Interview mit Isländer

MT-Melsungen-Profi Alexander Petersson spricht vor Duell gegen Ex-Klub Rhein-Neckar Löwen über Karriereende

Auch mit 41 Jahren immer noch ein guter Bundesliga-Spieler: der Isländer Alexander Petersson.
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Auch mit 41 Jahren immer noch ein guter Bundesliga-Spieler: der Isländer Alexander Petersson.

Vor dem Heimspiel der MT Melsungen in der Handball-Bundesliga am Donnerstag ab 19.05 Uhr gegen die Rhein-Neckar Löwen haben wir mit Alexander Petersson gesprochen. Der Isländer spielte lange für die Gäste.

Kassel – Nein, ein ganz normales Bundesligaspiel ist es für Melsungens Handball-Profi Alexander Petersson nicht. Wenn die MT morgen ab 19.05 Uhr in der Kasseler Rothenbach-Halle gegen die Rhein-Neckar Löwen antritt, dann trifft der Isländer mit lettischen Wurzeln auf den Verein, für den der langjährige Profi fast ein Jahrzehnt im Einsatz war.

Wir haben vor der Partie mit dem 41-jährigen Petersson gesprochen – dabei sagt er auch schon, was er nach dieser Saison plant.

Was kommt Ihnen als erstes in den Sinn, wenn Sie an den nächsten MT-Gegner denken?

Es mag schon komisch klingen. Aber an den Löwen hängt immer noch mein Herz. Bei keinem Verein war ich in meiner bisherigen Karriere länger.

Sie waren mehr als acht Jahre als Spieler bei den Rhein-Neckar Löwen. An welche Spiele erinnern Sie sich immer noch gern?

Da fallen mir natürlich die entscheidenden Duelle um die Meisterschaften ein. Auch unser Pokalsieg 2018 in Hamburg bleibt mir immer im Gedächtnis.

Sie waren im Alter von 32 Jahren zu den Löwen gekommen. Die Luft an Rhein und Neckar hat Ihnen gut getan.

Wir haben uns als Familie sofort gut eingelebt. Meine Kinder sind dort praktisch aufgewachsen. Und sportlich waren es die besten Jahre in meiner Laufbahn.

Klären Sie uns auf: Weshalb sind Ihre Söhne nicht Handballer, sondern Fußballer geworden?

Sie haben keinen Spaß daran gefunden. Allerdings schauen Sie gern zu, wenn ich spiele. Ein Sohn war auch schon in Kassel bei einem Spiel dabei.

Ihre Familie lebt noch in der Nähe von Heidelberg. Welche Beziehung haben Sie zu Ihrem früheren Klub?

Wenn ich zu Hause bin, dann treffe ich mich mit Torwart Andreas Palicka und Spielmacher Andy Schmid. Und auch natürlich mit meinem isländischen Landsmann Ynir Örn Gislason. Unsere Frauen sind eng miteinander befreundet. Es kommt auch schon mal vor, dass ich für ein individuelles Training den Kraftraum der Löwen nutzen darf. Da tausche ich mich natürlich mit dem einen oder anderen alten Kollegen aus.

Gibt es einen Spieler, mit dem Sie besonders gern zusammengespielt haben?

Natürlich Andy Schmid. Es ist aber nicht so, dass ich nur von ihm profitiert habe – wir haben uns immer gegenseitig geholfen. Mit Andy ist es auch nicht immer leicht. Charakterlich ist er 1a, aber auf dem Feld waren wir auch nicht immer einer Meinung. Was aber auch nicht verkehrt ist. Zusammen mit dem Ex-Löwen Kim Ekdahl du Rietz haben wir die Rückraum-Achse gebildet. Zudem hat es immer Spaß gemacht, neben Patrick Groetzki zu spielen.

Was erwarten Sie vom Spiel am Donnerstag?

Dass die Löwen noch am Dienstagabend ein Spiel gegen Leipzig hatten, ist kein Vorteil für uns. Mein Ex-Klub ist es gewohnt, jeden zweiten, dritten Tag zu spielen. Wir können uns nur etwas länger vorbereiten. Ich erwarte eine kampfbetonte Begegnung. Wir müssen es schaffen, die Löwen aus der Ruhe zu bringen.

Können Sie Ihrem Trainer Roberto Garcia Parrondo ein paar Tipps geben, zum Beispiel zur Achse Andy Schmid-Jannik Kohlbacher?

Ein paar Pässe kommen immer zum Kreis durch. Und außerdem: Unser Coach sieht selbst auch, was zu tun ist. Er analysiert jeden Gegner gut und richtig.

Wie sehen Sie die aktuelle Entwicklung des Teams?

Wir sind immer noch nicht hundertprozentig stabil. Aber unser Spiel wird besser und besser. Mit jedem Sieg wächst bei uns auch das Selbstbewusstsein. Das bringt uns weiter nach vorn.

Ihr Vertrag bei der MT Melsungen läuft nach der Saison aus. Welche Pläne haben Sie für die Zeit danach?

Es kann gut sein, dass ich meine Karriere nach dieser Saison beende. Man soll nie „nie“ sagen, aber ich werde nicht mehr professionell Handball spielen. Mittelfristig wollen meine Frau und ich nach Island zurückkehren. Wir besitzen auch schon ein Haus in Reykjavik. (Björn Mahr)

Zur Person: Alexander Petersson

Alexander Petersson (41) kam nach einem kurzen Gastspiel von der SG Flensburg-Handewitt im Sommer zum Handball-Bundesligisten MT Melsungen. Seine früheren Stationen in Deutschland: Rhein-Neckar Löwen, SG Flensburg-Handewitt, TV Großwallstadt und HSG Düsseldorf. Der Halbrechte kam mit 18 Jahren aus seiner lettischen Geburtsstadt Riga nach Island und spielte auf der Atlantikinsel bei KR Grotta. Seine größten Erfolge: Deutscher Meister (2016 und 2017), DHB- (2018) und EHF-Pokalsieger (2013), EM-Dritter (2010) und Vize-Olympiasieger (2008). Petersson ist verheiratet und hat zwei Kinder. Die beiden Söhne sind leidenschaftliche Fußballer, einer davon spielt in der U19 der TSG Hoffenheim. Die Familie lebt in der Nähe von Heidelberg. 

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