Vor Ort im Trainingslager der Bundesliga-Handballer 

MT-Talent Gruber: Kloppo sorgt für Entspannung

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Zeit zum Ausruhen: Jona Gruber (vorn) liest die Biographie von Jürgen Klopp. Im Hintergrund die Kollegen Tomas Piroch und Glenn Eggert. 

Für Handball-Profis wie Finn Lemke und Julius Kühn von der MT Melsungen ist es das Normalste auf der Welt. Sie wissen, wie sich ein Trainingslager eines Bundesligisten anfühlt.

Nicht so Jona Gruber.  Drei junge Mitstreiter im MT-Team sammeln zurzeit in Esslingen ihre ersten Erfahrungen: die Rückraumtalente Gruber und Tomas Piroch sowie Torwarthoffnung Glenn Eggert. Wir haben Gruber während eines Trainingstages auf Schritt und Tritt begleitet.

„So ein Pensum kenne ich aus der Jugend nicht. Allerdings hätte ich gedacht, dass es mir schon schlechter gehen würde – noch ist es ertragbar“, sagt der 19-Jährige.

Der Start in den Tag

Auf Grubers Nachttisch liegt die Biographie von Fußball-Erfolgstrainer Jürgen Klopp: „Ich mag, wenn´s kracht.“ Das kleine Blatt Papier mit dem WLAN-Code vom Hotel Jägerhaus verrät, wie weit er schon mit dem Buch gekommen ist, das ihm sein Bruder Simon im Mai zum 19. Geburtstag geschenkt hast. Der Zettel steckt zwischen den Seiten des 13. Kapitels. An diesem Morgen aber bleibt keine Zeit zum Schmökern. Der neue Tag im Trainingslager steht an. Etwas Rührei, ein Brötchen mit Salami und Tomate, zum Abschluss etwas Joghurt – so stärkt er sich für die Übungseinheit am Vormittag.

Das erste Training

Nur einen weiten Torwartabwurf entfernt liegt die Esslinger Sporthalle Römerstraße - ein Trainingslager der kurzen Wege. Die Spieler sind für den ersten Programmpunkt des Tages in drei Gruppen eingeteilt. Um 10 Uhr sind Gruber und seine Kollegen an der Reihe. Neun Aufgaben im Bereich Prävention sind zu bewältigen – Trainer Heiko Grimm, seine Assistenten Arjan Haenen und Florian Sölter sowie die Physiotherapeuten Jenny Perlwitz (vor ihrer Hochzeit: Bajerke) und René Kagel überwachen den Ablauf. Gruber erreicht Haenens Station – das heißt: Sprung- und Liegestützübungen auf Tempo. „Jona ist genauso wie seine jungen Kollegen hoch motiviert. Das spürt man in jeder Sekunde“, lobt Grimm. Auch jetzt lässt Gruber nicht nach. Er mag halt auch, wenn’s kracht.

Die Erholung

Kein Tag ohne entsprechende Mittagspause. Für die Mannschaft wird in einem Nebenraum kräftig aufgetafelt. 4000 Kalorien verbraucht ein Spieler etwa am Tag mit der Trainingsarbeit – und die Verluste müssen kompensiert werden. Gruber entscheidet sich für Hähnchenbrust, Nudeln mit Hacksoße sowie Salat. Danach kann der Baunataler im Zimmer die Beine hochlegen. Und sich wieder Kapitel 13 widmen. „Einige lustige Stellen hat er mir in den vergangenen Tagen schon vorgelesen“, erzählt Zimmerkollege Eggert.

Das zweite Training

Bevor Gruber seine Position auf dem Feld einnehmen kann, muss er Betreuer Matthias Horn helfen: Wasserkisten schleppen, Spinning-Räder aus dem MT-Begleitfahrzeug ausladen, Medizinkoffer tragen. „Da mussten wir als junge Spieler auch alle mal durch“, sagt Lemke schmunzelnd. MT-Talent Gruber packt zusammen mit Eggert und Piroch kräftig an: Wir machen das gern.“

Als es nicht mehr um Wasserkisten, sondern um Spieltaktiken geht, hört Gruber genau hin. Heute heißt es: aus einer beweglichen 6:0-Abwehr mit Volldampf nach vorn. Für die Fachleute: zweite Welle verbessern. Gruber leitet einen Gegenstoß ein, über Timm Schneider und Felix Danner kommt der Ball zu Neuzugang Kai Häfner, Wurf, Tor. So soll es sein. Jeder mag halt, wenn’s kracht.

Der Abschluss

Eine gute halbe Stunde lässt Grimm den jungen Mittelmann beim Test in Leonberg spielen. Ein paar Tore, ein paar sehenswerte Anspiele – er hat es sich verdient, dass er nach dem Kantersieg fast genauso viele Autogramme schreiben muss wie die Lemkes und Reichmanns. Nach der Rückkehr zum Hotel in Esslingen verschwindet er direkt in seinem Zimmer im zweiten Stock. Sofort einschlafen kann er nicht. Er liest in seiner Bettlektüre weiter – im Kapitel 13.

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