Heinevetter kritisiert Geerken

MT Melsungen: Zwischenspurt bringt den Sieg in Leipzig

Kaum zu stoppen: Melsungens Andre Gomes (oben) lässt sich von Leipzigs Alen Milosevic nicht aufhalten.
+
Kaum zu stoppen: Melsungens Andre Gomes (oben) lässt sich von Leipzigs Alen Milosevic nicht aufhalten.

Die MT Melsungen hat ihre Auswärtsserie ausgebaut. Nach einem holprigen Start gewann der Handball-Bundesligist am Ende doch noch 26:22 (12:12) beim SC DHfK Leipzig und blieb auch im fünften Pflichtspiel in dieser Saison in fremder Halle ungeschlagen. Wie es dazu kam, verrät der Schnellcheck.

Vorab: Vor welcher Kulisse in der Quarterback-Arena spielten die Teams?

2640 Fans waren in der Halle, es galt die 2G-Regel und FFP2-Maskenpflicht – auch auf den Sitzplätzen. Unter den Zuschauern war mit Hans-Joachim Ursinus ein ehemaliger DHfK-Spieler und früherer Zweitliga-Trainer der MT. Für die Leipziger war es das vorerst letzte Heimspiel vor Publikum. Ab heute sind in Sachsen aufgrund der angespannten Corona-Situation nur noch Geisterspiele im Profisport erlaubt – bis mindestens zum 12. Dezember.

Waren denn die Kapitäne an Bord?

Melsungens Kai Häfner musste gegen Stuttgart wegen einer Oberschenkelzerrung verletzt raus, war in Leipzig aber wieder dabei. Und er begann sogar im Rückraum zusammen mit Andre Gomes und Elvar Örn Jonsson. Im Tor ließ MT-Trainer Roberto Garcia Parrondo den zuletzt überragenden Silvio Heinevetter starten, am Kreis Arnar Freyr Arnarsson und auf den Außen Timo Kastening und Yves Kunkel. Der Leipziger Kapitän Alen Milosevic gab nach seiner Sprunggelenksverletzung sein Comeback.

Jetzt aber rein ins Spiel: Wie fand die MT in die Partie?

Ganz schwach. Das belegen auch die nackten Zahlen: Erst in der achten Minute erzielte Gomes den ersten MT-Treffer. Die Leipziger führten erst 3:0 (7.), dann 5:1 (11.) – dafür sorgten zwei Tempogegenstöße und drei Tore von Marko Mamic aus dem Rückraum. Und die MT? Die leistete sich in der Anfangsphase einige technische Fehler und Fehlwürfe. Parrondo nahm in der zwölften Minute seine erste Auszeit.

Brachte denn die Unterbrechung des MT-Trainers etwas?

Zunächst blieben die Melsunger unkonzentriert, lagen sogar 3:8 (16.) zurück. Sie durften sich bei Heinevetter bedanken, der sein Team in dieser Phase im Spiel hielt. Sein gehaltener Siebenmeter gegen Lucas Krzikalla war seine vierte Parade. Dann steigerten sich aber seine Vorderleute, die Abwehr hatte den Leipziger Rückraum nun besser im Griff. Die Melsunger machten jetzt kaum noch Fehler, dafür leisteten sich diese nun die Hausherren. Ein 3:0-Lauf von Jonsson (2), und Kai Häfner brachte die Nordhessen auf 6:8 (20.) heran. Nach der direkt folgenden Auszeit der Leipziger ließ Parrondo fortan bis zur Pause mit sieben Feldspielern angreifen – und das ging auf. Gomes, Julius Kühn und Marino Maric trafen bis zur Pause jeweils noch zweimal und sorgten für den 12:12-Halbzeitstand.

Erwischte die MT in der zweiten Halbzeit einen besseren Start?

Aber ja. Kühn schnappte sich gleich mal einen Leipziger Pass und sorgte für die erste Gästeführung (13:12, 32.). Erneut Kühn, Kastening und Gomes bauten diese auf 16:13 aus (36.). Dann ging es wild hin und her. Erst glich der SC zum 16:16 aus, dann zog die MT mit einem 4:0-Lauf auf 20:16 (45.) weg. Die Melsunger blieben in der Abwehr stabil, ließen in den ersten 22 Minuten der zweiten Hälfte nur fünf Gegentore zu. Auch weil Heinevetter spektakulär hielt. Am Ende standen zwölf Paraden auf seinem Konto, darunter drei Siebenmeter. Und im Angriff, wo die MT dann wieder mit sechs Spielern agierte, drehte der Rückraum auf. Vor allem Kühn spielte groß auf, sehenswert war besonders seine Einzelleistung zum 24:17 (54.) – sein achter Treffer. Nach dem tollen Zwischenspurt lag die MT auf Siegkurs. Plötzlich ließ die Konzentration nach, Leipzig verkürzte auf 22:24 (59.). Zwei Tore von Maric, der im Sommer zum SC wechselt, machten aber den Sieg perfekt.

Wie war die TV-Übertragung?

Bei Sky sorgte vor allem das Interview nach der Partie mit Heinevetter für Aufsehen, indem er die Klubführung kritisierte. Auf die Frage, ob er zufrieden damit sei, wie ihm mitgeteilt wurde, dass er nach der Saison gehen muss, sagte der Torhüter: „Im Handball ist es normal, dass es harte Entscheidungen geben muss. Aber als Spieler gibt es eins, was man erwarten kann: Das ist eine offene und vor allem ehrliche Kommunikation. Die war es bei Gott nicht. Es war einfach nicht ehrlich.“ Auf die Nachfrage, ob er das intern angesprochen hätte, sagte Heinevetter: „Ich habe es der Chefin (Barbara Braun-Lüdicke, Anm. Red.) und Axel Geerken ins Gesicht gesagt, dass ich menschlich enttäuscht bin von Axel Geerken.“ Und abschließend sagte der Keeper: „Ich will nicht zu sehr ins Detail gehen, aber wenn man einen anderen Torhüter verpflichtet hat und den anderen über Wochen und Monate bei Laune hält und mit ihm verhandelt, dann ist das nicht die feine englische Art.“
(Manuel Kopp)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.