Handball-Bundesligist zeigt zwei Gesichter

Timo Kastenings Gala und ein Novum - MT Melsungen stellt Tusem Essen vor unlösbare Probleme

Die Melsunger Handballer Domagoj Pavlovic (von links), Julius Kühn, Yves Kunkel und Silvio Heinevetter.
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Zufrieden mit dem Auftritt in Halbzeit zwei: die Melsunger Domagoj Pavlovic (von links), Julius Kühn, Yves Kunkel und Silvio Heinevetter.

Die MT Melsungen gewann in der Handball-Bundesliga 35:31 gegen Tusem Essen. Wir blicken auf den Abend in der Rothenbach-Halle zurück - dabei steht vor allen Timo Kastening im Fokus.

Kassel – Bei den knappen Heimniederlagen zuletzt gegen Balingen und die Rhein-Neckar Löwen hatte Melsungens Handball-Nationalspieler Timo Kastening jeweils den ersten Siebenmeter verworfen. Vor dem Bundesliga-Spiel gegen Aufsteiger Tusem Essen setzte sich der Rechtsaußen dementsprechend selbst besonders unter Druck: „Heute muss der erste Siebenmeter drin sein.“

Und: Er traf von der Linie – zum 8:10 (20.). Es war der Auftakt in eine Kastening-Gala. Noch zehnmal überwand er an diesem Abend die gegnerischen Torhüter und war beim 35:31-Sieg mit insgesamt zwölf Treffern der Mann des Abends in der Kasseler Rothenbach-Halle.

„Ein überragendes Spiel“ bescheinigte Trainer Gudmundur Gudmundsson dem Linkshänder. Auch Tusem-Coach Jamal Naji war beeindruckt: „Mehr Minuswinkel können wir ihm nicht geben – er hat alles getroffen.“ Tatsächlich drehte Kastening die Bälle in schöner Regelmäßigkeit den Essener Schlussleuten um den Körper. Eine Weltklasse-Vorstellung.

Zwölffacher Torschütze: MT Melsungens Timo Kastening.

Die war aber auch nötig, um den Gast zu bezwingen. „Der Tusem ist körperlich unterlegen, spielt aber einen guten Ball“, sagte der Melsunger Rechtsaußen. Dennoch stand sich sein Team in der ersten Hälfte zumeist selbst im Weg – angesichts von elf Fehlwürfen und einigen technischen Fehlern. „Wir versuchen uns immer noch zu finden“, betont Kastening, „wir müssen weiter extrem viel arbeiten, damit das Vertrauen für den Nebenmann wächst.“

In der zweiten Hälfte zeigten die Nordhessen ein anderes Gesicht. Es war mehr Leichtigkeit im Spiel. Nachdem die Melsunger zuletzt beim Start in eine zweite Hälfte nicht sofort den Fokus gefunden hatten, gab es kurz vor Wiederbeginn noch eine kurze Laufeinheit auf dem Feld – ein Novum. „Wir versuchen alles, um besser reinzukommen“, betonte der starke Spielmacher Domagoj Pavlovic. Wenn es ein Experiment war, dann ist es gelungen.

„Nach der Pause waren wir viel besser“, erklärte Pavlovic. Julius Kühn und Kai Häfner kamen mit viel mehr Schwung zum Abschluss. Nur noch drei Fehlwürfe verzeichnete Gudmundsson in den zweiten 30 Minuten: „Die Quote war überragend.“ 22 Tore sind ein herausragender Wert. Die Effektivität der MT erkannte auch Essens Trainer Naji neidlos an: „Wir hätten uns auch nicht beschweren können, wenn wir mit acht Toren verloren hätten.“ Im Hinspiel musste sich seine Mannschaft der MT mit 28:35 geschlagen geben. Damals fiel die Niederlage etwas zu hoch aus, diesmal schmeichelte der Vier-Tore-Rückstand dem Liganeuling etwas.

Gern hätten die Melsunger direkt an diesem Wochenende die nächste Aufgabe in Angriff genommen. Doch da bei der TSV Hannover-Burgdorf genügend Spieler aus der Quarantäne entlassen wurden, kann sie heute den THW Kiel empfangen. Ansonsten hätten sich die Nordhessen darum bemühen können, die Partie gegen den Meister nachzuholen. So zeichnet sich schon jetzt ab, dass die MT im Mai nur Englische Wochen auszutragen hat – teilweise dürften sogar drei Spiele in einer Woche angesetzt werden. Die Melsunger sind immer noch mit vier Begegnungen im Rückstand. Bis zur Länderspielpause Ende des Monats muss das Team noch dreimal ran – erst in Magdeburg (18. April), dann in Kassel gegen Kiel (22. April) und Flensburg (25. April).

Kastening wird in den Partien darauf hoffen, dass er wieder den ersten Strafwurf verwandelt. „Das ist wichtig, um eine Grundsicherheit zu bekommen“, sagt der 25-Jährige. Die weiteren Siebenmeter gegen Essen ließ er Tobias Reichmann werfen. „Tobi hat das gut gemacht“, sagte Kastening, „sein zweiter ging an den Pfosten, das war nur Pech.“ (Björn Mahr und Manuel Kopp)

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