Krise beim Handball-Bundesligist

Nach Debakel gegen Balingen: MT Melsungen hält an Trainer Grimm fest

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Hat schon mal glücklicher ausgesehen: MT-Trainer Heiko Grimm steckt mit seiner Mannschaft in einer Krise. 

Dem Debakel in Balingen folgte ein Tag mit Krisengesprächen - mit dem Ergebnis: Handball-Bundesligist MT Melsungen hält an Trainer Heiko Grimm fest. 

Einfach ist es nicht, einen Profi der MT Melsungen zu erreichen. Am Tag nach dem Debakel von Balingen schottet sich der heimische Handball-Bundesligist erst einmal ab. Der desaströse Auftritt beim 23:36 gegen den Aufsteiger hat für akuten Redebedarf gesorgt. So ist es verständlich, dass sich am Montagvormittag die Mannschaft samt Trainer und Manager zu einem Krisengespräch treffen. Die wohl wichtigste Nachricht danach lautet: Trainer Heiko Grimm bleibt im Amt.

Auf den ersten Blick überrascht diese Entscheidung schon ein wenig. Spätestens mit der Blamage von Sonntag dürfte selbst dem größten Optimisten aufgefallen sein, dass die Chemie zwischen Grimm und den Spielern nicht stimmt. Die passende Floskel dazu geht so: Der Trainer erreicht die Mannschaft nicht mehr. 

Spötter könnten in diesem Moment nachfragen: Hat er sie denn jemals erreicht? Ob taktisch oder emotional, Tatsache ist, dass die Profis Grimms Vorgaben in dieser Spielzeit bislang komplett ignoriert haben – mal abgesehen von einer sehr guten Viertelstunde gegen den TBV Lemgo.

Von eigenen Ansprüchen weit entfernt

So lässt sich festhalten, dass die MT den eigenen Ansprüchen meilenweit hinterherläuft. Was nicht nur die Melsunger Fans ins Grübeln versetzt angesichts der renommierten Namen im Kader. Manager Axel Geerken hat die Mannschaft in den zurückliegenden Jahren Stück für Stück aufgerüstet, für gestandene Nationalspieler nahm er viel Geld in die Hand, nicht ohne Grund trägt der Verein derzeit den Spitznamen MT Deutschland. 

Das Verrückte daran: Je größer die Qualität im Aufgebot wurde, desto schlechter sahen die Leistungen auf der Platte aus. Früher im Mathematik-Unterricht hieß solch ein Verhältnis antiproportional.

Für gewöhnlich führen derartige Dysbalancen im Profisport nur zu einer Konsequenz: Der Trainer muss gehen. Nicht zuletzt hätte die kollektive Arbeitsverweigerung in Balingen sämtliche Alarmglocken schrillen lassen müssen. Der Verein verfährt jedoch nach dem Motto: Mund abputzen, weitermachen. Wie gesagt, das war der erste Blick.

Auf den zweiten verbirgt sich hinter dem Festhalten an Grimm eine gewisse Logik. Geerken, der starke Mann bei der MT, hat von Anfang an auf die Karte Grimm gesetzt. Er wollte dem jungen und unerfahrenen Trainer eine Chance geben. Er wollte das Experiment wagen. Daran ist nichts verwerflich. Ein Bennet Wiegert etwa von Spitzenreiter Magdeburg fiel ja auch nicht als routinierter Bundesliga-Coach vom Himmel. 

Verletzungsmisere kam hinzu

Aber schon zum Auftakt der Vorsaison zeigte sich, dass Grimms Ideen nicht fruchten. Schnell warf er seine Vorstellungen über Bord. Dann begann die Verletzungsmisere. Und es gibt nicht wenige, die vermuten, dass die daraus resultierte Jetzt-erst-recht-Haltung dem Trainer den Job gerettet hat.

Geerken jedenfalls wurde nicht müde, die Qualitäten seines Wunschkandidaten zu betonen. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Auch wenn für jeden offensichtlich ist, dass es der Trainer bis jetzt nicht geschafft hat, das enorme Potenzial herauszukitzeln.

Die Krux für Geerken: Trennt er sich von Grimm, müsste die MT dann schon zwei beurlaubte Trainer bezahlen. Und nicht zuletzt müsste sich der MT-Manager eingestehen, dass sein Vorhaben grandios gescheitert ist. Dann lieber hoffen, dass sich doch noch alles zum Guten wendet. Augen zu und durch.

Update vom 12. September - Offenbar war die Entscheidung goldrichtig: Nur vier Tage nach der Niederlage gegen Balingen haben die Handballer der MT Melsungen gezeigt, wie entschlossen sie kämpfen können. Mit einem sensationellen 31:29 (16:13) stürzten sie Spitzenreiter SC Magdeburg vom Thron des Bundesliga-Tabellenführers.

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