Einkleiden, Fotos, Videos, Laufanalysen

Vorbereitung der MT Melsungen: Saison-Auftakt mit Friseur und Ständchen

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Neu eingekleidet: Neuzugang Julius Kühn (links) erhält von Markus Groß (MT) seine persönliche Ausrüstung.

Um Punkt 8 Uhr war am Mittwoch für die Handballer der MT Melsungen der Urlaub vorbei. Nach vier Wochen Sommerpause traf sich der Bundesligist in der Kasseler Rothenbach-Halle und erlebte einen straff durchgetakteten Vormittag.

Jeder Spieler bekam seine Ausrüstung. Darüber hinaus standen Foto- und Videoaufnahmen sowie eine Laufanalyse auf dem Programm. Sogar ein Friseur war da, um die Handballer herzurichten. 

Die Spielstätte der MT Melsungen glich einem Parcours, und die Akteure mussten nach striktem Zeitplan die einzelnen Stationen aufsuchen. Zum Auftakt gab’s aber erst einmal ein Ständchen. Während der Aufnahmen fürs Gruppenbild sangen die MT-Spieler für Arjan Haenen – der Rechtsaußen wurde am Mittwoch 30 Jahre alt. 

Fotos ohne Ende

Bei der Arbeit: Mizar Khamis (links) stylt MT-Spieler Philipp Müller.

Bei Mizar Khamis waren die MT-Profis in guten Händen. Bevor es zum Foto-Shooting ging, bekamen sie erst mal die Haare und den Bart in Form gebracht. Schließlich wurden Fotos ohne Ende geschossen: fürs Mannschaftsbild, für Autogrammkarten, für Plakate und Werbebanner, für Facebook, Instagram und die MT-Homepage. Dazu verlangt die HBL spezielle Formate: Ein Foto ab der Hüfte aufwärts mit den Armen auf dem Rücken, ein Ganzkörperbild, auf dem der Spieler leicht seitlich mit der Schulter nach vorn in die Kamera blickt sowie ein Aktionsbild. Außerdem wurden Videosequenzen aufgenommen. 

Auch dabei war die MT in guten Händen. Ab dieser Saison arbeitet sie mit der Kasseler Agentur SXCES (gesprochen wie das englische success) zusammen. Deren Vorstand Hartmut Brüchert erklärt: „Wir shooten für das gesamte Jahr vor.“ Sowohl auf den Fotos als auch in den Videoclips soll dabei einerseits die Bodenständigkeit der MT herübergebracht und andererseits Dynamik, Emotionen und Stärke transportiert werden. Die Fans dürfen sich darauf freuen. Sicher ist: Die MT-Spieler waren bestens gestylt.

Auf dem Laufband: Defiziten auf der Spur

Wird analysiert: Timm Schneider.

Ein bisschen sportlich wurde es dann doch. Die MT-Handballer mussten für eine Analyse aufs Laufband. „Wir versuchen, muskuläre Defizite zu entdecken und mögliche Dysbalancen auszugleichen“, sagt Markus Schott von Schott-Orthopädie/myVale aus Homberg.

Spannend war das. Mithilfe eines speziellen Computerprogramms kamen die Daten direkt auf einen Monitor. Fußabdrücke, Fehlstellungen in der Hüfte, Belastung im Knie – alles wurde ausgewertet. Und falls ein Spieler nicht rund lief, erhielt er prompt Korrekturen von den Experten. Nach dem Motto: Wie muss der Sportler seine Haltung ändern, damit der Laufstil gesünder und ökonomischer wird?

Im Fall von Timm Schneider, der die Analyse sichtlich spannend fand, entschieden sich die Orthopäden für Einlagen. Na dann: Die Saison-Vorbereitung kann starten.

Julius Kühn kennt das Prozedere

Recht ruhig verlief der Vormittag für Axel Geerken. Der MT-Manager hatte sich in der Rothenbach-Halle neben dem Spielfeld eingerichtet, dort, wo sonst die Zeitnehmer der Handball-Bundesliga (HBL) sitzen. Vor ihm ein Laptop, daneben ein Drucker. Er würde nur ein paar Daten der Neuzugänge aufnehmen, erklärt Geerken. Sozialversicherungsnummer. Steueridentifikationsnummer. So etwas eben. „Der eine oder andere will ja auch Geld verdienen“, sagt er mit einem Lächeln auf den Lippen.

Immerhin musste der Manager die Daten von fünf Neuen eintragen: von Torwart Nebojsa Simic, Mittelmann Lasse Mikkelsen, Rechtsaußen Tobias Reichmann und von den linken Rückraumspielern Finn Lemke und Julius Kühn – auch für sie bestand der Vormittag aus einem Stationenlauf. Damit sie zur rechten Zeit am richtigen Ort waren, spickten sämtliche MT-Spieler zwischendurch auf Zettel in ihren Händen. Jeder hatte seinen Stundenplan. Erst Gruppenfoto, dann Video, danach, Einzelfotos, später Laufanalyse – „am Anfang müssen halt viele organisatorische Dinge erledigt werden“, sagt Kühn. Ein ähnliches Prozedere kenne er aus Gummersbach.

MT Melsungen - der Kader der Saison 2017/2018

Seine neue Montur inklusive Trikot mit der Nummer 5 hatte der 24-Jährige bereits erhalten. Direkt vor der MT-Kabine lagen in Reih und Glied die Sporttaschen und Trolleys mit der Ausrüstung aller Spieler. Trainings- und Ausgehklamotten, Polo-Shirts, Badelatschen und, und, und. „Auch das Einkleiden gehört dazu“, sagt Kühn über den ersten Programmpunkt des Tages.

Natürlich gab es zwischendurch die Gelegenheit für ein Schwätzchen. Im Foyer der Rothenbach-Halle bedienten sich die Profis während ihrer Wartezeit an einem kleinen Buffet – Croissants, belegte Brötchen und Kaffee standen zur Auswahl. „Schade, dass der Urlaub schon vorbei ist“, sagt Michael Müller. Früher hätten sie sechs statt wie jetzt vier Wochen frei gehabt. Aber er freue sich, die Jungs wiederzusehen. Dann ein kurzer Blick auf seinen Zettel – und der MT-Kapitän verschwand zur nächsten Station.

Früh ins Bett und früh raus

Stärkung nach dem Foto-Shooting: Pressesprecher Bernd Kaiser, Tobias Reichmann, Jeffrey Boomhouwer und Felix Danner müssen sich demnächst auf andere Tagesabläufe einstellen.

Bislang stehen zwar nur die Termine für die ersten vier Bundesliga-Spieltage fest. Zwei Auftritte der MT Melsungen zu ungewohnter Anwurfzeit am Sonntag ab 12.30 Uhr sind bereits fix: beim TV Hüttenberg (3. September) und in eigener Halle gegen den THW Kiel (10. September). Um bestmöglich darauf eingestellt zu sein, wollen die Melsunger schon in der Vorbereitung den Tagesablauf anders gestalten – in enger Absprache mit den Mannschaftsärzten Dr. Gerd Rauch und Dr. Bernd Sostmann sowie Physiotherapeutin Jenny Bajerke.

„Wir werden einige Situationen simulieren“, erläutert Michael Roth, „so soll es während des einen oder anderen Turniers ab 10 Uhr anstelle eines Frühstücks ein Brunch geben.“ Der Trainer kann der neuen Anwurfzeit durchaus einiges Positives abgewinnen: „Ich trainiere mit meinen Teams am liebsten vormittags, denn dann sind auch die Profis am leistungsstärksten.“

Das Abschlusstraining vor einem Spiel wird künftig nicht mehr am Nachmittag, sondern zur Ansetzung passend schon um 12.30 Uhr stattfinden. Zudem wird die Mannschaft zu jedem Auswärtsspiel am Vortag aufbrechen – sogar zur Begegnung beim TV Hüttenberg wird dies so sein, obwohl die Anreise eher zu den kürzeren im MT-Kalender gehört. „Die Spieler“, betont Roth, „müssen nun am Abend vor einem Spiel früher ins Bett und am nächsten Morgen früher raus.“ Ein Feierabendbier habe da keinen Platz mehr.

Dadurch, dass die Wochenenden demnächst komplett verplant sind, müssen die Spieler einige Entbehrungen in Kauf nehmen. „Wenn Ehefrau oder Partnerin berufstätig ist, ist solch eine Situation natürlich Gift für das Privatleben“, bedauert Linksaußen Michael Allendorf.

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