Volle Pulle – oder besser nicht?

MT Melsungen tritt vor wichtigem Rückspiel im Europapokal in Minden an

Szene aus dem Hinspiel in der Rothenbach-Halle: MT-Linksaußen Michael Allendorf (rechts) gibt Vollgas und versucht Mindens Helge Freimann abzuschütteln. Foto:  Fischer

Kassel. Bundesliga. Europapokal. Bundesliga. Europapokal. Die Handballer der MT Melsungen spulen derzeit ein ordentliches Programm ab.

Vier Tage nach dem Viertelfinal-Hinspiel in Frankreich treten die Nordhessen am heutigen Mittwoch bei GWD Minden an (19 Uhr). Und bereits am Samstag steigt in der Kasseler Rothenbach-Halle das so wichtige Rückspiel gegen St. Raphael Var HB. Angesichts der Bedeutung dieser Partie und der Terminhatz stellt sich die Frage: Sollte die MT in Minden Kräfte schonen und einigen Leistungsträgern ein Päuschen gönnen?

Was dafür spricht

1. Die Tabellenkonstellation: Die MT steht im gesicherten Mittelfeld. Das Thema Abstieg ist abgehakt. Von daher müssen die Nordhessen in der Kampa-Halle nicht bis in den roten Bereich gehen. Abgesehen von Routinier Nenad Vuckovic hat Michael Roth keine Ausfälle zu beklagen – „alle sind hergestellt“, sagt der MT-Trainer. Das soll auch so bleiben.

Der 36 Jahre alte Serbe muss zwar nicht operiert werden, an der gebrochenen Hand trägt er jetzt einen Gips. Trotzdem: Vuckovic wird sechs Wochen nicht spielen können. Damit absolvierte er an der Côte d’Azur sein letztes Spiel im MT-Trikot. Die Verletzung bedeutet zugleich, dass nur noch Patrik Fahlgren und Timm Schneider als Regisseure infrage kommen. Da darf nicht viel passieren.

2. Das Rückspiel: Die Partie gegen St. Raphael ist das wichtigste Spiel der Saison. Der kürzeste Weg, um auch im nächsten Jahr international vertreten zu sein, führt über den Europapokal. Als Sieger des EHF-Cups könnte die MT eine neuerliche Teilnahme fix machen. Um erst mal ins Halbfinale einzuziehen, müssen die Nordhessen einen Vier-Tore-Rückstand aufholen.

Dafür muss der Akku aufgeladen sein. Einigen Stammkräften könnte Roth gegen Minden daher eine längere Verschnaufpause gönnen. Das Risiko wäre überschaubar. Männer aus der zweiten Reihe wie Arjan Haenen, Dener Jaanimaa und Jeffrey Boomhouwer haben bewiesen, dass sie in die Bresche springen können.

3. Das Beispiel Kiel: Der Rekordmeister legt in der entscheidenden Phase der Saison den Fokus nur auf die ganz wichtigen Spiele. So bündelte der THW die Kräfte für den Erfolg im DHB-Pokal und feierte in der Champions League einen respektablen Hinspielerfolg gegen Barcelona. Von Kiel lernen, heißt vom Champion lernen.

Was dagegen spricht

1. Die Tabellensituation: Der Blick auf die Bundesliga-Tabelle verrät: Theoretisch ist der sechste Platz in Reichweite, und der könnte unter Umständen zur Teilnahme am internationalen Geschäft berechtigen. Ein Schongang in Minden wäre daher fahrlässig, wie Roth sagt: „Wir haben nichts zu verschenken und werden die Partie volle Pulle angehen.“

2. Der Wettkampfmodus: Zwei, drei Gänge herunterzuschalten, wäre zudem fahrlässig, weil die Gefahr besteht, den Hebel nicht schnell genug wieder umlegen zu können. Insofern sollte die MT Melsungen die Schlagzahl hochhalten und im Wettkampfmodus bleiben. Zumal sich die Handballer inzwischen an den Rhythmus der englischen Wochen gewöhnt haben sollten. Merke: Ein hohes Level zu halten, zehrt meist weniger an den Kräften, als sich nach einer Auszeit wieder auf 100 Prozent hochfahren zu müssen.

3. Die Fans: Nicht zuletzt wären da die Anhänger. Trotz durchwachsener Leistungen unterstützen die Fans den Handball-Bundesligisten in dieser Saison phänomenal. Auch bei Auswärtsspielen waren sie dabei. Das wird in der Region Ostwestfalen-Lippe nicht anders sein. Den Fans sind es die Profis schuldig, auch heute das MT-Motto umzusetzen: 60 Minuten Vollgas.

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