MT nach Niederlage: Ein rätselhafter Rundenstart

Restlos bedient: die MT-Spieler (von rechts) Felix Danner, Michael Müller, Lasse Mikkelsen, Dener Jaanimaa, Timm Schneider (leicht verdeckt), Julius Kühn, Michael Allendorf, Nebojsa Simic und Finn Lemke. Foto:  Eibner

Stuttgart. Frisch geduscht verließ ein MT-Spieler nach dem anderen die Kabine in der Stuttgarter Porsche Arena. Einige wählten den Ausgang, duch den sie gut dreieinhalb Stunden zuvor auch hereingekommen waren.

Andere gingen zu der Tür hinaus, wo der Mannschaftsbus des Handball-Bundesligisten MT Melsungen mittlerweile stand.

Das passte zu diesem Abend, denn auch im Saison-Auftaktspiel gegen den TVB Stuttgart hatten sich die Gäste aus Nordhessen auf dem Feld bisweilen nicht immer für dieselbe Richtung entschieden: Einige Bälle landeten im Seitenaus oder gleich in den Armen des Gegners. Die 27:29-Schlappe der ambitionierten Melsunger gegen den Vorjahres-14. war die logische Konsequenz. Damit kassierte der mit vielen Vorschusslorbeeren bedachte Klub den ersten Dämpfer. „Nun sind irgendwelche Träume und das, was uns Andere in dieser Saison alles zutrauen, erst mal kein Thema mehr“, stellte MT-Manager Axel Geerken eine Woche vor dem ersten Heimspiel am kommenden Donnerstag (20.30 Uhr, Kassel) gegen den VfL Gummersbach fest.

Was vom Auftritt am Neckar in Erinnerung blieb:

Die Schwerfälligkeit

Die guten Eindrücke aus der Vorbereitung ließen auf einen guten Start in die Serie hoffen. Doch in Stuttgart wirkte das Team nicht frisch, nicht bereit, den ersten Schritt in dieser Spielzeit zu machen. „Mir ist es ein Rätsel, wie wir nach dem Auftakt im letzten Jahr noch mal mit so einem verschlafenen Start die Runde beginnen konnten“, erklärte Geerken enttäuscht. Er äußerte Verständnis für die Anfangsnervosität: „Aber wir haben es nicht geschafft, den Schalter umzulegen.“ Kurz nach Wiederbeginn, als die Gäste erstmals vorn lagen, schien Besserung in Sicht. „Wir brauchen eine richtige Stimmung in der Abwehr, aber man hat gesehen, dass wir noch einige Abstimmungsprobleme haben“, befand der angeschlagen ins Spiel gegangene Kreisläufer Marino Maric.

Die Unterlegenheit

„Eigentlich“, sagte MT-Linksaußen Jeffrey Boomhouwer, „sind wir das stärkere Team. Aber davon war heute nichts zu sehen.“ Stuttgart war die bessere Mannschaft. Immer wieder trugen die Hausherren über Michael Schweikardt und Michael Kraus ihre Angriffe überlegt vor. „Ich bin super-happy, Riesen-Kompliment an meine Mannschaft“, lobte TVB-Trainer Markus Baur. Egal, wen er auf das Feld schickte - es zahlte sich aus. So beorderte er etwa kurz nach Wiederbeginn den jungen Neuzugang Max Häfner auf das Parkett, und der Bruder des deutschen Nationalspielers Kai Häfner traf quasi mit seiner ersten Aktion zum 16:16.

„Die Stuttgarter waren sehr diszipliniert“, sagte Gäste-Coach Michael Roth, „wir waren in der Abwehr meist einen Schritt zu spät. Alles wirkte irgendwie gehemmt.“ Zudem ging das Torhüterduell klar an die Bittenfelder. Stuttgarts Johannes Bitter wehrte mehr Bälle ab als seine Gegenüber Johan Sjöstrand und Nebojsa Simic. Der Weltmeister riss seine Vorderleute mit und die Zuschauer förmlich von ihren Sitzen.

In der 50. Minute - es stand 25:23 für Stuttgart - stellten die Schiedsrichter Christoph Immel und Ronald Klein (Erkelenz/Mettmann) den Ex-Melsunger Schweikardt für zwei Minuten vom Feld. Doch sie nahmen kurz darauf die Bestrafung zurück. Was war passiert? Die Unparteiischen hatten nach den Reklamationen der Gastgeber noch mal bei Boomhouwer nachgefragt. Und der angehende Familienvater - seine Verlobte Sharelle erwartet ein Kind - zeigte sich vor 5821 Zuschauern als gutes Vorbild. „Ich habe gesagt, dass mich mein Gegenspieler nicht berührt hat“, erklärte der Niederländer später. Dafür erhielt der Rechtshänder Beifall von den TVB-Anhängern und Lob von Baur: „Chapeau für dieses Verhalten!“

Ärgerlich aus MT-Sicht: Kurz darauf ahndeten die Referees ein eher harmloses Foul von Spielmacher Timm Schneider mit einer Zeitstrafe, die Gäste gerieten in Unterzahl endgültig auf die Verliererstraße.

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