Melsunger Handballer heute im Europapokal in Lissabon

Nach MT-Pleite gegen Stuttgart: Saurer Manager, verärgerte Fans

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Rat- und fassungslos: Die Melsunger Profis Marino Maric (vorn mit Trikot über dem Kopf), Roman Sidorowicz (links) und Kapitän Finn Lemke. 

Am Samstagnachmittag gastiert die MT Melsungen im Europapokal bei Benfica Lissabon. Der Handball-Bundesligist hat aber zuvor noch die Pleite gegen den TVB Stuttgart zu verarbeiten. 

Als die letzten fünf Minuten anbrachen, hatten sich die Zuschauerreihen in der Kasseler Rothenbach-Halle schon deutlich gelichtet. Es war dann teilweise so leise auf den Rängen, dass jede Unmutsbekundung der verbliebenen Besucher deutlich zu hören war. 

Verdenken konnte man es den Fans nicht, dass sie der Melsunger Bundesliga-Mannschaft in der Schlussphase des Spiels gegen den TVB Stuttgart die Unterstützung verweigerten. Die MT war eine riesige Enttäuschung – das 21:26-Desaster die logische Folge.

„Ich bin stinksauer“, sagte Manager Axel Geerken, „weil ich nicht verstehe, wie wir uns nach dem guten Auftakt in den zweiten Saisonteil jetzt so präsentieren können.“ Sein Ärger war auch insofern nachvollziehbar, als sich das Team nach der 28:31-Pleite am 12. Dezember in Stuttgart und einer weiteren Krisensitzung über eine Zielsetzung für den Rest dieser Spielzeit einig war: keine Aussetzer mehr.

Nun hat das Rückspiel gegen die Stuttgarter die Situation der Melsunger verschärft. Die Profis hatten nicht die beste Laune, als sie am Freitag um 10 Uhr mit mehr als 120 Fans vom Airport Kassel nach Lissabon flogen – dort geht es heute ab 17.15 Uhr (deutsche Zeit/live bei Dazn) im Europacup gegen Benfica.

Brachte seinen Ärger klar zum Ausdruck: MT-Manager Axel Geerken. 

Geerken sagt: „Wir sprechen jetzt wieder über mangelnde Intensität und die Form einzelner Spieler.“ Ein Lob hatte der Manager nur für die Zuschauer übrig, die „uns trotzdem noch lange fair unterstützt haben trotz dieser schlechten Leistung.“ Ähnlich klare Worte fand MT-Trainer Heiko Grimm: „Wir waren 60 Minuten chancenlos. Ich muss mich für unsere Nicht-Leistung entschuldigen.“ Es sagt viel über die Vorstellung einer Mannschaft aus, wenn ein 39-Jähriger, erst am Spieltag nachverpflichteter Christian Zeitz seine Widersacher mit ein, zwei Drehungen abhängt.

Die Probleme der Nordhessen lagen aber vor allem im Angriff. Lasse Mikkelsen, Julius Kühn und Kai Häfner ging jegliche Durchschlagskraft ab. Abschlüsse aus dem Rückraum? Erschreckend schwach. „Melsungen hatte einen schlechten Tag, wir waren aber immer auch schon bei neun Metern an den Angreifern dran“, bilanzierte TVB-Coach Jürgen Schweikardt, dessen Mannschaft nun zum vierten Mal in Folge gegen die MT gewann.

Tatsächlich schafften es die Gastgeber ganz selten, sich klare Chancen zu erarbeiten. „Wir haben vorn die volle Härte der Verteidiger zu spüren bekommen und am eigenen Kreis selbst nicht hundertprozentig dagegengehalten“, resümierte Stefan Salger, „das war in allen Bereichen zu wenig.“

So wenig Tore wie am Donnerstag warfen die Melsunger zuletzt am ersten Spieltag bei der 19:24-Heimniederlage gegen Meister Flensburg-Handewitt. „Die Stuttgarter haben uns ihr Spiel aufdiktiert“, erklärte Kapitän Finn Lemke gefrustet. Torwart Bitter wurde zudem mit 18 Paraden zum Schreckgespenst der Offensivkräfte.

Eigentlich müssten die Melsunger die Pleite umfangreich aufarbeiten. Doch die Zeit dafür haben sie ebenso wenig wie für eine ausgiebige Regeneration. Nach der Ankunft in Portugal gab’s noch ein Videostudium und eine Übungseinheit. Bereits heute stehen die Nordhessen im EHF-Cup unter Druck. Mit dem verletzten Felix Danner sowie den erkrankten Michael Allendorf und Timm Schneider fallen drei Akteure aus, die bei der 24:26-Niederlage vor drei Jahren in Lissabon dabei waren.

Benfica ist für seine Heimstärke gefürchtet. Noch dazu konnte sich der Dritte der portugiesischen Liga fast eine Woche auf die Partie einstimmen. Die Melsunger hatten dagegen nicht einmal 48 Stunden zur Erholung.

Bittere Niederlage: Die MT Melsungen hat im EHF-Cup auch das Spiel gegen Benefica Lissabon mit 26:29 verloren - Kapitän Finn Lemke war mit Grippe ausgefallen.

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