nach dem 33:30-Triumph im Pokal-Viertelfinale gegen den Bundesliga-Rivalen Füchse Berlin ging der Blick recht schnell wieder nach vorn.

„Wir müssen am Donnerstag fit sein – also keine Getränke“, sagte Rückraumspieler Stefan Salger. Nur 48 Stunden nach dem Erfolg gegen Berlin treten die Nordhessen erneut an – heute ab 19 Uhr in der Liga gegen die Eulen Ludwigshafen. „Wir müssen jetzt vor allem gut essen und gut schlafen“, erklärte der neunfache Torschütze Julius Kühn.

MT Melsungen: Trainer setzt vor Bundesliga-Spiel auf lockeres Hallentraining 

Zur Vorbereitung auf die Aufgabe gegen die Kurpfälzer setzte Trainer Heiko Grimm für den gestrigen Mittwoch auch nur ein eher lockeres Hallentraining an – alles andere wäre kontraproduktiv. Gut möglich aber, dass heute vor allem jene Spieler aufs Feld geschickt werden, die am Dienstag weniger Einsatzzeit bekamen. Wir blicken zurück auf einen großen Pokal-Abend.

Der Hochgelobte

Im Verlauf der ersten Hälfte wechselte Grimm Timm Schneider ein – als Kreisläufer, aber auch als zusätzlichen Stabilisator für die Abwehr. „Timm war überragend“, lobte der Halbrechte Kai Häfner seinen Mitstreiter. Mit seiner Präsenz und seinen Emotionen trug Schneider dazu bei, dass der Funke im zweiten Durchgang aufs Publikum übersprang. „Ich bin auch nach Melsungen gekommen, um mal in Hamburg dabei zu sein und europäisch zu spielen. Ausgerechnet in meiner letzten Saison für Melsungen erfüllen sich diese Wünsche“, stellte der 31-jährige Schneider glücklich, aber auch nachdenklich fest. Die MT plant ab Sommer 2020 ohne den erfahrenen Allrounder.

Das Traumtor

Schütze eines Melsunger Traumtores: Kai Häfner. 

Wer sich auf dem Youtube-Kanal der MT noch einmal das Spiel ansehen möchte, sollte nicht die vorletzte Minute aussparen – und schon gar nicht das Traumtor von Häfner. Als den Melsungern beim Stand von 31:29 ein Zeitspiel droht, wuchtet der Linkshänder auf Zuspiel von Schneider den Ball fast aus Kniehöhe unter die Latte des Berliner Kastens – einen solchen Abschluss bekommen nur wenige Handballer hin. „Ich stand direkt hinter Kai und hatte die ideale Perspektive – für mich war es noch schöner zu sehen, wie der Ball durch den Berliner Abwehrblock schoss“, sagte Kühn mit einem breiten Grinsen.

Die Dramaturgie

Der Spielverlauf erinnerte ein wenig an das Punktspiel fünf Tage zuvor in Berlin. Mit dem kleinen Unterschied, dass diesmal die erste Hälfte den Füchsen und die zweite Halbzeit der MT gehörte. Eine knappe Woche zuvor war es umgekehrt. „Wir waren in den ersten zehn Minuten zu passiv. Dann waren wir aggressiver“, resümierte Rechtsaußen Tobias Reichmann zufrieden. „Wenn man sich so zusammenreißt wie wir, dann zeigt das unsere enorme Qualität. Ich bin stolz auf unsere Leistung“, ergänzte der glänzend aufgelegte Spielmacher Lasse Mikkelsen. Denn der Däne und seine Kollegen ließen sich nicht davon entmutigen, dass sie bis eine Viertelstunde vor Ende einem Rückstand hinterherliefen. „Der Funke ging von uns aus. Ab der 45. Minute waren wir dann im Fluss“, freute sich Coach Grimm.

Der Rekord

Mehr als 4000 Zuschauer hat die MT in der Bundesliga mittlerweile regelmäßig. Doch für den Pokal waren 4168 Besucher ein neuer Top-Wert. „Die besondere Konstellation mit zwei Duellen kurz hintereinander gegen Berlin sowie der Endspielcharakter haben diese Begeisterung ausgelöst“, erklärte Manager Axel Geerken. „Es ging richtig ab.“

Selbst Minuten nach Spielende ließ der Applaus von den Rängen nicht nach. Zwar durften sich die MT-Profis kein Alster genehmigen, zumindest gab es aber rote Final-Four-T-Shirts. Darauf stand passenderweise: Moin Hamburg.

Im Fokus

Für Melsungens Neuzugang Stefan Salger ist diese Woche nicht nur wegen des Pokal-Viertelfinales außergewöhnlich. Denn heute ab 19 Uhr trifft er in der Kasseler Rothenbach-Halle mit der MT auf den Bundesliga-Kontrahenten Ludwigshafen. „Wir sind klarer Favorit“, betont Salger. 

Salger weiß aber nur zu gut, wozu die Eulen fähig sind. In der Schlussphase der vergangenen Saison wendeten er und seine Kollegen mit einer beeindruckenden Siegesserie den kaum noch für möglich gehaltenen Abstieg ab. „Wenn du die ganze Saison immer wieder einen drauf kriegst, musst du es erst einmal schaffen, aus der Krise herauszukommen“, sagt der 23-Jährige im Rückblick anerkennend. Seine ehemalige Mannschaft schied am Dienstag durch ein 23:26 gegen Lemgo aus dem DHB-Pokal aus. Die Ludwigshafener um Trainer Benjamin Matschke sind dennoch nicht zu unterschätzen.

Die Handballer der MT Melsungen haben es geschafft - sie fahren kommenden April zum Final Four nach Hamburg.

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