Nationalspieler im Interview

100 Tage vor WM: MT-Melsungen-Spieler Tobias Reichmann blickt auf Heim-Turnier

Sieht viel Potenzial im deutschen Team: Rechtsaußen Tobias Reichmann.
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Sieht viel Potenzial im deutschen Team: Rechtsaußen Tobias Reichmann.

Kassel. In 100 Tagen beginnt die Handball-Weltmeisterschaft in Deutschland und Dänemark. Das Eröffnungsspiel ist in Berlin. Wir blicken mit dem Melsunger Tobias Reichmann, einem gebürtigen Berliner, auf die WM und seine Heimatstadt. 

Das Jahr 2019 beginnt mit einem Sport-Großereignis. In exakt 100 Tagen beginnt die Handball-Weltmeisterschaft in Deutschland und Dänemark. In der Berliner Mercedes-Benz-Arena trifft die DHB-Auswahl am 10. Januar im Eröffnungsspiel auf Korea. Wir haben mit dem Melsunger Rechtsaußen Tobias Reichmann, einem gebürtigen Berliner, über die WM, seine Heimatstadt und seine Chancen auf eine Nominierung gesprochen.

In genau 100 Tagen geht es in Berlin los. Warum sollten sich deutsche Handball-Fans mit Eintrittskarten eindecken?

Tobias Reichmann: Eine Weltmeisterschaft im eigenen Land ist nicht nur für Spieler, sondern auch für die Zuschauer etwas Besonderes. Es kommt ja nicht oft vor. Vor allem aber, so hat es sich schon oft bei solchen Turnieren gezeigt, sind die gastgebenden Mannschaften weit gekommen. Und wir glauben auch an unsere Stärke.

Wie oft werden Sie schon auf die WM angesprochen?

Reichmann: Das wird demnächst noch deutlich mehr werden. Familie, Freunde – alle wollen ja wissen, wie man seine Chancen sieht, bei der Weltmeisterschaft dabei zu sein.

Und wie sind Ihre Aussichten?

Reichmann: Wenn ich gesund bleibe und meine gute Form halte, dann kann es klappen. Aber es kann auch noch viel passieren. Wir sind immer noch erst in der Startphase dieser Saison. Ich mache mir deshalb keinen Kopf und konzentriere mich auf meinen Job bei der MT.

Wie intensiv ist der Austausch mit Trainer Christian Prokop?

Reichmann: Christian hat uns drei Melsunger Nationalspieler schon in dieser Saison in Kassel besucht und gesagt, wo Defizite sind und woran wir arbeiten müssen. In meinem Fall soll ich noch mehr antizipieren und noch mehr Konstanz in meine Leistungen bringen. Zudem gab es ja eine Taktik-Einheit beim Stützpunkttraining in Kiel.

Inwieweit spornt Sie als gebürtiger Berliner eine Teilnahme zusätzlich an?

Reichmann: Zunächst weckt es Heimatgefühle. Meine Familie lebt nur 30 Kilometer von Berlin entfernt. Ich bin zwei Kilometer von dort, wo die Arena heute steht, aufgewachsen. Auch wenn wir weggezogen sind, als ich neun Jahre alt war, habe ich noch alles vor Augen.

Das heißt?

Reichmann: Der Kindergarten war nur 200, die Grundschule in der Andreasstraße nur 300 Meter entfernt. Ich habe diese Wege immer allein gemacht.

Kommt da ein bisschen Heimweh durch?

Reichmann: Ich möchte da nicht wohnen, das wäre mir viel zu hektisch. Ich weiß mittlerweile die Ruhe in ländlicheren Gegenden zu schätzen. Allerdings leben viele meiner besten Freunde in Berlin und Umgebung.

Und wohin geht es, wenn sie mal in Berlin zu Gast sind?

Reichmann: Als ich mit der Jugendsportschule aus Cottbus für „Jugend trainiert“ in der Hauptstadt war, sind wir zu den üblichen Plätzen gegangen: Ku´damm und so weiter. Vor vier, fünf Jahren haben wir mit der Familie eine Stadtrundfahrt gemacht – da ist mir erst mal aufgefallen, was ich alles gar nicht kenne.

War denn die Kindheit in Berlin schon vom Handball geprägt?

Reichmann: Überhaupt nicht. Ich war Schwimmer, und Kraul und Brust konnte ich ganz gut. Als wir dann Berlin verließen und der Weg zum Schwimmen zu weit war, war das Thema erledigt. Dann ging ich zum Handball. Manchmal frage ich mich, was aus mir als Schwimmer geworden wäre. Aber ich habe mit dem Handball auch nicht viel falsch gemacht.

Sie haben fast alles gewonnen: Sind Europameister, Deutscher Meister, Pokalsieger, Champions-League-Sieger. Der WM-Titel fehlt noch. Wie stehen die Chancen?

Reichmann: Olympia-Gold habe ich auch noch nicht. Wir haben mit dem EM-Triumph 2016 in Polen gezeigt, was in uns steckt. Und dass wir Olympia-Bronze in Rio de Janeiro geholt haben, war der Beweis dafür, dass der Gewinn der Europameisterschaft keine Eintagsfliege war. Ich bin davon überzeugt, dass wir immer noch diesen unbändigen Willen besitzen und den aufkommenden Druck in viel Energie umwandeln können. Wir können den Titel holen, das Potenzial ist dafür da.

Wer ist Tobias Reichmann

Tobias Reichmann (30) spielt seit Sommer 2017 für den Handball-Bundesligisten MT Melsungen. Zuvor stand der Rechtsaußen bei Vive Kielce /Polen, in Wetzlar, beim THW Kiel und bei der Reserve des SC Magdeburg unter Vertrag. In der Jugend spielte er für den LHC Cottbus. 75-mal lief Reichmann bislang für die deutsche Nationalmannschaft auf und wurde unter anderem 2016 Europameister. Der gebürtige Berliner lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Kassel.

Die Handball-WM 2019: Das ist der Spielplan des Turniers in Deutschland

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