Handball-Bundesliga: MT Melsungen entlässt Trainer Tominec

Melsungen. Handball-Bundesligist MT Melsungen hat seinen Trainer Matjaz Tominec mit sofortiger Wirkung beurlaubt. Das teilte der Verein am Montagabend in einer Pressemitteilung mit.

Kommentar von Ralf Ohm

Kein Defizit behoben 

Mit „unumgänglichen Handlungsbedarf“ nach sieben Spielen ohne einen einzigen Punktgewinn begründete MT-Aufsichtsratsvorsitzende Barbara Braun-Lüdicke diese Entscheidung: „Wir mussten leider erkennen, dass Trainer und Mannschaft nicht so zusammengewachsen sind, wie das von allen Beteiligten gewünscht, erhofft und eigentlich auch prognostiziert worden war.“ Ein Nachfolger für Tominec steht noch nicht fest.

Zunächst soll die Mannschaft von Co-Trainer Sandor Balogh auf die kommenden Aufgaben vorbereitet werden. Bereits am kommenden Freitag tritt der Tabellenletzte in Großwallstadt zum Ligaspiel an, ehe vier Tage später das Duell im Pokal gegen Obernburg auf dem Programm steht.

Erst im Sommer gekommen

Matjaz Tominec war erst kurz vor Saisonbeginn als Nachfolger von Ryan Zinglersen verpflichtet worden und hatte bei der MT einen Einjahresvertrag unterzeichnet. Es war mit 55 Jahres sein erstes Engagement in der Bundesliga. Er ging es mit viel Optimismus an.

Doch nur knapp vier Monate dauerte die bisher kürzeste Amtszeit eines MT-Trainers, der seine Philosophie eines kampfbetonten, aggressiven Tempohandballs bis dahin nicht hatte durchsetzen können. Und wohl selbst von dem katastrophalen Zustand der teilweise neuformierten Mannschaft überrascht wurde, die insbesondere im Angriff erschreckend schwach agierte.

In den entscheidenden Situationen ließ das Team seit Saisonbeginn jegliches Selbstbewusstsein vermissen – zuletzt beim 21:28 in Magdeburg, was das Fass dann wohl zum Überlaufen brachte. Zuvor war der 55-Jährige äußerst erfolgreich beim slowenischen Erstligisten Cimos Koper und in der Schweiz tätig gewesen.

Von der Mannschaft war am Montag am späteren Abend zumindest Kapitän Mario Kelentric zu erreichen. Er sagte gegenüber unserer Zeitung: „Ich will das eigentlich nicht kommentieren.“ Allerdings fand er dann doch Worte: „Die Ergebnisse sagen alles. Der Trainer muss den Preis zahlen für unsere schlechten Leistungen. Es hat einfach nicht funktioniert.“ Und schließlich könne ja nicht die ganze Mannschaft entlassen werden.

Ein paar Streicheleinheiten

Der Torwart sieht es als vorderste Aufgabe des Interimstrainers Sandor Balogh nun an, dem Team wieder Selbstbewusstsein zu vermitteln. Auch der noch zu verpflichtende Nachfolger Tominecs sollte laut Kelentric keiner sein, der vornehmlich Druck auf das Team ausübt.

Zwischen den Zeilen klingt an, was sich die Spieler wohl wünschen: ein paar Streicheleinheiten, um aus der verfahrenen Situation zu entkommen und so bald wie möglich die ersten Punkte in der Bundesliga einzufahren. Punkte, die es mit Matjaz Tominec als Trainer einfach nicht geben wollte.

Das sagt Matjaz Tominec

„Ich wollte mehr Disziplin und konstruktiveren Handball, insbesondere im Angriff. Die Mannschaft sollte 60 Minuten so spielen wie eine Halbzeit gegen Kiel. Doch damit habe ich wohl von einigen Spielern zu viel verlangt. Die Ansichten waren so unterschiedlich, dass dann wohl nur eine Trainerentlassung infrage kam, weil man die Spieler so kurzfristig nicht auswechseln konnte.“

Von Ralf Ohm und Florian Hagemann

Rubriklistenbild: © HNA/Fischer

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