„Für mich heißt es nur genießen“

Melsunger Neuzugang Gomes nimmt mit Portugal an Olympischen Spielen teil

Kaum zu stoppen: Sprungwunder Andre Gomes (hier während der Olympia-Vorbereitung in einem Spiel gegen Brasilien).
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Kaum zu stoppen: Sprungwunder Andre Gomes (hier während der Olympia-Vorbereitung in einem Spiel gegen Brasilien).

Seit dem 1. Juli ist Andre Gomes offiziell ein Handball-Profi der MT Melsungen. Wenn der 22-Jährige ab Samstag in Tokio erstmals ein Spiel unter den Olympischen Ringen bestreiten wird, dann ist er in der Auswahl der Portugiesen sogar der einzige Akteur aus der deutschen Bundesliga.

Kassel – Seit dem 1. Juli ist Andre Gomes offiziell ein Handball-Profi der MT Melsungen. Wenn der 22-Jährige ab Samstag in Tokio erstmals ein Spiel unter den Olympischen Ringen bestreiten wird, dann ist er in der Auswahl der Portugiesen sogar der einzige Akteur aus der deutschen Bundesliga. Auftaktgegner der Südeuropäer ist ab 12.30 Uhr Ägypten.

Im Spätfrühling kurz in Kassel zu Gast: Andre Gomes.

Da es seine erste Teilnahme an Sommerspielen sein wird, verspürt der dynamische Rückraumschütze Gomes eine besondere Vorfreude: „Das hier ist eine andere Welt. Hier erleben wir die Spitze aller Sportarten. Ich bin sehr glücklich und dankbar, soweit gekommen zu sein und fühle mich entsprechend wohl hier.“

Dabei sah es im März lange nicht so aus, als sollten sich die Portugiesen überhaupt für das olympische Turnier qualifizieren. Bei der Ausscheidung in Montpellier lag das Team von Trainer Paulo Pereira im abschließenden Duell gegen Gastgeber Frankreich bereits mit drei Treffern in Rückstand. Doch die Portugiesen gewannen noch 29:28 und schafften zusammen mit den Franzosen die Quali – zum Leidwesen der Kroaten.

„Das hätte ich mir nie träumen lassen. Jetzt heißt es für mich einfach nur genießen“, erklärt der Melsunger Neuzugang, der schon einige internationale Erfahrung vorweisen kann. Im Januar dieses Jahres nahm der Rasta-Mann mit Portugal an der WM in Ägypten teil – er und sein Team schnitten als Zehnter besser ab als die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB), die den zwölften Rang belegte. Im Winter 2020 hatten Gomes und seine Kollegen bei der Europameisterschaft in Norwegen, Schweden und Österreich den sechsten Platz erreicht und zuvor für Furore gesorgt. Im Spiel um Rang fünf hatten die Portugiesen in Stockholm erst gegen Deutschland knapp das Nachsehen.

Was Gomes seiner Mannschaft jetzt zutraut? „Wir haben ein tolles Team und auch das nötige Talent. Wir können durchaus um Medaillen kämpfen. Ich ziehe es aber vor, von Spiel zu Spiel zu schauen“, stellt das große Handball-Talent fest.

Bevor der 22 Jahre alte Halblinke, der bis zum 30. Juni beim FC Porto unter Vertrag stand und Erfahrungen in der Champions League sammelte, der MT zusagte, hatten sich mehrere ambitionierte Klubs um Gomes bemüht. Auch der THW Kiel hatte bereits Interesse an einer Verpflichtung des schnellen Portugiesen bekundet. „Er ist ein Kraftpaket mit einem starken 1:1-Verhalten, er hat einen guten Wurf und ein gutes Auge“, lobt Melsungens Manager Axel Geerken die Neuerwerbung. Er sagt aber auch: „Wenn er dann bei uns ist, werden wir etwas Geduld mit ihm haben müssen. Der Wechsel nach Deutschland wird eine große Umstellung für ihn.“

Gomes, dessen Vater einst für den brasilianischen Fußballklub Vasco da Gama spielte, stammt aus der Stadt Braga (etwa 180 000 Einwohner). Dort begann auch seine Karriere als Handballer – im Alter von 17 Jahren wurde Gomes beim ABC Braga bereits im EHF-Cup eingesetzt.

In Tokio bekommen es die Portugiesen in der Vorrundengruppe B neben den Ägyptern noch mit Weltmeister Dänemark, dem WM-Zweiten Schweden, Gastgeber Japan und Bahrain zu tun. Frühestens im Viertelfinale am 3. August könnte Gomes, der vor geraumer Zeit schon einmal in seiner neuen Wahlheimat Kassel zu Gast war, auf die Melsunger Kollegen Kai Häfner, Julius Kühn, Finn Lemke, Timo Kastening, Silvio Heinevetter und Tobias Reichmann treffen. Das Sextett tritt mit dem deutschen Team in der Gruppe A an.

Gomes ist zwar der einzige portugiesische Olympia-Teilnehmer, der sein Geld in Deutschland verdient. Aber mit dem ehemaligen Wetzlarer Joao Ferraz wurde noch ein Ex-Bundesligaspieler nominiert. (Björn Mahr)

Hintergrund: MT drückt ihren Olympia-Teilnehmern die Daumen

Die Melsunger Verantwortlichen drücken ihren sieben Olympia-Teilnehmern kräftig die Daumen. „Wir wünschen allen Jungs den maximalen Erfolg und dass sie gesund zurückkommen. Sie sollen so weit wie möglich kommen, mit der deutschen Mannschaft fiebern wir natürlich etwas mehr“, sagt Manager Axel Geerken. Er lässt die Spieler weitgehend in Ruhe, wird ihnen aber per Whatsapp noch einmal alles Gute wünschen.

Pressesprecher Bernd Kaiser schickte den deutschen MT-Profis Kai Häfner, Julius Kühn, Finn Lemke, Timo Kastening, Silvio Heinevetter und Tobias Reichmann eine Nachricht – mit einem Link auf den 80er-Jahre-Hit „Big in Japan“ von Alphaville.

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