Handball-Bundesligist noch enger zusammengerückt

36:29 in Hannover: MT Melsungen überzeugt durch Trotzreaktion

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Feiern den Sieg in Hannover: die Spieler der MT mit (von links) Simon Birkefeldt, Dimitri Ignatow, Domagoj Pavlovic, Yves Kunkel, Philipp Müller, Lasse Mikkelsen, Michael Allendorf, Marino Maric, Nebojsa Simic, Felix Danner und Johan Sjöstrand. 

Der Auftritt der MT Melsungen in der Handball-Bundesliga bei der TSV Hannover-Burgdorf brachte einige wichtige Erkenntnisse. 

Es war eine dieser Halbzeiten, nach der Statistiker sofort alle möglichen Quellen anzapfen. Wann hat die MT Melsungen zum letzten Mal 22 Tore in der ersten Hälfte geworfen? Wie oft gelang es einer Mannschaft überhaupt schon mal in der Handball-Bundesliga, 22 Treffer bis zur Pausensirene zu erzielen

Der 36:29-Sieg der Melsunger bei der TSV Hannover-Burgdorf war aber längst nicht nur wegen der 22:15-Halbzeitführung bemerkenswert. Was am Sonntagmittag in der Tui-Arena aus MT-Sicht besonders auffiel:

Die Torausbaute im ersten Abschnitt: Sage und schreibe 22 Mal trafen die Nordhessen in den ersten 30 Minuten. Ob aus gebundenem Spiel oder aus der ersten und zweiten Welle – fast jeder Abschluss war von Erfolg gekrönt. Und das, obwohl mit Julius Kühn (Kreuzbandriss) der Torjäger fehlte und auch Michael Müller und Timm Schneider verletzt nicht zur Verfügung standen. „Wir haben mit einer gewissen Lockerheit gespielt“, lobte Torwart Johan Sjöstrand das Team. Trainer Heiko Grimm sprach nach der Vorstellung von „Coolness“.

Das letzte Mal, dass der Melsunger Angriff eine vergleichbare erste Halbzeit hinlegte, war 2007: Da führte die MT zur Pause 22:21 gegen Flensburg, unterlag aber am Ende noch 40:47. Das waren aber andere Zeiten. Da war die Belastung für die Teams noch nicht so hoch. 

Als Kiel noch die klare Nummer eins in Deutschland war und Nikola Karabatic die Liga begeisterte, gewann der THW sogar mal 54:34 (24:19) gegen Magdeburg – das war in der Saison 2005/2006. Zu Beginn des aktuellen Kalenderjahres ließen die Rhein-Neckar Löwen mal mit einer 23:7-Pausenführung gegen Lemgo aufhorchen.

Die Trotzreaktion: „Wir sind in kleiner Gruppe noch enger zusammengerückt“, erklärte Grimm erfreut. Zu einer Teamsitzung am Freitag hatte der Trainer auch Kühn, der voraussichtlich heute in Straubing operiert wird, eingeladen, und der Nationalspieler kam nach Melsungen. So konnte er sich von seinen Kollegen verabschieden – und die von ihm. Grimm nutzte das Treffen aber auch, um sein Team einzuschwören. „Die Situation ist scheiße“, sagte der Handball-Lehrer seinen Spielern, „doch wir wollen das Beste draus machen. Und es ergeben sich Chancen für die Mitstreiter.“

Tatsächlich sprangen Kühns Kollegen in die Bresche: Finn Lemke war eiskalt bei Kontern, Domagoj Pavlovic sorgte für Druck im Positionsangriff und Simon Birkefeldt erwies sich auf Halbrechts als sicherer Distanzschütze. Speziell mit Lemke hatte Grimm zuvor viel gesprochen. „Wenn Finn die Chance sieht, dann soll er auch mit Entschlossenheit zum Tor ziehen“, sagte der Coach. Das tat der Hüne auch: sechs Treffer bei sechs Versuchen.

Der Chef im Ring: Lasse Mikkelsen war zum dritten Mal in Folge ein umsichtiger Spielgestalter – aber nicht nur das: Der Däne musste nun auch in der 6:0-Deckung ran. So wie er diese Rolle auch einst beim dänischen Spitzenklub Skjern mit Leben ausfüllte, machte er nun Kühns Ausfall in der Abwehr nahezu vergessen.  „Ich mag es, wenn ich Abwehr spielen und den Gegenstoß einleiten kann“, erklärte Mikkelsen zufrieden.

Die Umstellung im Tor: In den drei vorangegangenen Partien war Nebojsa Simic erste Wahl – nun rückte Johan Sjöstrand zwischen die Pfosten. „Simo hatte wegen Länderspieleinsätzen zwei Wochen nicht mit dem Team trainiert, und Johan kann mit solch einer schwierigen Personalsituation ganz cool umgehen“, erläuterte Grimm seinen Entschluss.

Eineinhalb Stunden vor dem Anwurf informierte er Sjöstrand über seine Startbesetzung – und der Routinier, der schon in der Vergangenheit gegen Hannover starke Leistungen zeigte, enttäuschte den Trainer nicht. Im Gegenteil: Der Ex-Kieler überzeugte nicht nur wegen drei gehaltener Siebenmeter. „Mit etwas Glück hätte ich noch sieben, acht Bälle mehr halten können“, sagte Sjöstrand bescheiden.

Doch auch so zog der Keeper eine erfreuliche Bilanz: „Jetzt gehen wir mit einem guten Gefühl ins nächste Spiel.“ Am Samstag ab 20.30 Uhr erwartet die MT in der Kasseler Rothenbach-Halle die Eulen aus Ludwigshafen.

Wir haben die Stimmen zum Spiel der MT Melsungen hier zusammengefasst. 

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