Melsunger Trainer beklagt die wechselhaften Leistungen

MT Melsungen: Gudmundur Gudmundsson spricht im Interview von „einer der schwersten Saisons meiner Karriere“

Hart kritisiert: Trainer Gudmundur Gudmundsson (rechts, hier mit Youngster Ole Pregler).
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Immer wieder hart kritisiert: Trainer Gudmundur Gudmundsson (rechts, hier mit Youngster Ole Pregler).

Die Handballer des Bundesligisten MT Melsungen sind in der Sommerpause. Zumindest all jene, die nicht in der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Tokio stecken. Auch Trainer Gudmundur Gudmundsson erholt sich von einer kräftezehrenden Saison. Im Interview blickt der 60 Jahre alte Isländer nicht nur auf die enttäuschende abgelaufene Saison, sondern richtet den Blick auch schon nach vorn.

Kassel – Die Handballer des Bundesligisten MT Melsungen sind in der Sommerpause. Zumindest all jene, die nicht in der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Tokio stecken. Auch Trainer Gudmundur Gudmundsson erholt sich von einer kräftezehrenden Saison. Im Interview blickt der 60 Jahre alte Isländer nicht nur auf die enttäuschende abgelaufene Saison, sondern richtet den Blick auch schon nach vorn.

Herr Gudmundsson, wo erreichen wir Sie gerade?

Ich verbringe meinen Urlaub in meiner Heimat Island.

…und kümmern sich um Ihre Islandpferde?

Teilweise. Meine Tochter ist die Reiterin in der Familie. Wir brechen allerdings jetzt für ein paar Tage auf: Wandern, Angeln, Mountainbiken. Das Wetter war zuerst gut, jetzt ist es wechselhaft. Im Norden des Landes ist es jedoch überragend.

Wie lange hat es gebraucht, die abgelaufene Saison zu verarbeiten?

Es war eine der schwersten Saisons in meiner Karriere: lang und hart. Es gab durch die Coronaprobleme viele Unterbrechungen. Wir waren dreimal in Quarantäne.

Und bei der WM im Januar waren Sie auch.

Da waren wir auch nicht frei. Wir haben in einer Blase gelebt. Um zur MT zurückzukehren: Es war für die Spieler genauso wie für mich als Trainer sehr schwer.

Es ist viel Kritik auf Sie eingeprasselt – vor allem wegen der schwachen Leistung im Pokalfinale. Wie gehen Sie damit um?

Ich habe mir auch meine Gedanken gemacht. Wir haben es nicht gut genug gemacht. Es gibt immer auch einen Gegner. Und eine Mannschaft ist eben der Verlierer. Lemgo war an dem Tag besser.

Auch dass Sie Spieler wie Lasse Mikkelsen und Stefan Salger kaum eingesetzt und nicht noch mehr Talenten die Chance gegeben haben, kam bei vielen Fans nicht gut an.

Ich habe sicher eine Meinung dazu. Aber dazu möchte ich mich jetzt nicht mehr äußern. Es ist Mitte Juli, mein Fokus geht auf die Saison-Vorbereitung. Vielleicht nur so viel: Wir haben weiter daran gearbeitet, Talente zu integrieren. Neben Ole Pregler haben auch Spieler wie Paul Kompenhans, Ben Beekmann und Julian Fuchs regelmäßig bei uns mittrainiert.

Wie wollen Sie viele enttäuschte Fans für die MT zurückgewinnen?

Wir müssen als Mannschaft besser auftreten. Unsere Leistungen waren zu wechselhaft. Das gilt für einzelne Spiele genauso wie für Phasen einer Saison. Es war ja immer mal so, dass wir zwei Spiele am Stück gewonnen haben, dann aber wieder eine Niederlage hinnehmen mussten. Und dann denke ich auch noch an unseren Auftritt am letzten Spieltag in Stuttgart. Da spielen wir mehr als 50 Minuten gut, dann werfen wir in den letzten Minuten den Sieg weg.

Auf dem Team lastet ein gewaltiger Druck.

Den Druck, der durch die Erwartungshaltung von außen entsteht, kann man nicht immer beeinflussen. Wir selber müssen uns zunächst erreichbare Ziele stecken und die auch kommunizieren. Das heißt zum Beispiel, um in der Liga weiter nach oben zu kommen, müssen wir es zunächst schaffen, konstanter zu spielen.

Da können Neuzugänge helfen. Sie haben nach der Verpflichtung von Elvar Örn Jonsson und Alexander Petersson nun insgesamt drei Landsleute im Kader. Was erwarten Sie vom isländischen Trio?

Es hat nichts mit Nationalitäten zu tun. Wir haben einfach komplette Spieler geholt – Jonsson, Petersson und der Portugiese Andre Gomes können in Abwehr und Angriff eingesetzt werden. Denn wenn ich auf die vergangene Saison zurückblicke, dann waren die Wechsel zwischen Defensive und Offensive eine große Baustelle.

Auf sieben MT-Profis werden Sie wegen der Sommerspiele zunächst verzichten müssen. Wie intensiv werden Sie das Turnier in Tokio verfolgen?

Ich werde jedes Spiel verfolgen. Der Schwerpunkt liegt natürlich auf den deutschen und den portugiesischen Begegnungen. Ich möchte sehen, welche Tendenzen es im Welthandball gibt. Die Deutschen haben aus meiner Sicht alle Möglichkeiten. Ich freue mich, dass sechs deutsche MT-Profis in Tokio dabei sind. Ein paar Sorgen mache ich mir aber wegen der Belastung. Das Programm ist hart. (Björn Mahr)

Zur Person: Gudmundur Gudmundsson

Gudmundur Gudmundsson (60) ist seit Februar 2020 Coach der MT Melsungen. Der Isländer ist zudem Trainer der Nationalmannschaft seines Heimatlandes. In Deutschland trainierte Gudmundsson bereits Bayer Dormagen und die Rhein-Neckar Löwen. Mit der dänischen Auswahl wurde er 2016 in Rio Olympiasieger. Gudmundsson ist verheiratet und hat vier Kinder.

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