Morgen bei Rhein-Neckar Löwen

Zwischen Tränen und Träumen: MT-Melsungen-Profi Timo Kastening hofft auf versöhnliches Saisonende

Trumpfte zwei Tage nach der Pokal-Pleite in der Liga gegen Wetzlar auf: Timo Kastening.
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Trumpfte zwei Tage nach der Pokal-Pleite in der Liga gegen Wetzlar auf: Timo Kastening.

Handball-Bundesligist MT Melsungen gastiert am Sonntag ab 16 Uhr bei den Rhein-Neckar Löwen. Wir blicken zuvor auf Rechtsaußen Timo Kastening.

Kassel – So eine Woche haben Timo Kastening und die Handballer der MT Melsungen nicht oft. Vor dem Bundesliga-Punktspiel am Sonntag ab 16 Uhr in Mannheim bei den Rhein-Neckar Löwen hatten die Nordhessen sechs, sieben Tage Zeit sich einzustimmen. „Es war schön, sich ein bisschen sortieren zu können“, sagt Rechtsaußen Kastening. Denn die Woche zuvor war mit drei Auftritten in vier Tagen für Körper und Seele eine harte Prüfung:

erst die Enttäuschung beim Final Four in Hamburg, dann der Derbysieg gegen Wetzlar.

„Die Zeit regelt ja vieles, ein verlorenes Finale zieht aber dann doch schon noch seine Kreise“, sagt der 25-Jährige. Zwar wurde Kastening im Endspiel gegen Lemgo nicht von Trainer Gudmundur Gudmundsson eingesetzt, weil Tobias Reichmann den Vorzug erhalten hatte. Der Handballer des Jahres 2019 zog dennoch die Blicke nach der Partie auf sich. Weil er mächtig gefrustet auf der Bank saß. Und weil ihm just in dem Moment die Tränen kamen, als ihn Lemgos Coach Florian Kehrmann tröstete. „Da kam bei mir recht viel zusammen“, erklärt der Ex-Hannoveraner im Rückblick: „Natürlich hätte ich gern das Endspiel gespielt. Aber es hatte rein gar nichts damit zu tun, dass Tobi gespielt hat.“

Beim 30:28-Erfolg gegen Wetzlar war Kastening mit neun Treffern schon wieder bester Schütze seines Teams. Sein erfolgreicher Dreher nach weitem Abwurf von Torwart Silvio Heinevetter? Ein Augenschmaus. Das Spiel war für ihn und sein Team der erste Schritt, aus einer schlechten Saison noch etwas einigermaßen Gutes zu machen. „Es wäre wichtig, dass wir uns mit einem guten Gefühl aus der Serie verabschieden. Und wir haben immer ja noch die Chance auf Europa“ betont der 25-Jährige. Die Löwen, die fünf Pluspunkte mehr auf dem Konto haben, sind ein direkter Konkurrent im Kampf um einen Startplatz für die European League. Da auf beiden Seiten deutsche Nationalspieler eingesetzt werden, ist die Begegnung am Sonntag auch eine Möglichkeit, dem Traum von einer Olympia-Teilnahme näherzukommen.

Allerdings: Die MT entschied in dieser Spielzeit noch kein einziges Duell mit einem der Top-Klubs für sich. „Wir hatten in diesem Jahr durchaus Resultate, die man wertschätzen kann. Beispielsweise haben wir Göppingen zweimal beherrscht. Aber dann haben wir uns mit dem einen oder anderen Spiel den guten Eindruck wieder kaputt gemacht“, lautet die Zwischenbilanz Kastenings.

Fünf Partien in 15 Tagen stehen bis zum Rundenende für die Nordhessen auf dem Programm. Nach dem Spiel bei den Löwen muss die MT gegen Hannover (17. Juni, Kassel), in Lemgo (20. Juni), gegen Berlin (23. Juni) und in Stuttgart (27. Juni) antreten.

„Wir müssen jetzt in jedem Spiel noch einmal alles geben. Man merkt allerdings schon, dass es eine lange Saison ist“, sagt Trainer Gudmundur Gudmundsson und hat beim Blick auf den Kalender ein „komisches Gefühl“. Klar: Normalerweise läge nun bereits der letzte Spieltag hinter den Bundesligisten. Weil in diesem Jahr aber 20 statt 18 Klubs dabei sind, müssen die Vereine vier Saisonspiele mehr absolvieren.

Die Tokio-Fahrer haben nach dem letzten Spieltag nur eine Woche Pause, ehe sie zum Vorbereitungs-Lehrgang der DHB-Auswahl müssen. „Ich hätte sicher auch nichts gegen zwei Wochen Urlaub und ein bisschen Zeit mit der Familie. Aber ich habe weiter viel Spaß am Handball“, stellt Kastening klar, „jetzt bin ich voll auf Melsungen fokussiert.“ Bei einem Erfolg am Sonntag hätten er und sein Team zum vierten Mal in Folge in der Bundesliga gewonnen. Es wäre das gute Ende einer durchaus ungewöhnlichen Woche. (Björn Mahr)

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