„Zu 80 Prozent ist Roberto ruhig“

MT Melsungen: Trainer Parrondo strahlt Souveränität aus und verschafft sich viel Respekt bei seinen Spielern

Enger Austausch: Melsungens Trainer Roberto Garcia Parrondo (links) mit seinem Assistenten Arjan Haenen.
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Enger Austausch: Melsungens Trainer Roberto Garcia Parrondo (links) mit seinem Assistenten Arjan Haenen.

Seit einigen Wochen ist er nun schon Trainer des Handball-Bundesligisten MT Melsungen. Grund genug, etwas genauer auf Roberto Garcia Parrondo zu schauen.

Kassel - Es war keine Szene, die MT-Trainer Roberto Garcia Parrondo sonderlich gefallen haben dürfte. Kurz vor der Pause des Melsunger Handball-Bundesligaspiels gegen den TVB Stuttgart waren die Gäste nach einem Solo von Egon Hanusz durch das Deckungszentrum der Hausherren zum 15:13 erfolgreich. Doch Parrondo blieb entspannt – der Spanier ist kein Mann großer Gefühlsausbrüche.

„Zu 80 Prozent ist Roberto ruhig, aber wenn ihm etwas nicht passt, dann kann er auch schon mal laut werden“, sagte Melsungens Linksaußen Michael Allendorf nach dem 29:23-Erfolg gegen Stuttgart. „Er findet die perfekte Mischung.“

Niemand im MT-Lager mag Parrondo mit seinem Ende September entlassenen Vorgänger Gudmundur Gudmundsson vergleichen. Aber die aufbrausende Art des Isländers, der gern auch schon mal am Spielfeldrand förmlich vor Wut kochte, tat der Melsunger Mannschaft nicht immer gut. Der Stil, den der Spanier pflegt, kommt bei den Nordhessen eindeutig besser an. Dass er sich bislang nur auf Englisch verständigen kann, stört die Abläufe jedoch nicht.

„Alle Spieler sprechen Englisch. Die Sprache ist das kleinste Problem“, erklärt Co-Trainer Arjan Haenen. Der Niederländer zeigt sich angetan von der Arbeitsweise Parrondos: „Roberto hat eine klare Linie. Er bringt seine Ideen gut rüber, insbesondere in der Abwehr sieht man auch schon, dass seine Ansagen immer besser bei den Spielern ankommen.“ In relativ kurzer Zeit hat sich der 41 Jahre alte spanische Coach mit seinem großen Fachwissen und seinem souveränen Auftreten viel Respekt bei seinem Team verschafft.

Die Spieler spüren, dass sich jetzt etwas entwickelt – und nehmen es dann auch gern in Kauf, wenn einem harten Training noch eine lange Videositzung folgt und fast gar nicht mehr Fußball zum Aufwärmen gespielt wird. Für die meisten MT-Profis ist Parrondo immer noch ein neues Gesicht. Nur der erst im Oktober kurzfristig aus Balingen verpflichtete Russe Gleb Kalarash kennt den Iberer schon lange – bereits bei Vardar Skopje war Parrondo sein Coach. „Roberto ist ein sehr korrekter Typ. Nur wenn ein Spieler leichte und unnötige Fehler macht, dann kann es schon mal lauter werden.“

Ein intensives Videostudium gehörte schon in Skopje zu Parrondos Arbeit. Kalarash weiß das zu schätzen: „Durch die Videos kannst du viel lernen. Roberto erklärt nicht nur jeden einzelnen deiner Schritte, sondern auch jeden Schritt deines Gegenspielers.“ Was vor allem für die Abwehrrecken wichtig ist, damit sie rechtzeitig den ballführenden Akteur des Kontrahenten am Torwurf hindern können.

In der Partie gegen Stuttgart waren die Innenblocker kurz vor der Pause allerdings einmal zu spät dran. Doch im zweiten Abschnitt traten kaum noch Schwächen zutage. Worüber sich auch Parrondo nach der Schlusssirene freute. (Björn Mahr)

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