„Ruckzuck bist du wie im Rausch“

Samstagsinterview: MT-Stratege Michael Müller erklärt jüngste Erfolge

Blickt gespannt den kommenden Aufgaben entgegen: Melsungens Michael Müller. Foto:  Fischer

Kassel. Es wird ernst. Die Handballer der MT Melsungen müssen in den nächsten Wochen beweisen, dass sie nicht nur zu den besten Teams Deutschlands, sondern auch in Europa zählen.

Los geht es am Dienstag ab 19 Uhr in Mannheim mit dem Bundesliga-Duell gegen die Rhein-Neckar Löwen. Kurz darauf steht das Viertelfinal-Hinspiel im EHF-Cup bei Skjern Handbold (Samstag, 11. April, 15 Uhr) an. Wir sprachen mit MT-Stratege Michael Müller, der diese Woche zusammen mit Zwillingsbruder Philipp seinen Vertrag bei Melsungen vorzeitig bis 2018 verlängerte.

Herr Müller, wissen Sie schon, was Sie Ostern machen? 

Michael Müller: Also Samstag ist Training. Der Sonntag gehört dann der Familie. Vielleicht kommt meine Freundin aus Hamburg zu Besuch, vielleicht fahre ich auch zu meiner Schwester und ihren Kindern.

An Ostersonntag schaut Handball-Deutschland nach Kiel. Inwieweit beschäftigen Sie sich mit dem Bundesliga-Gipfel zwischen dem THW und den Rhein-Neckar Löwen? 

Müller: Wir spielen zwei Tage später gegen die Löwen. Schon deshalb werde ich mir das Spiel ansehen. Aber auch, weil es das wohl entscheidende Spiel um den Titel sein wird.

Sie und Ihre Kollegen hatten in der Karwoche keinen Einsatz und bekamen von Trainer Michael Roth drei Tage frei. Wie haben Sie diese Zeit genossen? 

Müller: Sehr. Nach dem Spiel in Friesenheim sind mein Bruder und ich noch in Heidelberg geblieben, um mit einigen Freunden abends wegzugehen. Danach bin ich noch zu meiner Freundin gefahren. Nach den vielen Reisen mit dem Team war es auch mal ganz schön, die Pappnasen nicht zu sehen.

Durch die WM hatten Sie keine wirkliche Pause, werden jetzt aber trotzdem immer stärker. Wie geht das? 

Müller: Ich habe in Katar relativ wenig gespielt und war auch mit meiner Leistung nicht zufrieden. Deswegen lief es nach der Weltmeisterschaft anfangs auch nicht rund bei mir. Mir fehlte das Selbstvertrauen. Jetzt fühle ich mich wohl und freue mich auf jedes Spiel.

Es passt ins Bild, dass Sie und Ihr Bruder Philipp den Vertrag bei der MT verlängert haben. 

Müller: Wir fühlen uns hier in Kassel und Melsungen sehr wohl – der Verein, das Umfeld, es passt einfach insgesamt.

Auch das Team wirkt stabil. Im März gab es nur eine Niederlage beim Europacup in Schweden. Das Geheimrezept? 

Müller: Bei uns steht und fällt alles mit der Abwehr- und Torwartleistung. Wenn es in den Bereichen passt, laufen wir sieben bis zehn Tempogegenstöße. Und die Abwehr steht gut. Zudem hält Mikael Appelgren sensationell. Die Niederlage in Eskilstuna war letztlich ein wichtiger Schuss vor den Bug. Insgesamt haben wir im EHF-Pokal einen guten Job gemacht. Ich muss zugeben, ich hatte davor ein bisschen Angst. Man weiß ja, wie schlecht es Hannover 2013 ergangen ist.

Bei den Erfolgen gegen Berlin und Lübbecke spielte sich das Team förmlich in einen Rausch. 

Müller: Das geht schnell. Du verteidigst gut, kriegst so die erhofften Konterchancen und machst die leichten Tore aus der zweiten Welle. Da wirst du in der Abwehr immer größer. Dann wächst die Euphorie, ist ein Gefühl voller Kraft. Ruckzuck bist du wie im Rausch.

Die Erwartungshaltung zu Beginn der Restrunde war schon groß. Nach Ostern folgen in zwei Wochen vier Knüller. Lastet jetzt noch mehr Druck? 

Müller: Absolut. Wir wollen den fünften Platz angreifen. Jetzt können wir zeigen, ob wir da vorn mitspielen können. Die Partie gegen Magdeburg ist richtungsweisend. Das Duell mit den Löwen ist ein anderes Thema, da sind wir nicht Favorit. Wir können jetzt viel gewinnen, aber auch viel verlieren. Ein Ausscheiden gegen Skjern wäre kein Genickbruch.

Aber ein Aus ist ja wohl kein Thema? 

Müller: Natürlich nicht. Ich war in anderen Wettbewerben schon bei einem Final Four dabei. Jetzt will ich auch das Turnier in Berlin erleben.

Der Ausfall von Spielmacher Patrik Fahlgren kommt da zur Unzeit, oder?

Müller: Da ich selbst einen Kreuzbandriss hatte, weiß ich, wie hart es ist, wenn man diese Diagnose erhält. Patrik war sehr stark und ist unser Lenker und Denker. Sein Fehlen ist schwer zu kompensieren. Wir müssen nun noch besser in der Abwehr spielen, um mehr Gegenstoß-Tore zu werfen.

Bereiten Sie sich schon auf einen Einsatz auf der Mitte vor? 

Müller: Unser Trainer kam schon auf die wahnwitzige Idee. Zunächst einmal haben wir mit Nenad Vuckovic einen guten Mittelmann. Aber es kann schon mal passieren, dass ich auf die Mitte-Position rücke. Allerdings ist auch ein System mit zwei Kreisläufern denkbar.

Am Tag nach Ostern wartet die Härteprüfung bei den Löwen. Was ist da möglich? 

Müller: Gegen Ex-Teams von mir bin ich immer noch etwas mehr motiviert. Es wird extrem schwer. Aber wir sind gut drauf. Für die Löwen ist es natürlich unglücklich, dass sie zwei Tage zuvor noch in Kiel ran müssen. Wir werden versuchen, diesen Umstand zu nutzen.

Wem drücken Sie am Ostersonntag die Daumen?

Müller: Das ist geheim.

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