Bundesligist startet am Sonntag in Balingen

MT Melsungen: Interview mit Gudmundur Gudmundsson und Axel Geerken

MT-Manager Axel Geerken und Trainer Gudmundur Gudmundsson beim Interview in der Redaktion
+
Guter Dinge vor dem Saisonstart: MT-Manager Axel Geerken (links) und Trainer Gudmundur Gudmundsson.

Nach 210 Tagen ohne Punktspiel müssen die Handballer der MT Melsungen am Sonntag ab 16 Uhr wieder in der Bundesliga ran. Zum Saisonstart gastieren die Nordhessen bei HBW Balingen-Weilstetten. Wir haben mit Trainer Gudmundur Gudmundsson und Manager Axel Geerken gesprochen.

Kassel – Nach 210 Tagen ohne Punktspiel müssen die Handballer der MT Melsungen am Sonntag ab 16 Uhr wieder in der Bundesliga ran. Zum Saisonstart gastieren die Nordhessen bei HBW Balingen-Weilstetten. Vor einem Jahr kassierten die Melsunger unter dem damaligen Trainer Heiko Grimm in der Sparkassen-Arena eine 23:36-Packung.

Wir haben mit Trainer Gudmundur Gudmundsson und Manager Axel Geerken über die erste Aufgabe, die Entwicklung des Teams und das erste Heimspiel am kommenden Dienstag ab 19 Uhr in der Kasseler Rothenbach-Halle gegen den TBV Lemgo Lippe gesprochen.

Herr Geerken, müssen Sie mit ihrem Trainer im Vorfeld über Balingen reden?

Axel Geerken: Nein. Gudmi weiß, wie wir letztes Jahr dort gespielt haben. Ich bin davon überzeugt, dass unsere Trainer die Mannschaft gut vorbereitet haben.

Herr Gudmundsson, inwieweit haben Sie sich damit beschäftigt, was vor einem Jahr in Balingen geschah?

Gudmundur Gudmundsson: Das musste ich nicht. Ich weiß, wie schwer es wird, in Balingen zu gewinnen. Ich war viermal mit den Rhein-Neckar Löwen dort. Zwar habe ich immer dort gewonnen, aber es waren enge Spiele.

Bei der MT gab’s danach damals eine Krisensitzung. Eine solche hatten Sie jetzt schon nach dem überraschenden Aus im Europapokal. Inwiefern hat sich seitdem einiges zum Guten entwickelt?

Gudmundsson: Das werden wir sehen. Ich möchte, dass mein Team auf dem Spielfeld zeigt, wie weit wir sind. Wir hatten unsere Schwierigkeiten in Silkeborg wegen der Quarantänefälle. Aber das ist vorbei. Der Fokus liegt jetzt auf dem Ligastart.

Geerken: Die anschließenden Tests waren mal besser, mal schlechter. Aber es waren eben auch nur Tests.

Was haben Sie getan, um die Schwächen im Überzahlspiel abzustellen?

Gudmundsson: Wir hatten in Silkeborg die Chancen, haben sie aber nicht genutzt. Seither haben wir in diesem Bereich viel gearbeitet und uns gesteigert.

Wie bewerten Sie die Entwicklung im Rückraum? Wird sich da personell noch etwas tun?

Gudmundsson: Lasse Mikkelsen, Julius Kühn, Domagoj Pavlovic und Kai Häfner sind unsere Schlüsselspieler. Wenn sich jemand davon verletzten sollte, wird die Luft dünn. Wir haben beispielsweise auf Halblinks mit Ole Pregler einen 18-Jährigen, der noch seine Zeit braucht. Ich hoffe deshalb, dass wir gut durchkommen.

Geerken: Ich tausche mich mit Gudmi oft aus. Ich finde es aber nicht richtig, jetzt vor dem ersten Spiel zu sagen, dass der Kader nicht reicht und wir noch einen Mann verpflichten müssen.

Sie verfügen jetzt über vier starke Außen und drei ebenso gute Kreisläufer. Wie wollen Sie diese Qualität nutzen?

Gudmundsson: Diese Spieler sind abhängig von den Bällen, die sie aus dem Rückraum bekommen. Ich kann nur sagen, dass wir viel darüber gesprochen und auch daran gearbeitet haben. Wir haben das Spiel auf diesen Positionen jetzt besser angelegt.

Auch im Tor haben Sie die Qual der Wahl. Was erhoffen Sie sich von der Besetzung Simic/Heinevetter?

Gudmundsson: Bislang hatte jeder etwa 50 Prozent Spielanteile. Das wird allerdings nicht immer so sein. Ich schaue auf die Leistung, aber ich mache mir auch darüber Gedanken, wer zu welchem Gegner vielleicht besser passt. Wichtig ist, dass mindestens einer von beiden einen guten Tag hat.

Geerken: Wir haben jetzt zwei extrovertierte Torhüter mit unterschiedlichen Spielstilen, das ist nie verkehrt. In der Vorbereitung haben beide bewiesen, wie wichtig sie für die Mannschaft sind. Und Heine hat sich als Neuzugang super eingefügt.

Die MT weckt durch die prominente Besetzung viel öffentliches Interesse. Wie sehr achten Sie darauf, dass das Team bei aller Präsenz in den Medien nicht den Blick fürs Wesentliche verliert?

Geerken: In einer Vorbereitung gibt es häufig etwas mehr Termine. Aber da die Phase diesmal so lang war, haben die Termine die Spieler nicht in ihrer Konzentration gestört.

Gudmundsson: Die Jungs sind lange genug im Geschäft und wissen, wie sie damit umzugehen haben.

Herr Gudmundsson, wie lautet das Saisonziel?

Gudmundsson: Wir sind uns einig, dass wir nur auf das erste Spiel schauen. Wir wollen in Balingen gewinnen. Klar ist aber auch, dass wir mehr Konstanz in unseren Leistungen haben wollen. Es gab in der Vergangenheit einige Tiefs. Letztlich darf man aber auch nicht vergessen, dass wir am Anfang einer außergewöhnlichen Saison sind. Es geht spät los, und die Runde dauert sehr lang.

Herr Geerken, was möchten Sie ergänzen?

Geerken: Es ist schwer, eine sportliche Einschätzung zu treffen, weil niemand weiß, was da noch alles auf einen zukommen wird.

Werden Sie weiter auch als Torwarttrainer tätig sein?

Geerken: Nein. Bei Heiko Grimm habe ich das gemacht. Aber Gudmi hat so viel Erfahrung ...

Gudmundsson: (lacht) Axel, Du bist immer herzlich willkommen.

Geerken: Tatsächlich standen jetzt auch ein paar andere Themen im Vordergrund, die sehr zeitintensiv waren. (schmunzelt) Und Gudmi hat ja auch gute Berater im Bereich Torwarttraining.

Gudmundsson: Wir halten uns da alles offen. Bisher ist es aber gut gelaufen. Ich bin mir sicher, dass unsere Torleute gut vorbereitet sind. Wir widmen ihnen in jedem Training viel Zeit.

Durch das Hygienekonzept der MT dürfen bis zu 2100 Zuschauer bei den Spielen in der Rothenbach-Halle dabei sein. Was haben Sie besser gemacht als andere Klubs?

Geerken: Ich kenne nicht die Konzepte der anderen Klubs. Zu unserem kann ich aber sagen, dass wir sehr detailliert und umfangreich den Ablauf eines Spiels dargelegt haben. Wir sind froh, dass wir so viele Zuschauer empfangen dürfen. Wir hoffen, dass zum ersten Heimspiel viele Zuschauer ihre Dauerkarten nutzen. Denn ich bin schon der Meinung, dass gut 2100 Fans eine Stimmung erzeugen können, die das Team trägt.

Gudmundsson: Fans sind ungemein wichtig. Ich rede immer auch mit den Spielern darüber, dass sie nie vergessen, für wen wir das machen: nämlich für unsere Fans.

Wie realistisch ist es, dass am Dienstag vor 2100 Fans gespielt werden kann?

Geerken: Aktuell sieht es gut aus. Wir hoffen, dass wir keine weiteren Einschränkungen haben werden.

Kann die MT mit 2100 Besuchern überleben?

Geerken: Grundsätzlich sehen wir es erst mal positiv. Bei nun 4400 Sitzplätzen ist unser Verhältnis schon ausgesprochen gut. Aber da reden wir nicht von Wirtschaftlichkeit. Es sind immer noch nur 50 Prozent der Kapazität. Und die Kosten sind dennoch exorbitant hoch: Wir mussten zum Beispiel eine neue Sitzplatztribüne installieren. Wir machen das aber gern, weil wir es für wichtig halten, dass wir unseren Sport und unsere tolle Mannschaft zeigen können.

Wie groß sind die Sorgen, dass die Saison nicht durchgezogen werden kann, weil ein Verein wirtschaftlich auf der Strecke bleibt oder ein Team wegen Quarantäne zu viele Spiele verpassen wird?

Gudmundsson: Darüber sollte man sich nicht so viele Gedanken machen. Es geht nur darum, was heute ist – voller Fokus immer auf die nächste Aufgabe.

Geerken: Das gilt nicht nur für die Mannschaft, sondern auch für die Mitarbeiter im administrativen Bereich. Die vergangenen Monate haben gezeigt, wie schnell sich etwas ändern kann. (Gerald Schaumburg und Björn Mahr)

Zu den Personen: Gudmundur Gudmundsson und Axel Geerken

Gudmundur Gudmundsson aus Reykjavik wird am 23. Dezember 60 Jahre alt. In 230 Länderspielen für Island erzielte er 356 Tore. 1999 kam „Gudmi“ erstmals als Trainer nach Deutschland, Stationen waren Dormagen und die Rhein-Neckar Löwen, mit denen er den EHF-Pokal holte. Als Nationaltrainer gewann er unter anderem Olympiasilber und EM-Bronze mit Island und Olympiagold mit Dänemark. Seit Februar 2020 ist er Trainer der MT Melsungen, aber auch Nationalcoach Islands.

Gudmundsson ist verheiratet, hat vier Kinder – und acht Islandpferde. Er kocht gern, liebt die Natur und Mountainbiken am Herkules.

Axel Geerken (47) kam 2012 als Manager zum Handball-Bundesligisten MT Melsungen. Zuvor war er Geschäftsführer in Gummersbach und in Wetzlar. Als Profi stand der gebürtige Oldenburger bei Wetzlar, Kiel und Großwallstadt im Tor. Geerken ist verheiratet und Vater einer Tochter und eines Sohnes

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.