Donnerstag gegen Magdeburg

MT-Melsungen: Trainer Roberto Garcia Parrondo im Interview – „Muss bei Null anfangen“

Die Vorstellung des Neuen: Trainer Roberto Garcia Parrondo (Zweiter von links) mit Rechtsaußen Timo Kastening (von links) und den Vorständen Martin Lüdicke sowie Axel Geerken.
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Die Vorstellung des Neuen: Trainer Roberto Garcia Parrondo (Zweiter von links) mit Rechtsaußen Timo Kastening (von links) und den Vorständen Martin Lüdicke sowie Axel Geerken.

Der Spanier Roberto Garcia Parrondo ist neuer Trainer der MT Melsungen. Wir sprechen mit dem Gudmundsson-Nachfolger.

Kassel – Einen Tag vor dem Heimspiel des Handball-Bundesligisten MT Melsungen am Donnerstag (30.09.2021) ab 19.05 Uhr gegen den Spitzenreiter SC Magdeburg wurde der neue spanische Trainer Roberto Garcia Parrondo vorgestellt. Wir haben mit dem 41-Jährigen gesprochen.

Seine Mannschaft lernte Roberto Garcia Parrondo bereits am Dienstag (28.09.2021) kennen. Am Mittwoch (29.09.2021) stellte Handball-Bundesligist MT Melsungen den neuen Trainer dann bei einer Pressekonferenz in der Kasseler Rothenbach-Halle offiziell vor. Bereits am Donnerstag können die Fans den 41 Jahre alten Spanier erstmals in Aktion erleben – beim Heimspiel ab 19.05 Uhr (auf Sky) gegen den Tabellenführer SC Magdeburg.

MT Melsungen: Trainer Roberto Garcia Parrondo im Interview

Wir haben am Rande der Präsentation mit Gudmundsson-Nachfolger Parrondo über seine neue Aufgabe und die Partie gegen Magdeburg gesprochen.

Enger Austausch: Der neue MT-Trainer Roberto Garcia Parrondo im Gespräch mit Assistenzcoach Arjan Haenen (rechts).
Bevor Sie nach Melsungen gewechselt sind, haben Sie da gewusst, dass Rechtsaußen Timo Kastening Spanisch lernt?
Ich habe davon gehört. Wir haben an meinem ersten Tag darüber gesprochen. Jetzt helfe ich ihm beim Spanisch, und er kann mir beim Deutsch helfen.
Wie wichtig ist es für Sie, schnell die deutsche Sprache zu beherrschen?
Ich möchte die Sprache lernen, aber das wird dauern. Jetzt stehen erst einmal die Arbeit und Handball im Vordergrund.
Welche Eindrücke haben Sie von Ihrem neuen Team?
Ich weiß, dass die MT sehr gute Spieler hat. Aber wir müssen an der Teamfähigkeit arbeiten, um meine Ziele zu erreichen. Die Mannschaft ist wichtiger als jeder Einzelspieler. Bei Vardar Skopje bestand auch meine Aufgabe darin, eine Mannschaft aufzubauen.
Wie lange mussten Sie überlegen, um der MT zuzusagen?
Es hat drei bis vier Tage gedauert. Die letzte Woche war sehr aufregend, ich musste vieles organisieren. Es ist nicht einfach, sofort umzuziehen. Meine Familie lebt ja in Ägypten. Aber ich musste nicht lange überlegen, das Angebot anzunehmen.
Was erwarten Sie von der Partie gegen Magdeburg?
Von einem auf den anderen Tag kann man kaum etwas umsetzen. Ich werde den Spielern einige Ansätze mitgeben und möchte sehen, dass sie versuchen, es umzusetzen. Aber um wirklich etwas zu verändern, braucht es mehr Trainingseinheiten und Gespräche.
Sie haben schon oft gegen deutsche Teams gespielt. Wie gut kennen Sie die Bundesliga?
Ich kannte schon vorher viele Spieler und die Teams. Mit Lemgos Isaias Guardiola habe ich sogar in Madrid zusammengespielt. Aber ich habe die Mannschaften natürlich noch nicht analysiert. Ich muss jetzt lernen, wie die einzelnen Teams spielen.
Wie spannend ist es, einen Job in der Bundesliga zu übernehmen?
Für mich ist die Bundesliga die stärkste Liga der Welt. Als Trainer willst du ein Teil dieser Liga sein.
In Deutschland hat ein Bundesligist mehr Einsätze als in anderen Ligen. Wie sehr freuen Sie sich auf diese Herausforderung?
Bei Vardar Skopje hatte ich gar nicht so viele Spiele weniger. Da hatten wir nicht nur die nordmazedonische Meisterschaft, sondern auch die Auftritte in der Seha-Liga und natürlich die Begegnungen in der Champions League. Handball ist letztlich in Deutschland nicht anders als in Spanien, Ägypten oder Ungarn. Es geht darum, das Beste aus einem Team herauszuholen.
Welches Abwehrsystem bevorzugen Sie?
Die Basis ist erst mal eine 6:0-Deckung - es ist einfacher, damit zu beginnen. Allerdings habe ich kein fixes System. Ich mag die 5:1-Abwehr. Während meiner eigenen Karriere als Spieler habe ich gern vorgezogen verteidigt. Aber für dieses System braucht man mehr Zeit zum Einstudieren.
Sie waren selbst Außen. Liegen Ihnen die Flügelspieler besonders am Herzen?
Jetzt bin ich Trainer. Das ist Vergangenheit.
Gibt es Ähnlichkeiten zwischen Ihrer Aufgabe für die ägyptische Nationalmannschaft und der beim Melsunger Team?
Ich bin mit derselben Arbeitsmethode angetreten. Ich muss jetzt genauso wie damals in Ägypten bei Null anfangen. Das heißt, dass ich verschiedene Charaktere zu einer Einheit zusammenbringen muss.
Da haben Sie einiges vor sich. Viel Zeit, um Ihre neue Wahlheimat zu erkunden, bleibt da nicht, oder?
Erst mal gibt es für mich nur eines: Handball (schmunzelt). In den nächsten Ferien wird sich bestimmt die Gelegenheit ergeben, ein bisschen in der Region zu entdecken.

MT-Manager mahnt zur Geduld: „Sollte keiner erwarten, dass sofort ein Schalter umgelegt wird“

Bei der MT-Pressekonferenz stellten sich neben dem neuen Coach Roberto Garcia Parrondo noch Manager Axel Geerken und Außen Timo Kastening den Fragen von Pressesprecher Bernd Kaiser. Als Dolmetscher half Luis Garcia aus. Keine guten Erinnerungen an das letzte Aufeinandertreffen mit Parrondo hatte Kastening. Mit dem DHB-Team schied er im Olympia-Viertelfinale in Tokio aus. „Das war natürlich enttäuschend“, sagt Kastening. „Der Aufstieg von Ägypten in den letzten Jahren ist eng mit Roberto verbunden. Ich hoffe, dass auch wir es mit ihm schaffen, besser zu spielen.“

Zur Person: Roberto Garcia Parrondo

Roberto Garcia Parrondo (41) wurde in Madrid geboren, als Rechtsaußen spielte er für Valladolid, Ademar Leon, Ciudad Real, Atletico Madrid und Pick Szeged und gewann neben vielen weiteren Titeln gewann er die Champions League, machte 87 Länderspiele und gewann 2011 WM-Bronze. Als Trainer triumphierte er mit Vardar Skopje ebenfalls in der Königsklasse. Bei der MT hat er einen Vertrag bis Juni 2024 unterschrieben. Die Tätigkeit als ägyptischer Nationalcoach (seit (2019) setzt er zunächst fort. Parrondo ist verheiratet und hat zwei Töchter, die zwölf und 14 Jahre alt sind. 

MT-Manager Axel Geerken sagte folgendes: „Wir wollen als Team gut rüberkommen. Und bei Roberto Garcia Parrondo sind wir davon überzeugt, dass er aus diesen Spielern eine echte Mannschaft formen kann. Er hat schon in den ersten Trainingseinheiten bewiesen, dass er alle Spieler entsprechend ihrer Stärken einbinden kann. Man hat direkt gespürt, dass alle Jungs hoch konzentriert sind. Allerdings muss man auch mit Roberto Geduld haben. Er muss erst mal die Mannschaft richtig kennenlernen. Nach zwei Tagen sollte keiner erwarten, dass sofort ein Schalter umgelegt wird.“ (Björn Mahr, Manuel Kopp)

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