Das erste Mal im Tempel

MT-Youngster Golla rückt bei Premierenspiel heute in Kiel in den Fokus

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Er weiß sich zu behaupten: Johannes Golla (links), hier gegen Lissabons Alexandre Cavalcanti).

Kassel/Kiel. Es geht in der Bundesliga gegen die HSG Wetzlar – und er spielt. Es geht im Handball-Europapokal gegen Benfica Lissabon – und er spielt.

Und wenn die Handballer der MT Melsungen heute ab 20.15 Uhr (ab 20.45 Uhr live bei Sport 1 und im Mixlr-Kanals von Radio HNA) beim Rekordmeister THW Kiel gastieren, dann ist Johannes Golla wieder nicht einfach nur dabei – er ist mittendrin.

Was für das MT-Talent etwas Besonderes ist, weil er zum ersten Mal die einzigartige Atmosphäre in der Kieler Sparkassen-Arena live erleben wird. Bislang kannte der Kreisläufer den Handball-Tempel nur aus Fernseh-Übertragungen. Die ehemalige Ostsee-Halle wird – wie fast immer – mit 10 250 Zuschauern ausverkauft sein. „Ich glaube, dass sich für jeden Spieler ein Traum erfüllt, wenn er dort mal spielt“, sagt der 19-Jährige.

Doch was macht Golla so wertvoll für die MT? Wie schafft er es, dass das Fehlen des Langzeitverletzten Marino Maric und und des zurzeit angeschlagenen Felix Danner nicht so ins Gewicht fällt?

Das Auftreten

„Als sich Marino wieder verletzt hat“, erklärt Michael Roth, „haben wir nicht eine Minute gedacht, noch einen Mann nachzuverpflichten. Johannes ist ehrgeizig und total wach im Kopf.“ Ein schöneres Kompliment kann ein Trainer seiner größten Nachwuchshoffnung im Team wohl nicht machen. Tatsächlich fügt sich der gebürtige Erbacher hervorragend ins Mannschaftsgefüge ein.

Sollte Danner (Rückenprobleme) auch heute noch fehlen, muss Golla an der Seite von Philipp Müller im Deckungszentrum agieren. Dies ist vor allem gegen einen Kontrahenten wie den THW Kiel, der mit Superstars wie Domagoj Duvnjak, Marko Vujin und Christian Dissinger im Rückraum operiert, eine Riesen-Herausforderung. Doch der Spieler mit der Nummer acht gibt sich gelassen: „Zu Beginn dieser Saison ging es aufs Feld, und gefühlt war das Spiel auch schnell wieder vorbei.“ Jetzt nimmt er das Geschehen intensiver wahr. „Er ist in der Abwehr viel besser geworden. Er wird von seinen Widersachern längst nicht mehr so ausgewackelt“, sagt Roth.

Der Respekt der Kollegen

Philipp Müller und Danner reden viel mit Golla – geben ihm Tipps. Dies ist in einer Bundesliga-Mannschaft nicht selbstverständlich. „Johannes hat sich die Unterstützung des gesamten Teams erarbeitet“, weiß Co-Trainer Mile Malesevic, „er darf sich nur nicht selbst so viel Stress machen.“ „Er soll sich seine jugendliche Unbekümmertheit bewahren“, ergänzt Roth. Manchmal hadert Golla noch zu sehr mit seinen Fehlern. Etwas, was ihn von ausgebufften Profis unterscheidet, die die nächste Aktion im Spiel so angehen, als sei vorher nie etwas gewesen.

Das Angriffsspiel

Beim 29:28-Erfolg am Sonntag im EHF-Pokal in Finnland gegen Cocks erzielte Golla drei blitzsaubere Tore bei vier Versuchen. In der Liga traf er bislang neunmal. Da er es als Kreisläufer immer mit mindestens zwei Gegenspielern zu tun bekommt, hat er es besonders schwer. Manchmal reibt er sich noch zu oft in Zweikämpfen auf. „Mir fehlt die Erfahrung, um da eben zu stehen, wo mich kein Verteidiger mehr blocken kann“, sagt der Youngster selbstkritisch.

Die Belastbarkeit

„Teilweise“, räumt der Junioren-Nationalspieler Golla ein, „hänge ich nach einem Spiel schon mal ein bisschen in den Seilen.“ Klar, er muss sich erst an die hohe Intensität gewöhnen. In der vergangenen Serie lief er zwar an einem Tag für A-Jugend-Bundesligateam und zweite Mannschaft der MT auf – aber die Belastung war nicht annähernd so hoch wie jetzt. Roth stellt klar: „Wir wollen den Jungen nicht verheizen.“

Freundin Elena, die Golla schon aus seiner Zeit in Wiesbaden kennt und die in Erfurt studiert, sieht er zurzeit selten. Sie wird ihm heute die Daumen drücken. Vor seiner Premiere.

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