Topspiel in der Sparkassen-Arena beginnt um 19 Uhr

MT Melsungen heute beim THW Kiel: Mit Rückenwind an die Ostsee

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Das war vor einem Jahr: Melsungens Domagoj Pavlovic (links) entwischt im Punktspiel seinem kroatischen Landsmann Domagoj Duvnjak. 

Die Handball-Fans blicken heute nach Kiel. Dort gastiert die MT Melsungen ab 19 Uhr  zum Bundesliga-Topspiel beim deutschen Rekordmeister THW Kiel.

Nach der Länderspielpause ist vor dem Bundesliga-Kracher. Wenn die Handballer der MT Melsungen heute ab 19 Uhr (Sky) in der Sparkassen-Arena beim deutschen Rekordmeister THW Kiel antreten, dann treffen die beiden erfolgreichsten Mannschaften der vergangenen Wochen aufeinander. Die Melsunger entschieden die vergangenen sechs, die Kieler immerhin die vergangenen fünf Punktspiele zu ihren Gunsten. 

„Kiel ist der Favorit. Aber wir reisen mit Rückenwind an und brauchen uns vor diesem Gegner nicht zu verstecken“, sagt der Melsunger Rechtsaußen und frühere Kieler Tobias Reichmann. Ähnlich entschlossen äußert sich Kapitän Finn Lemke: „Wir fahren nicht dorthin, um nur mal zu gucken.“ Wir blicken auf das Topspiel des elften Spieltags.

Erinnerung und Ereignis

Das Spiel hatte kaum begonnen, da war es auch schon wieder vorbei – für Domagoj Pavlovic. Am 27. November 2018 verletzte sich der kroatische Handball-Nationalspieler der MT Melsungen im Pokal-Viertelfinale beim THW Kiel nach 31 Sekunden sogar so schwer, dass er monatelang ausfiel. Die Diagnose: Knöchelbruch. Fast fünf Tage musste der Mittelmann noch in der Kieler Uniklinik bleiben, ehe er nach Nordhessen zurückkehren konnte.

Heute tritt Pavlovic wieder in der Sparkassen-Arena an – ohne mulmiges Gefühl. „Verletzungen gehören zum Sport dazu. Es hätte mir auch in jeder anderen Halle etwas passieren können“, betont der 26-Jährige. Er schaut nur noch nach vorn.

Wenn die Zeit in Kiel für etwas gut war – dann für die Freundschaft zu THW-Superstar Domagoj Duvnjak. Jeden Tag kam „Dule“, wie die Kollegen den Kieler Regisseur rufen, für ein paar Stunden zu Pavlovic ans Krankenbett. „Wir haben viel geredet. Das war richtig gut“, erinnert sich der Mann mit der Rückennummer 94. Schon direkt nach dem Spiel hatten Duvnjak und Melsungens Kreisläufer Marino Maric die Freundin von „Domba“ am Telefon informiert und getröstet.

Wenn sich das kroatische Trio heute Abend in der Halle begrüßt, dann wird ihr letztes gemeinsame Kaffeetrinken noch gar nicht lange zurückliegen. Da die MT bereits am Mittwoch in Richtung Ostsee aufgebrochen ist, hatten sie schon ein lockeres Treffen ins Auge gefasst – praktisch die Fortsetzung des Austauschs aus der vergangenen Woche. Pavlovic, Duvnjak und Maric mussten mit der Auswahl Kroatiens zweieinhalb Monate vor der EM in Österreich, Schweden und Norwegen zwei knappe Niederlagen gegen Deutschland hinnehmen.

„Es war dennoch eine gute Lehrgangswoche, wir haben hart trainiert. Alle Nationalspieler werden jetzt allerdings noch etwas müde sein“, erklärt Pavlovic, der speziell beim Test-Länderspiel in Zagreb aufhorchen ließ und immerhin drei Tore erzielte. Beim zweiten Aufeinandertreffen am vergangenen Samstag in der Arena in Hannover kam der dynamische Domba nur kurz vor der Pause zum Einsatz. Was es ihm jetzt etwas leichter macht, den Fokus auf das heutige Top-Ereignis zu richten.

„Mit unserer aggressiven Abwehr haben wir auch gegen den THW eine Chance“, betont Pavlovic. Die Freundschaft zu Domagoj Duvnjak wird für 60 Minuten ruhen müssen.

Dauerbrenner und Debütant

MT-Torwart Johan Sjöstrand

Für den einen ist ein Spiel in Kiel fast das Normalste auf der Welt, für den anderen eine Premiere. Während Melsungens Torwart Johan Sjöstrand als früherer THW-Profi unzählige Auftritte in der Sparkassen-Arena (vormals Ostseehalle) hatte, kennt sein MT-Kollege Roman Sidorowicz den Handball-Tempel am Europaplatz bislang nur aus dem Fernsehen. 

„Ich habe schon gehört, dass die Stimmung ganz speziell ist“, sagt der Schweizer vor seinem Premieren-Einsatz in Kiel schmunzelnd. Als „Sido“ im Dezember 2018 aus Winterthur nach Melsungen wechselte, hatten die Nordhessen bereits in Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt gespielt – und zweimal verloren: zuerst in der Liga (20:37) und dann im Pokal (19:31). 

Roman Sidorowicz, Melsunger Rückraumspieler 

Falls Sidorowicz etwas nervöser sein sollte als sonst, lohnt ein Gespräch mit Dauerbrenner Sjöstrand. Der Torhüter stand nicht nur von 2013 bis 2015 im Kasten des Rekordmeisters, sondern hatte auch schon mit einer Gastmannschaft seine Erfolgserlebnisse in der Arena. Als er in der Champions League mit dem FC Barcelona in Kiel antrat, feierte er ein Unentschieden und einen Sieg. Seitdem er aber für die MT aufläuft, setzte es an der Ostsee durchweg Niederlagen. 

„Man weiß ja nie, was noch alles passiert. Aber wahrscheinlich wird am Donnerstag mein letztes Bundesliga-Spiel in Kiel sein“, erklärt der 32-Jährige. Nach dieser Saison wechselt der Schwede zum dänischen Klub Bjerringbro-Silkeborg. Ein Erfolg gegen den THW wäre auf jeden Fall ein Höhepunkt in seiner Melsunger Abschiedssaison: „Wir haben in Balingen zwei wichtige Zähler verloren. Irgendwann müssen wir uns diese Punkte mal zurückholen – und ein Sieg in Kiel würde uns zwei Bonuspunkte bringen.“

Tabelle und Taktik

Wer zu spät kommt, den bestraft der THW. Zuletzt zeichneten sich die Kieler Handballer vor allem dadurch aus, dass sie schon in der Anfangsviertelstunde für klare Verhältnisse sorgten. Die Melsunger sind gewarnt. 

„Wir müssen einen guten Start hinlegen und den THW sofort unter Druck setzen“, sagt MT-Trainer Heiko Grimm vor dem Kräftemessen mit dem Tabellennachbarn. Er spricht sogar von einer Standortbestimmung. Und Kapitän Finn Lemke ergänzt: „Wir dürfen die Kieler nicht in ihre Wohlfühlzone kommen lassen.“ Das setzt voraus, dass die Nordhessen genauso leidenschaftlich verteidigen wie bei den Heimsiegen gegen den SC Magdeburg und die Rhein-Neckar Löwen. Dabei braucht es keine besondere Leistung. „Unsere Systeme sind gefestigt. Wir müssen es nur hinbekommen, auf höchstem Niveau zu agieren“, erläutert Grimm.

 Denn die Hausherren sind auf allen Positionen hervorragend besetzt – auch wenn zurzeit Steffen Weinhold verletzungsbedingt fehlt. Am Kreis teilen sich mit Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler zwei deutsche Nationalspieler die Arbeit. Das Duo hält zudem die Deckung zusammen. Kiel stellt auch gern mal offensiv auf. Darauf müssen sich Melsungens Stratege Lasse Mikkelsen und seine Nebenleute Julius Kühn und Kai Häfner einstellen. 

Bei einem Sieg würde die MT ihren Platz in der Spitzengruppe untermauern. „Wir wollen uns da oben festsetzen. Es ist wichtig, dass wir nach der Pause wieder Fahrt aufnehmen“, betont Lemke. Die Tabellenkonstellation vor dem Topspiel interessiert den Hünen aber nicht wirklich: „Vor 2020 brauchst du da nicht hinzugucken."

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